Verein "Leben mit Tieren" betreut Kinder und Senioren

Seit acht Jahren ist Viola Freidel mit Herrn Müller als Besuchsteam im Einsatz. Pudel sind für derartige Aufgaben besonders geeignet. (Foto: Kahle)

Berlin. Ob die liebevolle, mitunter verwirrte alte Dame oder der in sich versunkene Greis oder die wilden Knirpse einer Kita-Gruppe - wenn Herr Müller sie besucht, sind sie alle häufig wie ausgewechselt.

Denn Herr Müller, der weißgelockte Pudel, ist ein Menschenfreund. Er und sein Frauchen Viola Freidel bilden eines der Besucherteams des Berliner Vereins "Leben mit Tieren". Der 1988 gegründete gemeinnützige Verein mit Sitz in Alt-Lietzow 31 in Charlottenburg zählt rund 200 Mitglieder. Die Besucherteams betreuen Kitas sowie Senioren- und Pflegeeinrichtungen. "Dabei geht es nicht vorrangig um die Bespaßung von Kindern und alten Leuten, sondern um Aufklärung und um strukturierte Mensch-Tier-Kontakte", sagt Viola Freidel, Geschäftsführerin und einzige Angestellte des Vereins. Bei psychisch kranken, alten und vor allem dementen Menschen würden die Hunde als Medium wirken, mit deren Hilfe Gefühle entstehen können: Freude und Trauer, manchmal Wut. Zu den tierischen Helfern gehören auch Kaninchen, die ebenfalls mit zum Besuch genommen werden können.

Über die Tiere finden die Menschen wieder Zugang zur Gemeinschaft. Sie werden abgeholt aus ihrer inneren Welt. Durch den wöchentlichen Besuch der Tiere entstehen wieder Gemeinschaftserlebnisse. "Das ist ganz wertvoll. Das schafft kein Therapeut", sagt die Geschäftsführerin des Vereins.

Mehr als 60 Einrichtungen stehen derzeit auf der Warteliste des Vereins "Leben mit Tieren". Der verfügt bislang über 40 bis 50 Teams. "Das sind zu wenige, um alle Einrichtungen zu bedienen", bedauert Viola Freidel. Das liege auch an den besonderen Anforderungen an die Menschen und die Tiere.

"Wer hat schon Zeit, einmal pro Woche immer zu einer bestimmten Zeit für ein bis zwei Stunden regelmäßig eine Pflegeeinrichtung zu besuchen? Da reicht guter Wille allein nicht aus", sagt Viola Freidel. Denn Besuchsdienste bedeuteten mitunter eine große psychologische Belastung für Mensch und Tier. Auch die Besuchshunde müssten besonders menschenfreundlich sein, dürften kein aggressives Verhalten zeigen und müssten gesund sein. Deshalb werden Hundehalter und Tiere vom Verein gründlich auf Eignung getestet und ständig umfangreich geschult. "Andererseits ist es ein schönes Gefühl, Zeit zu schenken", sagt Viola Freidel. Es sind zu 95 Prozent Frauen in der zweiten Lebenshälfte, die bereit und in der Lage sind, sich an den Besuchsdiensten zu beteiligen. Sie sind nicht berufstätig, haben bereits erwachsene Kinder und möchten mit ihrem Hund nicht nur Gassi gehen.

Seit 2007 unterstützt der Senat den Verein bei dem Projekt für demenziell und psychisch Erkrankte in Wohngemeinschaften und im häuslichen Bereich. Die Abrechnung erfolgt über die Pflegekassen.

Besuchsstunden in Pflegeheimen, Senioreneinrichtungen und Kitas werden nach Stunden bezahlt. Darüber hinaus finanziert sich der Verein über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Davon werden die Kosten für Personal und Verwaltung sowie eine kleine Aufwandsentschädigung für die Besuchsdienste beglichen. Zudem betreibt der Verein noch ein Tierbegegnungshaus in der Schmargendorfer Lentzeallee 2.

Weitere Informationen gibt es unter 70 17 79 53, E-Mail: info@lebenmittieren.de, Internet: www.lebenmittieren.de.

Michael Kahle / m.k.
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