An die Drehorgelproduktion an der Schönhauser Allee erinnert jetzt eine Stele

Axel Stüber mit einer seiner Bacigalupo-Drehorgeln an der neuen Stele. Er ist der einzige in Berlin, der noch Drehorgeln repariert und baut. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Schönhauser Allee Arcaden |

Prenzlauer Berg. Am Eingang der Schönhauser Allee Arcaden steht jetzt eine Stele. Diese erinnert an die früheren Werkstätten zur Herstellung mechanischer Musikinstrumente, die sich an diesem Ort einst befanden.

Bekannt wurden die Werkstätten vor allem durch ihre Produktion von Drehorgeln. Von diesen Instrumenten stammen viele aus den Werkstätten der Familie Bacigalupo. Diese Familiendynastie entwickelte ihren Betrieb ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Produktionsorte mechanischer Musikinstrumente in Deutschland.

Ihre Firmengeschichte begann 1891, als es die Italiener Giovanni B. Bacigalupo und Giuseppe Cocchi nach Berlin verschlug. Sie verdingten sich, seinerzeit noch vor den Toren der Stadt, als Drehorgelbauer. Ihre Firma gründeten sie mit dem Gastwirt Antonio Graffigna. Das Bauen von Drehorgeln, die unter dem Namen Bacigalupos vertrieben wurden, war ein einträgliches Geschäft. Straßenmusikanten zogen durch Berlin, brachten Musik in die Höfe und spielten für die Menschen jene Rolle, die später das Radio übernahm.

Bacigalupo fasziniert noch heute alle Drehorgelspieler

Die Drehorgelbauer in der Schönhauser Allee verlegten sich später mehr und mehr auf den Verleih und die Reparatur von Instrumenten. Mit dem Tod von Giovanni „Hannes“ Bacigalupo (1889-1978) endete die Ära. Aber die Instrumente der Bacigalupos sind bis heute weltweit gefragt, und die Geschichte der Familie Bacigalupo fasziniert noch alle heutigen Drehorgelspieler.

Deshalb kam Jürgen Petschat vom Vorstand des Clubs Deutscher Drehorgelfreunde (CDD) auf die Idee, eine Informationsstele für den Ort anzuregen, an dem deutsche Drehorgelgeschichte geschrieben wurde. Mit dieser Idee wandte er sich an das Bezirksamt. Dort griff man den Vorschlag sofort auf.

Pankows bekanntester Drehorgelspieler

Das Museum Pankow hatte vor einiger Zeit eine Ausstellung über einen der bekanntesten Berliner Drehorgelspieler, den Pankower Latschenpaule, gezeigt. Heinz Nerger (1917-2008), wie er mit bürgerlichem Namen hieß, ging bei der Familie Bacigalupo ein und aus. Er spielte selbst eine echte Bacigalupo. Die vermachte er dem Pankower Museum.

Museumsleiter Bernt Roder und dem Vorsitzenden der Pankower Gedenktafelkommission, Kulturstadtrat Torsten Kühne (CDU), gelang es, die Centermanagerin der Schönhauser Allee Arcaden, Andrea Eggers, für die Idee zu begeistern. So konnte die neue Stele vom Museum konzipiert und in Auftrag gegeben werden. Auch Berlins einziger, noch produzierender Orgelbaumeister Axel Stüber freut sich über sie Stele. Er besitzt selbst einige Drehorgeln aus der Bacigalupo-Produktion. „Ich finde es schön, dass jetzt an historischem Ort an die Geschichte dieses Urberliner Instruments erinnert wird“, sagt er. BW
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