Hochhaus auf der Fischerinsel: WBM baut Wohnturm neben den Plattenbau-Hochhäusern

Das Hochhaus aus der Sicht vom Mühlendamm. (Foto: DMWS/bzz)
 
Modell für das Wohnensenble mit Hochhaus am Mühlendamm Ecke Fischerinsel. (Foto: DMWS/bzz)
Berlin: Fischerinsel |

Mitte. Auf dem Grundstück Fischerinsel Ecke Mühlendamm errichtet die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) ab kommendem Jahr ein Gebäudeensemble mit 200 Wohnungen und ein Hochhaus.

Noch parken Autos auf der grünen Freifläche am Mühlendamm Ecke Fischerinsel. Doch schon bald werden die Mieter der DDR-Plattenbauriesen auf ihre Stellplätze verzichten müssen. Statt auf viele Bäume blicken die Bewohner dann auf einen U-förmigen Gebäuderiegel, aus dessen Sockel am Mühlendamm zur Mühlendammbrücke hin ein Hochhaus emporwächst. Das sieht der Entwurf des Architekturbüros DMSW vor, das einen europaweiten Wettbewerb für Wohnungsneubau auf der Fischerinsel gewonnen hat.

Die sechs DDR-Hochhäuser aus den 1970-er Jahren auf der Fischerinsel mit 21 Stockwerken und 65 Meter Höhe bekommen einen etwas kleineren Bruder. Das WBM-Hochhaus soll 58 Meter in den Himmel ragen und 19 Geschosse haben.

Der neue Wohnturm ist umstritten, weil laut dem Planwerk Innere Stadt der Senatsbauverwaltung von 1999 an der Stelle kein Hochhaus vorgesehen war. Auf dem Grundstück sollten vier- bis sechsgeschossige Häuser entstehen, die sich am früheren Stadtgrundriss orientieren. Das Areal rund um die Fischerinsel gilt als Keimzelle Berlins. Schräg gegenüber befindet sich der noch unbebaute Petriplatz, dessen historische Konturen wiederhergestellt werden sollen. Archäologen graben hier seit Jahren. Der Ort gilt als der älteste der Stadt und ist die Wiege Berlins. Auf dem Petriplatz sind ein Büro- und Geschäftshaus, ein Bet- und Lehrhaus sowie ein Archäologisches Zentrum geplant.

Zu den Kritikern der WBM-Hochhauspläne gehören der frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann und Geschichtsvereine wie der Verein Berliner Historische Mitte, der sich für die Rekonstruktion des historischen Stadtkerns einsetzt. WBM-Sprecherin Steffi Pianka verteidigte die Wohnturmpläne und bezeichnete den Entwurf als „gute städtebauliche Lösung.“ Das etwas niedrigere Hochhaus führe die vorhandenen Hochhäuser fort und der achtgeschossige Sockelbau (25,5 Meter hoch) orientiere sich an den Gebäuden gegenüber. Von Mietern habe es bisher keinerlei Kritik oder Beschwerden gegen die Wohnungsbaupläne gegeben, so Pianka.

Bevor die Bagger für das 33 Millionen Euro teure Neubauprojekt anrücken, graben erstmal ab Frühjahr Archäologen auf dem Areal. Das Baugrundstück auf der Fischerinsel gilt als archäologische Verdachtsfläche. Pianka glaubt, dass die Forscher im Boden etliche historische Spuren finden. Die Bauarbeiten könnten sich wegen der Grabungen verzögern.

Die WBM plant in den Häusern etwa 200 Wohnungen. Ein Drittel der Wohnungen soll mit Fördermitteln des Landes errichtet werden und zu Quadratmeterpreisen von etwa 6,50 Euro (kalt) angeboten werden. Mindestens die Hälfte der Wohnungen soll für Senioren geeignet sein. Auch zwei integrierte Senioren-Wohngemeinschaften sind geplant. Im Erdgeschoss soll es kleinere Läden für die Nahversorgung geben. Baubeginn soll Ende 2016 sein. Alle Wettbewerbsarbeiten werden vom 2. bis zum 16. Oktober im Foyer des Internationalen Handelszentrums (IHZ) in der Friedrichstraße 95 ausgestellt. DJ
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