Haberlandstraße: Der falsche Stein ist weg

Das herrschaftliche Wohnhaus von einst existiert nicht mehr. Gregorio Ortega Cotos informative Stele erinnert an Albert Einsteins Zeit im Bayerischen Viertel. (Foto: KEN)
Berlin: Gedenkstele für Albert Einstein |

Schöneberg. Vier Jahre lang standen sie nebeneinander, der alte Denkstein und die moderne Glasstele. Beide erinnerten an einen berühmten Bewohner: Albert Einstein. Nun ist der alte Stein in der Haberlandstraße entfernt worden.

Auf ihm standen falsche Daten. Das ärgerte Gregorio Ortega Coto. Er wohnt in dem Haus, in dessen Vorgarten der Stein stand. 2011 hatte Ortega Coto die Idee für eine Gedenkstele, die in Text und Bild viel ausführlicher – und korrekt – über Einstein informieren sollte. Der Spanier recherchierte selbst.

Zwei Jahre sollten dann noch vergehen, bis im Berliner Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ aus Anlass des 80. Jahrestages der Machtübernahme durch die Nazis 1933 und des 75. Jahrestages der Novemberpogrome von 1938 unter Mitwirkung von Mitgliedern der Berliner Philharmonikern die Stele feierlich enthüllt wurde. Die annähernd 6000 Euro für das Projekt kamen hauptsächlich über Spenden, Postkartenverkäufe und Mittel der Lotto-Stiftung zusammen. Die Pflege übernahmen Bezirk und Eigentümerin des heutigen Wohnhauses, eine Wohnungsbaugesellschaft, gemeinsam.

Im Lager gelandet

Seit der offiziellen Enthüllung der Stele 2013 ist Gregorio Ortega Coto mehrfach an das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit der Bitte herangetreten, doch endlich den falsch beschrifteten Stein zu entfernen.

Das ist nun geschehen. Die für Straßen und Grünflächen zuständige Stadträtin Christiane Heiß (Grüne) ließ einen Steinmetz beauftragen, den Stein abzuräumen. Die Wohnungsbaugesellschaft hat zugestimmt. Jetzt erinnert nur noch eine dunkle Stelle im Rasen an den alten Stein. Die Kosten für seine Entfernung in Höhe von 500 Euro hat die zuständige Abteilungsleitung in Heiß’ Ressort übernommen. Der falsche Gedenkstein ist auf einem Lagerplatz des Grünflächenamts gelandet.

Mit Elsa Tür an Tür

Der berühmte Physiker war 1917 in die damalige Haberlandstraße 5, die heutige Hausnummer 8, gezogen, um seiner Geliebten, seiner Cousine Elsa, nahe zu sein. Nach ihrer Scheidung hatte Elsa 1912 die Wohnung ihrer Eltern im vierten Stock des Hauses übernommen, wo sie mit ihren beiden Töchtern Ilse und Margot lebte. Einstein musste die geltenden bürgerlichen Konventionen beachten und bezog eine separate Wohnung auf derselben Etage, die aber mit Elsas Wohnung zusammenhing. Nach der Eheschließung 1919 zog er offiziell bei Elsa ein. Die Wohnung in dem 1907/08 von dem Architekten Otto Eisfelder gebauten, vornehmen Haus mit Portier und Fahrstuhl war sehr geräumig. Sie hatte sieben Zimmer nebst einem Nebenraum.

Albert und Elsa Einstein kehrten von einem im Dezember 1932 angetretenen Forschungsaufenthalt in den USA nicht mehr zurück, nachdem Hitler im Januar des Folgejahres die Macht übernommen hatte. Ihre Wohnungseinrichtung samt Klavier, Bibliothek und Arbeitsmaterialien konnten sie mit Unterstützung der französischen Botschaft nach Princeton verschiffen. Dort ist Albert Einstein 1955 verstorben. Er wurde 76 Jahre alt.

Haus im Krieg zerstört

Das Haus in der Haberlandstraße wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört. Heute steht an seiner Stelle ein Wohnhaus aus den 50er-Jahren; und davor die Gedenkstele. Fotos, ein Wohnungsgrundriss und Text vermitteln einen Eindruck vom Leben Einsteins im Bayerischen Viertel, damals ein bürgerliches Viertel, in dem viele Prominente wohnten oder sich bei Einstein trafen. „Unter seinen Gästen waren Charlie Chaplin, Franz Kafka, Max Liebermann, Heinrich Mann, Lise Meitner, Carl von Ossietzky, Max Planck und Rabindranath Tagore“, ist auf der Stele zu lesen. KEN
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barbara wolff aus Müggelheim | 07.08.2017 | 17:48  
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