Dicke Luft in der Silbersteinstraße

Neukölln. An 35 Tagen im Jahr darf der Tagesgrenzwert für Feinstaub höchstens überschritten werden. In der Silbersteinstraße war das schon am 1. Oktober der Fall. Der BUND fordert daher weitere Maßnahmen.

An der Luftgüte-Messstation der Silbersteinstraße werden seit vielen Jahren immer wieder die Grenzwerte überschritten - mehr als an jeder anderen Straße in Berlin, aber dicht gefolgt von der Karl-Marx-Straße. Bereits am 1. Oktober wurde der Tagesgrenzwert von 50 µg/m3 für Feinstaub zum 36. Mal überschritten - nur 35 Tage sind laut EU-Richtlinie erlaubt. "Der weitaus größte Teil der Feinstaubkonzentration in Berlin wird bei ungünstigen Windverhältnissen von Kohlekraftwerken aus Nachbarländern verursacht" erzählt Martin Schlegel, Fachreferent des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für Verkehrspolitik.

Ursächlich für die erhöhte Belastung in der Silbersteinstraße sei aber in hohem Maße die Tatsache, dass viele Lkw das Durchfahrverbot nicht einhalten. "Ansonsten hätten wir mindestens zehn Tage weniger Überschreitungen", so Schlegel. Der BUND fordert mehr Kontrollen durch die Polizei, eine Tempo-30-Zone und ständige Geschwindigkeitskontrollen. "Man muss auf allen Ebenen an dem Problem arbeiten", sagt der Referent und fordert den Bezirk auf, darauf einzuwirken. Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) weiß um das Problem, bemängelt aber auch, dass die Messstation extrem ungünstig inmitten einer Häuserschlucht aufgestellt sei. Tempo 30 gelte in der Silbersteinstraße schon seit Jahren.

"Aus unserer Sicht können wir nichts weiter veranlassen. Eine Straßensperrung kommt nicht in Betracht", so der Stadtrat. Auf Anfrage bestätigte die Polizei, dass sie in diesem Jahr bisher 23 Verkehrssonderkontrollen zur Überwachung von Geschwindigkeitsverstößen durchgeführt und dabei auch Verstöße gegen das Durchfahrverbot geahndet habe.

Schon seit Jahren führt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt auch Gespräche mit den Verursachern in den Nachbarländern. Sprecherin Petra Rohland: "Wir wollen das Problem nicht verharmlosen". Eine Vielzahl von Maßnahmen trage zur Entlastung bei. "Es ist aber immer auch eine Frage der Angemessenheit."


Sylvia Baumeister / SB
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