Begleitende Qualitätskontrolle im Eigenheim

Ekkehard Zimmermann verdeutlicht: Eine fehlende Dichtung am Fenster könnte bereits einen kostspieligen Schaden am Haus nach sich ziehen. (Foto: Alexander Völkert)

Ein Haus auf eigenem Grund und Boden - für viele junge Menschen der größte Wunsch im Leben. Alina und Daniel Goran haben ihn wahrgemacht. Ihr Haus entsteht gerade in Altglienicke.

Schon Tausende Male hat Ekkehart Zimmermann viele Fenster nach dem Einbau an einem Eigenheim geprüft und weiß genau, worauf zu achten ist. "Ein Fenster muss von innen luftdicht, von außen wasserdicht und in der Mitte gedämmt sein", erläutert der Architekt. Seit zehn Jahren arbeitet er als unabhängiger Sachverständiger für den "Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau e.V." (VQC). Bei einer begleitenden Qualitätskontrolle am Eigenheim kommt er drei Mal zum Auftraggeber auf die Baustelle. Eine Überprüfung dauert etwa eine Stunde. Die erste macht er am offenen Rohbau. Er überprüft, ob der Dachstuhl sachgerecht konstruiert wurde "Außerdem kontrolliere ich, ob die Bodenplatte dicht und das Mauerwerk sauber verarbeitet wurde." Bei der zweiten Prüfung sind die Fenster bereits eingebaut. Zimmermann mustert sie von außen und innen. Des Weiteren kontrolliert er die gesamte Elektro- und Sanitärinstallation und hat einen genauen Blick, ob die Leitungen korrekt verlegt und gedämmt wurden.

97 Prozent mit Mängeln

Wohnraum in Großstädten wird knapp. Folglich boomt der Bau von Eigenheimen. Ein unabhängiger Sachverständiger überprüft die Bauausführungen. Aber worauf muss geachtet werden, um mit dem Eigenheim nicht böse auf die Nase zu fallen? Mit neuen Vorschriften zu Energieeffizienz, Dämmung und Wärmeverteilung ist es für den privaten Bauherrn nahezu unmöglich, einen Hausbau in Eigenregie zu managen.

Der Verband privater Bauherren schätzt, dass alleine durch Pfusch am Bau jährlich deutschlandweit Schäden von etwa 1,5 Milliarden Euro entstehen. 45000 Bauvorhaben landen vor Gericht. Erschreckende 97 Prozent aller Verträge mit Bauherren weisen Mängel auf. " Wir werden zu spät gerufen", klagt der Vorsitzende von VQC, Udo Schumacher-Ritz. "Noch bevor gebaut wird , steigen wir ein, schauen uns die Baupläne an und beraten den Bauherrn. Die Kosten für einen Bausachverständigen liegen bei etwa 2200 Euro für drei Termine. "Ideal wäre eine Baustellenbegehung mit einem Sachverständigen an sieben Terminen", sagt Dipl.-Ing. Wolfang Queißer vom Verband privater Bauherren. Dabei könnten die Ergebnisse der wichtigsten Bauphasen unter die Lupe genommen werden, und bei Fehlern könne noch rechtzeitig gegengesteuert werden. Bauherren sollten für sechs bis sieben Termine mit einem Sachverständigen rund 3500 Euro einplanen.

Kurz vor dem Einzug

Bevor Familie Goran in ihr neues Heim zieht, kommt Zimmermann noch ein drittes Mal und macht den Blower-Door-Test. Dabei prüft er mit einem Messverfahren, ob das Haus luftdicht ist. Außerdem kontrolliert er Innen- und Außenputz. Dabei achtet er darauf, ob die untere Sockelkante des Hauses richtig abgedichtet wurde. "Wenn hier undichte Stellen sind, kann das später schwere Folgen haben, denn nirgends ist ein Haus empfindsamer als am Übergang zum Erdreich." Ist ein Keller dabei, kommt Zimmermann noch ein viertes Mal. "Das betrifft in Berlin nur 10 Prozent unserer Kunden, denn es ist hier günstiger in die Breite anstatt in die Tiefe zu bauen", sagt er.

Am 1. November ziehen Alina und Daniel Goran ins neue Eigenheim. Nachwuchs ist geplant, denn Kinderzimmer und ein großer Garten zum Spielen warten schon.


Alexander Völkert / av
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