Nach 29 Jahren ist Schluss: Traditionsreichem Kosmetikstudio wurde gekündigt

Gyöngyi Blank mit ihrer Tochter Ibolya vor dem Kosmetikstudio in der Stargarder Straße 74. Nach 29 Jahren müssen sie raus. (Foto: Dirk Jericho)
 
Gyöngyi Blank möchte ihr Kosmetikstudio behalten und würde auch eine Mietverdoppelung bei längerfristigem Vertrag akzeptieren. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Cosmetic Studio Blank |

Prenzlauer Berg. Nägel feilen, Peelings oder ein neues Make-up – das können sich die Kunden des Cosmetic Studios Blank in der Stargarder Straße 74 bald abschminken: Im Herbst ist Schluss, der Mietvertrag wurde von den neuen Eigentümern des Geschäfts in der Stargarder Straße 74 zum 1. November gekündigt.

29 Jahre lang hat Inhaberin Gyöngyi Blank in ihrem kleinen Laden ihre Kunden schick gemacht. Das Studio ist eine Institution im Kiez. Bereits seit 1967 gibt es hier ein privates Kosmetikgeschäft – eine Seltenheit in der DDR. Gyöngyi Blank hat das Studio 1987 übernommen und immer pünktlich Miete gezahlt, wie sie sagt. Tochter Ibolya wollte den Laden im kommenden Jahr übernehmen – zum 30-jährigen Firmenjubiläum. Jetzt verlieren auch die sechs Angestellten und eine Auszubildende ihren Job. Etwa 40 Kosmetikerinnen haben in dem Ausbildungsbetrieb in Kooperation mit der Handwerkskammer seit 1987 das Schminkhandwerk gelernt.

Neuer Vermieter: Familie Mutlu

Familie Blank staunte nicht schlecht, als sie erfuhr, wer das Ladengeschäft im August 2015 gekauft hat und neuer Vermieter ist: die Eheleute Sevim und Özcan Mutlu. Der Grünen-Politiker sitzt als Direktkandidat für den Wahlkreis Mitte seit 2013 im Bundestag. Vorgestellt haben sich die neuen Besitzer bei den Blanks nicht. Die Kosmetikermeisterin bekam lediglich Post von Mutlus Hausverwaltung und Anwalt. Als eines der ersten Schreiben einen Brief zur Mietverdoppelung zum 1. Oktober 2015. Weil Gyöngyi Blank bleiben will, hat sie nichts dagegen. Allerdings wollte die Mieterin zur Planungssicherheit einen längerfristigen Mietvertrag. Der jetzige verlängert sich immer nur um ein Jahr, wenn keine Vertragspartei kündigt. Einen längerfristigen Mietvertrag lehnten die beauftragten Verwalter jedoch ab. Auch ein persönliches Schreiben an Sevim und Özcan Mutlu mit der Bitte um Klärung blieb unbeantwortet. Aus dem der Berliner Woche vorliegenden Schriftverkehr geht hervor, dass Gyöngyi Blank im Oktober mitgeteilt hat, „hier weiterhin tätig zu sein, auch mit der Maßgabe der Zahlung einer marktüblichen Miete“. Und reichte gleich einen Vorschlag dazu: Erhöhung der Nettokaltmiete um 50 Prozent auf 1190 Euro ab sofort und ab Oktober 2016 bei Vertragsverlängerung die geforderte Verdoppelung auf 1573,65 Euro.

Eine Antwort gab es nicht. Stattdessen flatterte im Januar die Kündigung zum 1. November 2016 ins Haus. „Einer Fortsetzung des Mietverhältnisses über den Kündigungszeitraum hinaus wird bereits jetzt widersprochen“, heißt es in der von Sevim und Özcan Mutlu unterschriebenen Kündigung.

Mieterhöhung nicht zugestimmt?

Der Grünen-Politiker ließ die Fragen der Berliner Woche von seiner Ehefrau beantworten, die laut ihrer E-Mail „Eigentümerin des Geschäftes in der Stargarder Straße 74 ist“. Sie habe die Immobilie vergangenen Sommer erworben; „mein Mann unterstützt mich bei der Finanzierung des Kredits“, so Sevim Mutlu. Laut ihrer Darstellung hätten die „Mieter Blank“ der geforderten Mieterhöhung „nicht zugestimmt und eine Anpassung an eine ortsübliche Gewerbemiete verweigert“. Sevim Mutlu schreibt weiter: „Nachdem die vorgeschlagene Anpassung verweigert und auch sonst keine annehmbare Reaktion von Seiten der Mieter erfolgt ist, habe ich die Konsequenz gezogen und den Mietern mitgeteilt, dass ich das Mietverhältnis für ihr Ladenlokal über das für Oktober 2016 vertraglich vorgesehene Vertragsende hinaus unter diesen Bedingungen nicht mehr fortsetzen kann.“

„Ich möchte unseren Familienbetrieb fortführen und die Arbeitsplätze erhalten“, sagt Ibolya Blank. „Ausgerechnet ein Bundestagsabgeordneter drängt uns aus unserem Laden“, so die Juniorchefin. Ihre Mutter Gyöngyi Blank ist „enttäuscht und sprachlos über das rücksichtslose Verhalten von Herrn Mutlu“. Seine Frau Sevim ließ offen, was zukünftig in dem Laden passiert. Sie wolle ihn wahrscheinlich „gar nicht wieder vermieten, sondern selbst gewerblich nutzen und damit Arbeitsplätze vor Ort schaffen“, sagt die Frau des Grünen-Politikers Özcan Mutlu. DJ
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2 Kommentare
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Harald Wistuba aus Staaken | 08.04.2016 | 09:02  
Ralf Drescher aus Köpenick | 08.04.2016 | 19:04  
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