Alte raus aus Mitte: Zwei weitere Pflegeeinrichtungen sollen Bürohäuser werden

Imposantes Gebäude: Das Senioren-Domizil Am Alexanderplatz in der Magazinstraße 6-7 soll geschlossen werden. Büros sollen einziehen. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Senioren-Domizil am Alexanderplatz |

Mit Senioren- und Pflegeeinrichtungen lässt sich anscheinend kein gutes Geld mehr verdienen. Am Hackeschen Markt soll wie berichtet eine Seniorenresidenz abgerissen werden und neuen Wohn-, Büro- und Geschäftshäusern weichen. Nun sollen im Bezirk zwei weitere Heime geschlossen werden.

Acht Pflegeeinrichtungen betreibt die Familie von Unternehmensgründer Berthold Hecht in Berlin und Niedersachsen. Seit 35 Jahren ist er mit seinen Senioren-Domizilen im Geschäft. Jetzt will er zwei Pflegeheime in Mitte schließen.

Im Januar hat das Unternehmen im Bezirksamt die "Umnutzung eines Seniorenheimes in eine ausschließliche Büronutzung“ für das Senioren-Domizil Am Alexanderplatz in der Magazinstraße 6-7 und das Senioren-Domizil in der Invalidenstraße 120-121 beantragt. Insgesamt 14 000 Quadratmeter Nutzungsfläche will Berthold zu Büros machen. Die Gebäude sind imposant und repräsentativ. Das Senioren-Domizil Am Alexanderplatz an der ruhigen Magazinstraße liegt neben dem Landespolizeiverwaltungsamt und ist in einem mondänen Gebäude von 1911 mit Parkettfußböden und einem „herrschaftlichen Saal“ untergebracht, wie es auf der Website heißt. Die Alten des Senioren-Domizils Invalidenstraße wohnen im denkmalgeschützten ehemaligen Hotel Baltic.

Unter den Angestellten brodelt schon länger die Gerüchteküche, auch weil in letzter Zeit Gutachter durch die Wohnetagen marschiert sind. Dass ihre Häuser geschlossen und exklusive Büroadressen werden sollen, wusste bisher aber niemand. Gegenüber der Berliner Woche will sich kein Mitarbeiter öffentlich äußern. Die Familie Hecht mit dem Gründer Berthold Hecht und Junior Thorsten Hecht reagiert nicht auf Anfragen der Berliner Woche. Trotz telefonischer Nachfrage war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

Was aus den Heimbewohnern wird, ist unklar. Heimbetreiber können Pflegeverträge auch kündigen. Bau- und Sozialstadtrat Ephraim Gothe (SPD) will die Umnutzungsanträge für die beiden Seniorenheime „gründlich prüfen“ und „wenn wir können, das Seniorenwohnen erhalten“, sagt er.

Die zwei zur Schließung vorgesehenen Heime sind nicht voll ausgelastet. An der Invalidenstraße leben 100 Bewohner bei möglichen 154 Betten. Das Seniorenheim an der Magazinstraße könnte laut Genehmigung durch die Pflegekassen 200 Menschen betreuen – momentan sind etwa 100 Bewohner eingecheckt. Die Pflegebranche ist seit Jahren massiv unter Druck. Mit der neuen Gesetzesreform soll eine häusliche Pflege solange wie möglich erfolgen, bevor es eine Kostenzusage für die vollstationäre Versorgung gibt. „Ambulant vor stationär“ ist die Devise.

Auch am Hackeschen Markt soll eine Seniorenresidenz verschwinden. Die neuen Eigentümer wollen das erst 20 Jahre alte Gebäude abreißen und an der Stelle neue Gebäude errichten. Dort planen die Investoren von DC Values neue Häuser für Wohnungen, Büros und Geschäfte. Die Seniorenresidenz „Vis à vis der Hackeschen Höfe“ hat allerdings noch einen langfristigen Mietvertrag.
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