Schüler suchen für Stolpersteinprojekt dringend Zeitzeugen

Kürzlich machten Schüler mit einer Gedenkfeier darauf aufmerksam, dass ab 15. November 1938 jüdische Schüler nicht mehr die Schule besuchen durften. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Für ein Projekt im Lebenskundeunterricht suchen die Schüler der Klasse 6a der Carl-Humann-Grundschule Zeitzeugen. Die Schüler beschäftigen sich im Lebenskundeunterricht damit, wie Kinder in der NS-Zeit lebten. Vor allem berührte sie, wie jüdische Kinder schikaniert und gedemütigt wurden. Deshalb beschlossen sie, mit ihrer Lehrerin Kathrin Hillers mehr über jüdische Kinder herauszubekommen, die einst ihre Schule besuchten.

Die Schule in der Scherenbergstraße 7 war von 1909 bis 1911 von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann errichtet worden. In das Gebäude zogen zwei Volksschulen, eine Knaben- und eine Mädchenschule, ein. Herkunft und Religion spielten viele Jahre in der Schule keine Rolle. Das änderte sich nach der Pogromnacht 1938. Bereits am 15. November wurden alle jüdischen Schüler aufgefordert, die Schule zu verlassen.

In den vergangenen Wochen beschäftigten sich die Schüler der 6a mit der Frage, wie sich diese Kinder wohl gefühlt haben mussten. Von einem Tag auf den anderen durften sie nicht mehr wie gewohnt zur Schule gehen, wurden nicht mehr gemeinsam mit Freunden unterrichtet. An diese jüdischen Kinder möchten die Schüler nun erinnern. "Wir möchten die Namen dieser Kinder herausbekommen. Unser Ziel ist es, dass für sie Stolpersteine vor unserer Schule verlegt werden", erklärt Nolan. Die Stolpersteine, zehn mal zehn Zentimeter kleine Gedenktafeln aus Messing, werden in das Pflaster vor Gebäuden eingelassen, sodass Passanten auf sie aufmerksam werden, quasi über sie "stolpern". Initiator der Stolpersteinaktion ist der Künstler Gunter Demnig. Er unterstützt das Anliegen der Schüler. Allerdings müssten diese wenigstens einige Namen und Geburtsdaten von Kindern herausbekommen. Weil es im Schulamt keine Unterlagen zu den jüdischen Kindern gibt, denen ab November 1938 der Schulbesuch verboten wurde, hofft die 6a nun auf die Mithilfe von Menschen aus dem Kiez. Nolan: "Wir bitten alle, die sich an jüdische Schüler erinnern, die unsere Schule plötzlich nicht mehr besuchen durften, sich bei uns zu melden." Um viele Menschen zu erreichen, verteilten die Schüler bereits Infoblätter mit einem entsprechenden Aufruf im Kiez. Außerdem machten sie vor wenigen Tagen mit einer kleinen Theateraufführung und Gedenkfeier vor der Schule auf ihr Projekt aufmerksam.

Wer die Schüler unterstützen kann, meldet sich im Schulsekretariat unter 444 15 80 und hinterlässt eine Information für die 6a beziehungsweise Kathrin Hillers.

Bernd Wähner / BW
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