Gewobag beendet Sanierung des Wohnpalastes am Ostseeplatz

Stadtforscher Michael Bienert recherchierte die Geschichte des Wohnpalastes. (Foto: BW)
 
Michael Bienert recherchierte die Geschichte des Wohnpalastes und gab bei einer kleinen Führung Mietern einen Einblick in seine Forschungsergebnisse. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Mit seiner grauen Farbgebung wirkt er eher unscheinbarer. Doch dieser Häuserblock hat es in sich. Die Gewobag schloss jetzt die Sanierungsarbeiten an dem Wohnpalast am Ostseeplatz ab.

Diesen protzigen Namen für das langgestreckte Gebäude zwischen Hosemann- und Mandelstraße dachte sich nicht etwa die städtische Wohnungsbaugesellschaft aus. Unter der Bezeichnung "Wohnpalast" entstand das Gebäude in den Anfangszeiten der DDR. Dort sollte das in etwas kleinerem Maßstab fortgesetzt werden, was mit dem Bau der Häuser an der ehemaligen Stalinallee begann, berichtet Michael Bienert. Der Stadtführer und Buchautor war von der Gewobag beauftragt worden, die Geschichte des denkmalgeschützten Bauwerks zu recherchieren. Bislang hieß es in Fachkreisen schlicht Henselmann-Bau. Hermann Henselmann war der Star-Architekt der jungen DDR. Mit seinem Namen ist der "Zuckerbäckerstil" der Häuser an der Karl-Marx-Allee verbunden.

Michael Bienert fand Erstaunliches heraus. Henselmann kannte als Ost-Berliner Chefarchitekt zwar die Pläne für den Wohnpalast am Ostseeplatz, es gibt aber keine Belege dafür, dass er an dessen Entwurf selbst beteiligt war. Vielmehr war das Entwurfsbüro des Berliner Magistrats der Urheber der Planungen. "In einem Artikel der Fachzeitschrift ,Deutsche Architektur‘ wird 1955 der Architekt Harry Wenzel als Projektant des Wohnkomplexes an der Ostseestraße genannt", erklärt Michael Bienert. "Über sein Schicksal ist bisher nichts Näheres bekannt." Henselmann selbst nutzte das gerade fertiggestellte Gebäude nur als Kulisse, um 1954 öffentlichkeitswirksam vor Bauarbeitern aufzutreten. Er trug einen Rechenschaftsbericht über seine Arbeit vor. Mehr nicht. Geplant wurde der Wohnpalast aber sehr wohl im Zuge der Bebauung der damaligen Stalinallee. Die gerade gegründete DDR wollte für Arbeiter großzügige Wohnpaläste nach sowjetischem Vorbild errichten. Nach der prächtigen Stalinallee sollten, wenn auch in kleinerem Maßstab, weitere Wohnpaläste im Zuckerbäckerstil entstehen.

Im Frühjahr 1953 begannen die Bauarbeiten am Ostseeplatz, im August 1954 zogen die ersten Mieter ein. Doch danach war es mit dem Bau von Wohnpalästen in der DDR auch schon vorbei. Stalin war tot, Chruschtschow kam an die Macht. Er war mehr dem industriellen Wohnungsbau zugetan, erklärt Bienert. Wohnpaläste galten plötzlich als dekadent. So ist der Wohnpalast am Ostseeplatz heute eines der wenigen Zeugnisse einer kurzen, aber äußerst interessanten Ära der DDR-Architektur. Seit 2000 verwaltet die Gewobag das Gebäude. Die vergangenen 60 Jahre hatten sichtbare Spuren hinterlassen. Deshalb entschloss sich der Vermieter 2013, mit der Sanierung und Modernisierung der 116 Wohnungen und des Gebäudes zu beginnen. Das Vorhaben war gar nicht so einfach umzusetzen. Immerhin waren strenge Denkmalschutzauflagen einzuhalten.

Zu diesen gehört auch der graue, eher trist wirkende Putz. Wie sich nach Beendigung der Arbeiten zeigt, war diese Entscheidung richtig. Wohltuend hebt sich der Wohnpalast mit seiner 200 Meter langen, neoklassizistisch gegliederten Hauptfront von bunten Wohnblöcken in der Nachbarschaft ab. Während der Wohnpalast am Ostseeplatz nun von außen wieder wie zu seiner Einweihung 1954 aussieht, hat im Innern die moderne Zeit Einzug gehalten. Insgesamt 7,7 Millionen Euro investierte die Gewobag am Ostseeplatz. Den Abschluss der Arbeiten feierten Bau-Staatssekretär Professor Engelbert Lütke Daldrup (SPD) und Gewobag-Vorstand Snezana Michaelis mit den Mietern.


Bernd Wähner / BW
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