"Köln gibt es hier nicht": Polizei informiert über sexualisierte Gewalt im Bezirk

Friedrichshain-Kreuzberg. Die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten waren der Aufhänger für einen Antrag der SPD. Er sollte Auskunft über sexualisierter Gewalt im Bezirk geben.

Ähnliche Vorkommnisse wie in der Domstadt seien in Friedrichshain-Kreuzberg bisher nicht bekannt, erklärte Tanja Knapp, Leiterin des Polizeiabschnitts 53. "Wir waren gerade nach dem Jahreswechsel in dieser Richtung besonders aufmerksam." Angezeigt worden seien in ihrem Bereich vier ähnlich gelagerte Fälle. Einer habe sich ebenfalls in der Silvesternacht ereignet, die anderen im Januar.

Tanja Knapp, zu deren Abschnitt das östliche Kreuzberg und damit auch die Kriminalitätshotspots Kottbusser Tor und Görlitzer Park gehören, machte diese Aussagen im Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Queer, in den sie zusammen mit zwei Kollegen vom Landeskriminalamt (LKA) eingeladen wurde. Alle drei wiesen darauf hin, dass abseits des "Phänomens Köln" sexuelle Nötigung auch hier ein Problem sei.

Delikte im häuslichen Bereich

Dabei sei ein Großteil dieser Delikte im häuslichen und privaten Bereich zu verorten, sagte Jörg Thiele, Dezernatsleiter für Sexualstraftaten beim LKA. Schon deshalb mache es aus Sicht der Polizei wenig Sinn, deren Häufigkeit an bestimmten Orten anzugeben. Das hatte der Antrag gefordert. "Sie verteilen sich flächendeckend." Und Gebiete wie Görli, Kotti, das RAW-Gelände oder andere "Epizentren des Feierns" seien weniger der Tatort, eher der Ausgangspunkt dafür. Etwa, wenn dort einem späteren Opfer K.O-Tropfen verabreicht werden.

Dagegen helfe vor allem Prävention. Dazu gehörte der Hinweis, dass sich Frauen nicht allein in unbekannte Begleitung begeben und den Heimweg mit Bekannten oder im Taxi antreten sollten. Vorgeschlagen wurde ein engerer Kontakt mit den Türstehern der Clubs. Die wären in den Nachtstunden oft die einzigen, die noch nüchtern sind, und könnten mögliche Gefahren deshalb am ehesten erkennen.

Solche Vorsorge sei vor allem beim Gefühl eigener Betroffenheit zielführend, meinte Tanja Knapp: der Erkenntnis, es könnte einen selbst treffen, was zu größerer Vorsicht führt. tf
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