Wie ist das Drogenproblem am Stuttgarter Platz zu lösen?

Seismograf des Problems: Absatzzahlen eines Spritzenautomaten am Stuttgarter Platz zeigen an, wie es um die Szene steht. (Foto: Thomas Schubert)
Berlin: Stuttgarter Platz |

Charlottenburg. Eine feste Fixerstube eröffnen? Da winken Hauseigentümer ab. Jetzt präsentiert das Bezirksamt entgegen aller Widerstände neue Lösungen für das Drogenproblem am Stuttgarter Platz.



50 Cent. Das ist der Preis für ein steriles Besteck am Automaten unter der Bahnbrücke an Berlins wohl bekanntestem Drogenumschlagsplatz. Zwischen der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße und dem Westzipfel des Stuttgarter Platzes hinterlässt die Heroinszene Spuren. Seit 20 Jahren suchen der Bezirk und der Träger Fixpunkt dort nach der richtigen Strategie, um eines zu vermeiden: dass sich jemand an einer benutzten, weggeworfenen Spritze verletzt.

Eigentlich sollen Drogenkranke ihr Besteck in einem der roten Müllbehälter in den Büschen entsorgen. Doch der Idealfall tritt so selten ein, dass Spritzenfunde im Grünen die Regeln sind. Deshalb will der Bezirk einen großen Druckraum eröffnen, der den Drogenkonsum-Wohnwagen von Fixpunkt auf dem Taxistand ersetzt. So wäre die Rücknahme der Spritzen garantiert.

Druckraum unerwünscht

„Viele Gespräche mit den Vermietern haben aber nicht dazu geführt, dass Fixpunkt einen Raum gefunden hat, der für seine Zwecke ausreichend wäre“, meldet nun aber Gesundheitsstadtrat Carsten Engelmann (CDU) einen Misserfolg. Hausbesitzer am Stutti wollen offenbar keinen Druckraum in ihrem Kiez. Also gibt es nun zwei neue Ideen: Der Bezirk bezahlt Fixpunkt wohl noch in diesem Jahr ein zweites Konsummobil. Und er versucht mittelfristig, auf einem Parkplatz vor dem Bahnhof Charlottenburg einen Container als Fixerstube zu eröffnen.

Derzeit hat sich die Dealerszene allerdings Richtung Neukölln verlagert. „Hier haben Polizeirazzien mit 121 Verhaftungen von Dealern Wirkung gezeigt“, meldet Engelmann das Ergebnis eines harten Durchgreifens am Stutti in den vergangenen Monaten. Zählte man in Spitzenzeiten am Spritzenautomaten 2000 Verkäufe im Monat, sind es derzeit nur noch 700. Dass aber der Bezirk offenbar mit einer Rückkehr der Szene rechnet, zeigt eine langfristige Überlegung: Wenn im Stutti-Kiez ab 2017 Spielhallen wegen einer verschärften Gesetzeslage schließen, will man sich einen der dann leeren Räume als vollwertigen Druckraum sichern. tsc
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