Lichtenrader drohen Bahn mit Klagewelle

Für die S-Bahn reicht eine Schranke. Kommen die Fernbahngleise dazu, müssen Lärmschutzwände gebaut werden. (Foto: HDK)

Lichtenrade. Nachdem Berlins Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) kürzlich die seit rund 17 Jahren geforderte Untertunnelung der Bahnhofstraße für die Dresdner Bahntrasse zum wiederholten Mal in diesem Jahr öffentlich infrage gestellt hat, wächst die Unruhe am südlichen Stadtrand.

Wie berichtet, hat daraufhin die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in diesem Jahr schon zweimal einstimmig beschlossen, dass der für die Dresdner Bahn geplante Schienenstrang nur innerhalb eines Tunnels durch Lichtenrade geführt werden soll. Selbst im Berliner SPD/CDU-Koalitionsvertrag ist die von der Bürgerinitiative Dresdener Bahn seit Jahr und Tag geforderte Tunnellösung vereinbart.

Die Bahn favorisiert dagegen nach wie vor die ebenerdige Verlegung der Gleise und Lärmschutzwände quer über die Bahnhofstraße. Lichtenrade würde damit zerteilt. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Was dabei leicht übersehen wird: Das Planfeststellungsverfahren ist allein Sache der Deutschen Bahn und die Zuständigkeit samt Entscheidung liegt weder beim Senat noch bei der Tempelhof-Schöneberger BVV, sondern beim Bundesverkehrsministerium beziehungsweise beim nachgeordneten Eisenbahn-Bundesamt. Letztendlich liegt es aber wie üblich am Geld. Immerhin bewegen sich die Mehrkostenschätzungen für einen Tunnelbau bis zu 130 Millionen Euro über den Kosten für die ebenerdige Variante.

Allerdings weiß im Moment niemand so genau, wie hoch die Kosten überhaupt zu veranschlagen sind. Bislang war immer von etwa 350 bis 400 Millionen Euro die Rede. Aber schließlich ist es in den beinahe zwei vergangenen Jahrzehnten nicht billiger geworden. Eher das Gegenteil. Dazu kommt, sollte die Bahn mit ihrem Plan durchkommen, dass eine unkalkulierbare Zeitverzögerung durch Gerichtsverfahren droht. Die Bürgerinitiative Dresdner Bahn hat schon angekündigt, den Rechtsweg zu beschreiten. Auch Frank Behrend, Vorsitzender des Lichtenrader Grundeigentümervereins, fordert eine umgehende politische Entscheidung und erklärt, andernfalls die Klage der BI zu unterstützen. "Hier wird für 100 Jahre und mehr gebaut, sodass es sich um gut angelegtes Geld handelt; schließlich würde die ebenerdige Variante massive Nachteile für Lichtenrade mit sich bringen", so Behrend. Damit ist, wie von allen Parteien gefordert, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Zug. Er ist übrigens schon der achte Minister, der mit dem scheinbar unendlichen Lichtenrader Hickhack konfrontiert ist.


Horst-Dieter Keitel / HDK
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