Lehrerin als Vorbild: Polizei ehrt Friedrichshainerin für Zivilcourage

Lob und Dank von der Polizei. Julieta Fernandez Checo (links) und Kriminaloberrätin Sabine Burkowski. Foto: Frey (Foto: Thomas Frey)
 
Julieta Fernandez Checo zeigte Zivilcourage. (Foto: Thomas Frey)

Friedrichshain/Wedding. Die Auszeichnung scheint Julieta Fernandez Checo fast ein wenig peinlich zu sein. Sie habe nur getan, was eigentlich jeder tun sollte, macht sie deutlich.

Es macht aber nicht jeder. Und deshalb bekam die 37-Jährige am 9. Dezember eine "Belobigung" sowie einen Geschenkgutschein von der Polizei. Die Frau aus Friedrichshain wurde geehrt, weil sie am 31. Mai bei einer Straftat eingeschritten ist, das Opfer geschützt hat und mit Hilfe von zwei Unterstützern einen der Verdächtigen festhalten konnte. Seine Komplizen wurden wenig später gefasst.

"Sie hat genau so gehandelt, wie wir das immer wieder raten", sagt Kriminaloberrätin Sabine Burkowski, Leiterin der Inspektion für Raub- und Gewaltdelikte bei der Polizeidirektion 3.

Die Tat passierte an der Ecke Schul- und Turiner Straße in Wedding. Vier Heranwachsende im damaligen Alter zwischen zwölf und 17 Jahren hatten einen 18-Jährigen eingekeilt und gingen ihr Opfer um Zigaretten an. Julieta Fernandez Checo beobachtete die Szenerie zunächst aus dem vorbeifahrenden Auto heraus. Ihr wurde selbst dabei klar, dass es sich hier nicht um eine normale Rangelei unter Jugendlichen handelte. "Der Angegriffene zeigte Angst." Und er habe auch "Polizei" gerufen.

Deshalb parkte sie ihr Fahrzeug, stieg aus und ging auf die Gruppe zu. Sie habe nicht groß darüber nachgedacht, was sich daraus ergeben könnte, sondern einfach gesehen, dass jemand Hilfe braucht.

Die Frau signalisierte dem 18-Jährigen Unterstützung. Gleichzeitig versuchte sie andere Passanten auf die Situation aufmerksam zu machen. Und stellt enttäuscht fest, dass sich viele desinteressiert zeigten. "Da saß zum Beispiel ein Pärchen auf einer Bank. Die müssen das mitbekommen haben. Aber sie machten nichts und waren ziemlich schnell verschwunden." Anders verhielten sich zwei Bauarbeiter. Sie erkannten die Lage und kamen hinzu. Schon die Statur der Männer habe die Täter abgeschreckt, sagt Julieta Fernandez Checo. Drei ergriffen zunächst die Flucht. Einer wurde daran gehindert und der Polizei übergeben. Die wäre sehr schnell dagewesen.

Die vier Verdächtigen sind einschlägig bekannt. Bei einem seien seine Kollegen nur eine Woche vor dem Geschehen in der Schulstraße zu einem Gespräch vorstellig geworden, erzählt Kriminalhauptkommissar Michael Reichel von der Abteilung Intensivtäter. Dass er schon nach wenigen Tagen wieder rückfällig wurde, führte zu verschärfteren Sanktionen. Bis Ende November war er in einer Einrichtung in Brandenburg untergebracht. Am 22. Dezember beginnt sein Gerichtsverfahren.

Auch wenn sie die Ereignisse im Abstand betrachte, würde sie wieder so handeln, sagt die Friedrichshainerin. Aber eigentlich will Julieta Fernandez Checo gar nicht so viel erzählen und erst recht keinen Heldenstatus. Die Auszeichnung habe sie vor allem deshalb akzeptiert, weil ihre Geschichte zeige, dass jeder etwas tun könne.

Die 37-Jährige ist Lehrerin für Spanisch und Deutsch am Max-Delbrück-Gymnasium in Pankow. Sie wurde in der Dominikanischen Republik geboren und lebt seit mehr als 30 Jahren in Deutschland. Ihre Familie ("ich bin die Älteste von fünf Kindern") habe wahrscheinlich ebenso zu ihrer Einstellung beigetragen, wie der Beruf. Das Delbrück- Gymnasium trage den Titel "Schule für Zivilcourage". Damit müsse dann auch entsprechendes Handeln verbunden sein.

Anscheinend sieht das aber noch immer nur eine kleine Minderheit so. In ihrem Polizeibereich gebe es pro Jahr etwa fünf Auszeichnungen an Menschen, die sich ähnlich verhalten hätten wie Julieta Fernandez Checo, sagt Sabine Borkowski. Wahrscheinlich gelte diese Größenordnung auch für die anderen Polizeidirektionen. Verglichen mit den täglichen Anzeigen zu Delikten wie Raub oder Körperverletzung seien das sehr marginale Zahlen. tf
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