Staatsbesuche im geteilten Deutschland: Schlösser-Stiftung bereitet neue Ausstellung vor

Das Schloss Schönhausen war viele Jahre eine Herberge für Staatsgäste. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Schloss Schönhausen |

Niederschönhausen. Das Schloss Schönhausen hat eine wechselvolle Geschichte. Es war nicht nur Sommerresidenz einer Königin und Amtssitz des einzigen DDR-Präsidenten, im Schloss wurden auch viele Staatsgäste empfangen.

Zwischen 1965 und 1989 beherbergte Schloss Schönhausen als Gästehaus der DDR-Regierung zahlreiche Oberhäupter aus den "Bruderstaaten" wie der UdSSR, Kuba oder Rumänien. Aber auch Staatsmänner aus blockfreien Ländern wie Indien oder Österreich residierten im Schloss. Zu diesem Thema bereitet eine Gruppe der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) gemeinsam mit Kollegen aus den Schlössern Augustusburg und Falkenlust (Brühl/Nordrhein-Westfalen) nun eine Ausstellung vor. Unter dem Motto „Schlösser für den Staatsgast“ wird ein Blick auf die „Staatsbesuche im geteilten Deutschland“ geworfen.

Nach dem Ende der Monarchie erhielten viele Schlösser neue Funktionen. Sie wurden als Museen oder Verwaltungssitze genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg werteten beide deutsche Staaten einige Schlösser symbolisch auf. „Sie sollten als repräsentativer Sitz der höchsten Staatsautorität oder als repräsentativer Ort für Staatsempfänge dienen, erstaunlicher Weise sowohl in der bundesdeutschen Demokratie als auch in der sozialistischen ‚Demokratie‘ der DDR“, sagt SPSG-Pressesprecher Dr. Ulrich Henze.

Der erste Gast war János Kádár

Die DDR nutzte Schloss Schönhausen zuerst als Sitz des Staatspräsidenten Wilhelm Pieck, dann ab 1966 als Gästehaus des Ministerrats. Erster Staatsgast im Schloss war seinerzeit der ungarische KP-Chef János Kádár. In der Bundesrepublik fand bereits 1949 mit der Amtseinführung von Bundespräsident Theodor Heuss der erste repräsentative Staatsakt auf Schloss Augustusburg statt. Ab 1954 folgten weitere Staatsbankette.

Die Schlösser wurden so zu Zentren der außenpolitischen Selbstdarstellung. Sie sollten als zeremonielle Orte dem jeweiligen Staat einen repräsentativen Rahmen verleihen. In der neuen Ausstellung sollen nun die Staatsbesuche in beiden deutschen Staaten thematisiert werden. In Schloss Schönhausen stünden dafür auf allen drei Etagen 16 Räume mit 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche zur Verfügung, berichtet Ulrich Henze. Gezeigt werden Fotografien, Film- und Tonaufnahmen sowie zahlreiche Dokumente und Objekte. Weiterhin wird eine Auswahl von Regierungsgeschenken präsentiert.

Zur Ausstellung stellt die SPSG auch das 1966 vom Gartenbauingenieur Karl Kirschner entworfene Ornament-Beet vor dem Haupteingang des Schlosses wieder her. Vorgesehen ist, dass die neue Ausstellung vom 1. April bis zum 3. Juli zunächst im Schloss Schönhausen gezeigt wird. Danach soll sie vom 30. Juli bis zum 1. November im Schloss Augustusburg zu besichtigen sein. Die Schirmherrschaft für die Ausstellung hat Bundespräsident Joachim Gauck übernommen. BW
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