Ein Jubiläum im Vorbeigehen: Der Ostbahnhof wird 175

Ein Zug dampft 1978 aus dem Ostbahnhof. (Foto: Burkhard Wollny)
 
Hier gibt es seit 175 Jahren einen Bahnhof. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Ostbahnhof |

Friedrichshain. Doch, es sei etwas geplant, sagt Burkhard Ahlert. Eine Ausstellung, wahrscheinlich in der Halle. Zu sehen voraussichtlich ab 24. Oktober. Eine definitive Rückmeldung habe er aber bisher nicht.

Der Bahnsprecher gibt seinen Kenntnisstand knapp 14 Tage vor dem Jubiläumsdatum des Ostbahnhofs wieder. Der feiert am 23. Oktober 175. Geburtstag. Aber eine große Feier wird es nicht geben. Dabei handelt es sich beim Ostbahnhof nicht um irgendeine Station im Netz der DB. Denn er steht für wichtige Kapitel in der Eisenbahngeschichte. Und darüber hinaus der Deutschen Geschichte.

Am 23. Oktober 1842 fuhr der erste Zug ab. Also nur knapp sieben Jahre, nachdem im Dezember 1835 zwischen Nürnberg und Fürth zum ersten Mal ein Dampfross im späteren Deutschland unterwegs war. Nur zwei Bahnhöfe in Berlin waren älter. Und der Ostbahnhof ist der einzige, der seither nahezu durchgehend in Betrieb ist.

Als Kopfbahnhof war hier zunächst der Ausgangs- und Endpunkt der Strecke nach Frankfurt an der Oder. Deshalb hieß er auch Frankfurter Bahnhof. Aber der Name wechselte oft. Von 1881 bis 1950 hieß er Schlesischer Bahnhof, danach bis 1987 zum ersten Mal Ostbahnhof. Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins erfolgte dann die Umbenennung in Hauptbahnhof. Sie wurde elf Jahre später erneut durch Ostbahnhof ersetzt.

Einen anderen Ostbahnhof hat es ab 1867 unweit des damaligen Frankfurter Bahnhofs ebenfalls gegeben. Er befand sich am ehemaligen Küstriner Platz, heute Franz-Mehring-Platz. Mit dem Bau der Stadtbahn 1882 verlor er seine Bedeutung. Die Züge in Richtung Osten gingen danach vom Schlesischen Bahnhof ab. Er wurde damit zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt und zum ersten Halt für viele Zuwanderer.

Und nicht nur das. In seiner Umgebung entstand ein berüchtigtes Zentrum der Halb- und Unterwelt. Kaschemmen, Bordelle, Mietskasernen prägten das Bild. Der Maler Heinrich Zille wuchs in der Gegend auf und wurde hier zu seinen Miljöhzeichnungen animiert. Auch Wilhelm Voigt, besser bekannt als Hauptmann von Köpenick, lebte zeitweise in diesem Viertel. Der Frauenmörder Carl Grossmann, als "Bestie vom Schlesischen Bahnhof" in die Kriminalgeschichte eingegangen, fand im Quartier seine Opfer. Bekannnt ist auch die Massenschlägerei mit Todesfolgen vom Dezember 1928, bei der Arbeiter, die beim Bau der heutigen U 5 beschäftigt waren und die Unterweltkönige der sogenannten Ringvereine aneinandergerieten.

Die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg haben das Gebiet nahezu vollständig zerstört. Der Bahnhof lag nach 1945 im Ostteil Berlins, nach 1961 unweit der Mauer. Für die Hauptstadt der DDR blieb seine Bedeutung groß, was 1987 durch die Umtaufe in Hauptbahnhof ausgedrückt wurde. Er war nicht zuletzt Einfallstor für viele Besucher aus den sozialistischen Bruderstaaten. Manche kamen dort nur an, um sich im nahe gelegenen Centrum-Warenhaus einzudecken. Das Kaufhaus, zuletzt Galeria Kaufhof, wurde im vergangenen Sommer geschlossen.

Auch das steht für die geringere Bedeutung, die der Ostbahnhof bereits seit vielen Jahren hat. Zwar wurde dort nach der Wiedervereinigung groß der Zusammenschluss von Deutscher Bahn und Reichsbahn gefeiert und die Station auch mehrfach saniert. Parallel dazu gab es aber ein Ausdünnen der Zugverbindungen. Nur noch wenige ICE-Strecken verlaufen über den Ostbahnhof, der Regionalverkehr soll weiter eingeschränkt werden.

Somit passen die eher gedimmten Jubiläumsaktivitäten der Bahn in dieses Bild. Natürlich sei der Ostbahnhof nicht irgendein Bahnhof, bekräftigte zwar auch Burkhard Ahlert. Um dann aber gleich auf anderes zu verweisen, was das Eisenbahnunternehmen derzeit mehr beschäftigt. Der Endspurt an der Riesenbaustelle Ostkreuz zum Beispiel oder die vollständige Eröffnung der Schnellbahntrasse Berlin-München im Dezember.

Deshalb sind 175 Jahre Ostbahnhof der Bahn nur einige Schautafeln wert. tf
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