Antje Meyer von der IHK Berlin über das Engagement von Unternehmen

Antje Meyer arbeitet in der Jury mit, die die Franz-von-Mendelssohn-Medaille verleiht. Damit werden besonders engagierte Betriebe geehrt. (Foto: Sebastian Hartz)

Berlin. Antje Meyer ist Chefin der Agentur orangeblue relations. Außerdem ist sie CSR-Sprecherin der IHK Berlin - ehrenamtlich. Mit viel Schwung und Elan bringt die Kommunikationswissenschaftlerin der Berliner Wirtschaft das Thema nahe. Zum Abschluss unserer fünfteiligen Serie über Unternehmensengagement sprach mit ihr unsere Reporterin Anett Baron.

Frau Meyer, was verbirgt sich nach Ihrem Verständnis hinter Corporate Social Responsibility, abgekürzt CSR?

Antje Meyer: CSR ist die gesellschaftliche Verantwortung in der gesamten Bandbreite unternehmerischen Handelns. In der Diskussion ist ab und zu von CR die Rede, was im Prinzip das gleiche meint. Die IHK nutzt die Abkürzung CSR, da sie auf der EU- und Bundesebene gängig ist. Wir setzen CSR gerne in den Zusammenhang mit dem Kammerbegriff des "Ehrbaren Kaufmanns". Basierend auf eine jahrhundertealte Tradition haben die Industrie- und Handelskammern per Gesetz die Aufgabe, für die Wahrung von Anstand und Sitte des ehrbaren Kaufmanns zu wirken. Hier sind grundlegende Werte verankert, die sich im CSR-Gedanken wiederfinden.

Was bedeutet CSR für den Wirtschaftsstandort Berlin?

Antje Meyer: CSR hat in Berlin bereits einen hohen Stellenwert. Es gibt zahlreiche Institutionen und Beratungsunternehmen mit den entsprechenden Arbeitsplätzen. Außerdem sind CSR-geprägte Unternehmen hochgradig attraktiv. Gerade junge, gut ausgebildete Arbeitnehmer suchen Unternehmen, die ihre Ideale mittragen oder durch die sie selbst Gutes tun können. Die Arbeit soll nachhaltig sein und sich mit eigenen Lebensvorstellungen decken.

Welches sind Ihre Aufgaben als CSR-Sprecherin der IHK Berlin?

Antje Meyer: Als CSR-Expertin und Vertreterin der Berliner Unternehmer bin ich quasi das repräsentative Gesicht. Hintergrund ist meine langjährige Tätigkeit im IHK-Präsidium. Ich berate, unterstütze die Netzwerkarbeit, arbeite an Publikationen mit und moderiere Veranstaltungen wie das CSR-Forum. Hier treffen sich regelmäßig Unternehmer zu einer spezifischen Fragestellung zum Austausch.

Variiert CSR je nach Betriebsgröße?

Antje Meyer: Der Unterschied differiert in der Ganzheitlichkeit des Ansatzes. Große Unternehmen können aufgrund ihrer Stärke gleich alle Bereiche einschließen. Bei kleineren Unternehmen findet jetzt ein Umdenken statt: Neben dem Ehrenamt für Kiez und Kultur werden auch die internen Bereiche überprüft. Viele Unternehmen verändern vor dem Hintergrund des Fachkräftebedarfs verstärkt ihre Personalarbeit und investieren freiwillig. Das beinhaltet die Qualifizierung, Gesundheitsvorsorge und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Haben sich schon viele Berliner Unternehmen dem Konzept angeschlossen?

Antje Meyer: Eindeutig ja. Das zeigt der rege Austausch im CSR-Forum. Immer mehr Unternehmen berichten von guten Beispielen. Außerdem befinden wir uns gerade in einer EU-Förderperiode. Der Europäische Sozialfonds unterstützt CSR-Projekte. Die Förderung richtet sich an Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen. Viele haben diese Chance ergriffen.

Was raten Sie Unternehmen, die CSR für sich entdeckt haben?

Antje Meyer: CSR birgt die Chance, Potenziale aber auch Defizite aufzudecken. Zu Beginn steht die Frage: Was bedeutet Verantwortung für mein Unternehmen? Damit stößt man einen spannenden Prozess an, vor dessen Komplexität man nicht zurückschrecken braucht. Wenn man mit Spaß bei der Sache ist und eine gute Beratung an seiner Seite weiß, entwickeln sich schnell positive Schritte. Sehr hilfreich ist oft ein erstes gemeinsames Identifikationsprojekt im Unternehmen.

Lässt sich CSR zertifizieren?

Antje Meyer: Nein, unser Ansinnen ist freiwilliges Handeln. Das lässt sich nicht in standardisierten Normen pressen. Die Bundesregierung hat den "Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen" herausgegeben. Das ist mehr eine Art Handbuch zur Orientierung. Laut Umfragen würden sich zum Beispiel neue Berichtspflichten kontraproduktiv auf die Motivation auswirken. Mehr als jedes fünfte Unternehmen würde sein Engagement zurückfahren.

Am 28. und 29. Oktober findet der 2. Berliner CSR-Tag statt. Was passiert da?

Antje Meyer: Den ersten Tag starten wir mit dem Gute-Tat-Marktplatz. Dieser Tag ist eine tolle Chance für Unternehmen, mit sozialen Organisationen Kooperationen zu verabreden. Die Fachkonferenz am zweiten Tag steht unter dem Motto "Vom Erfolg der Verbindlichkeit". Gemeinsam mit Experten wird unter anderem die Frage diskutiert, welchen Wert CSR für ein Unternehmen hat. Interessierte Berliner Unternehmen sind herzlich eingeladen.


Anett Baron / AB
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