BVG kann Aufzug zum U-Bahnhof nicht bauen

Auf der Höhe Nied- und Wilhelmshöher Straße könnte ein Fußgängerüberweg mit Ampel über die Bundesallee zum barrierefreien Aufzug führen. (Foto: KEN)

Friedenau. Enttäuschung und Unverständnis bei der Bürgerinitiative Friedrich-Wilhelm-Platz: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) müssen beim Umbau des U-Bahnhofs auf einen behindertengerechten Aufzug verzichten.

Die Verkehrslenkung Berlin hat einer Fußgängerampel zur Mittelinsel auf der Bundesallee nicht zustimmt. Den barrierefreien Zugang zum unterirdischen Bahnsteig kann die BVG aber aus technischen Gründen nur auf der grünen Mittelinsel schaffen. Die Verkehrslenkung hingegen befürchtet beträchtliche Rückstaus auf der Straße bei dann drei Ampelübergängen in kurzem Abstand.

"Es ist grotesk", sagt Michael Haarmann von der Bürgerinitiative. "Die BVG will und hat Geld, die Verkehrslenkung blockiert." Zwei Jahre lang hätten die Verkehrsbetriebe mit ihrem Bauchef Uwe Kutscher mit der Verkehrslenkung über den Aufzug und den dazu benötigten Fußgängerüberweg gestritten.

Die Bürgerinitiative (BI) ist der Auffassung, dass eine dritte Ampel den Verkehr nicht sonderlich beeinflussen würde. Eigene Gutachten hat sie nicht erstellen lassen. "Da reicht der bloße Augenschein aus", meint Haarmann. Der Verkehrslenkung Berlin wirft die BI vor, sich vor allem für den automobilen Verkehr zu interessieren.

In einem offenen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (beide SPD) bittet die Bürgerinitiative beide, diesem Thema "politische Priorität einzuräumen und auf eine Änderung der Haltung der Verkehrslenkung Berlin zu drängen". Die Verkehrslenkung gehört zum Haus von Andreas Geisel.

Friedenau sei ein Stadtteil mit vielen älteren Menschen und vielen Familien. "Im Umfeld des Friedrich-Wilhelm-Platzes befinden sich ein Seniorenheim, ein Heim für Menschen mit Behinderung, stationäre Pflegeeinrichtungen und Wohngemeinschaften, die Behindertenhilfe, einige Kindergärten und Schulen sowie eine Kirchengemeinde mit Seniorenangeboten", heißt es in dem offenen Brief.

Kommt jetzt nicht der Aufzug, wird es womöglich Jahrzehnte dauern, bis erneut über einen barrierefreien Zugang zum U-Bahnsteig diskutiert wird. Die Renovierungsabstände der BVG sind sehr groß. "Barrierefreiheit ist deshalb auf unbestimmte Zeit vertagt und geht zu Lasten nicht nur der Alten und Menschen mit Behinderung, sondern zum Beispiel auch der Eltern mit Kinderwagen", argumentiert die Bürgerinitiative.

Auf das Schreiben der BI vom 31. März hat weder Müller noch Geisel bislang reagiert. "Ich bin nicht überrascht", sagt Michael Haarmann. Er und seine zehn aktiven Mitstreiter sowie zahlreiche Unterstützer aus der Nachbarschaft wollen nicht aufgeben. "Wir haben verschiedene Ideen, um mehr Power in die Sache zu bekommen", sagt er. Die nächste Sitzung der BI findet am 23. April 18 Uhr im Gemeindehaus "Zum Guten Hirten", Bundesallee 76a, statt.


Karen Noetzel / KEN
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