Anzeige

Tempelhof-Schöneberg: Was die Berliner Woche 2017 für Sie im Kiez entdeckte

Zu Jahresbeginn lautstarker Protest des FC Internationale gegen die Streichung von Trainingszeiten.
Zu Jahresbeginn lautstarker Protest des FC Internationale gegen die Streichung von Trainingszeiten. (Foto: FC Internationale)

Wie am Ende eines jeden Jahres lassen wir noch einmal kurz einige Berliner Woche-Schlagzeilen der vergangenen zwölf Monate Revue passieren. Ein Rückblick auf Ereignisse, die bewegten.

Januar

Der FC Internationale protestiert lautstark vor dem Rathaus Schöneberg gegen die Streichung von Trainingszeiten. Elisabeth Korte-Hirschfeld, Vorsitzende des Bezirkssportbundes, bittet, auch an die anderen Sportvereine im Bezirk zu denken. „Wir verteilen seit Jahren nur den Mangel“, so Korte-Hirschfeld.

„Rückenwind“, ein bisher einmaliges Projekt für psychisch erkrankte schulpflichtige Kinder, startet an der Prignitzschule. Träger ist „Jugendwohnen im Kiez“.

Schnelles Fahren, provokante Fahrmanöver „ohne Rücksicht auf Verluste“: Die Situation vor der Werbellinsee-Grundschule eskaliert. Polizei und Schule ziehen die Verkehrslotsen von ihren Posten ab.

Als die am Nachmittag des 17. Januar alarmierte Feuerwehr eintraf, konnte sie eine Katastrophe quasi in letzter Minute verhindern. Zwischen der Decke einer Restaurantküche und dem Fußboden der darüber liegenden Wohnung schwelte ein sich rasch ausbreitendes Feuer. Die mit sechs Staffeln und schwerem Gerät angerückten Feuerwehrleute räumten das gesamte Gebäude und brachten alle anwesenden Mieter der 20 Wohnungen des mächtigen Eckhauses an der Ordensmeister-/Ecke Wenckebachstraße in Sicherheit. Der Sachschaden war zwar beträchtlich, aber niemand wurde verletzt.

Februar

Dem Kinderladen in der Sieglindenstraße droht nach 38 Jahren das Aus. Im Herbst wird dann doch ein anderes passendes Quartier gefunden, gleich um die Ecke in der Bundesallee.

Die Interessengemeinschaft Potsdamer Straße gewinnt den Landeswettbewerb MittendrIn Berlin. 35 000 Euro und ein individuelles Coaching stehen nun bereit, um im Sommer mit bislang zwei geplanten Aktionen die Potsdamer Straße im ökologischen Sinne aufzuwerten.

Unter dem Motto „Ham'Se noch wat frei?“ suchen Schöneberger Kirchengemeinden Gästebetten für den Kirchentag im Reformationsjahr.

Die Schindler Deutschland AG investiert 44 Millionen Euro in ihre Berliner Firmenzentrale an der Ringstraße in Mariendorf. Mit einer spektakulären Brückendemontage am Schindlerplatz wurde am 13. Februar das Projekt „Digital Innovation Hub“ mit einer Maßarbeit gestartet. Ein 160-Tonnen-Kran hob ganz sachte eine rund 20 Meter lange und 18 Tonnen schwere Verbindungsbrücke zwischen zwei Schindler-Gebäuden, eines davon steht unter Denkmalschutz, heraus und setzte sie punktgenau am Boden ab. In der Lücke entsteht zurzeit ein neues Eingangsgebäude.

März

Im Streit um ein kommunales Vorkaufsrecht für die Bima-Häuser in der Großgörschenstraße unterliegt der Bezirk vor der Kammer für Baulandsachen des Landgerichts Berlin.

Lette-Verein-Meisterschüler Sascha Jorden gewinnt den „Sophisticated Fashion Award 2016“ des Leipziger Opernballs.

Schock für die CDU Tempelhof-Schöneberg: Ihr früherer Baustadtrat Daniel Krüger tritt für AfD als Stadtratskandidat in Pankow an – und erhält den Posten.

Gert Faustmann und Alexandra Kley haben sich in Antwerpen Silber bei den Senioren II-Weltmeisterschaften in den Standardtänzen ertanzt. Das Paar des Tanzsportclubs Blau-Silber Berlin setzte sich gegen 172 Konkurrentenpaare durch und musste sich nur französischen Herausforderern geschlagen geben.

An der Friedenauer Gemeinschaftsschule mobben muslimische Schüler einen jüdischen Mitschüler. Die Eltern nehmen ihr Kind von der Schule, weil sie um Gesundheit und Leben des 14-Jährigen fürchten. Der Vorfall sorgt im In- und Ausland für großes Aufsehen.

Weithin schien nur der Mond noch helle und bei der Polizei glühten die Notruftelefone. In der Nacht vom 13. zum 14. März hatte die moderne Zivilisation im Süden der Stadt vorübergehend Pause. Etwa 35 000 Haushalte und 1500 Gewerbebetriebe waren knapp fünf Stunden ohne Strom. Zudem fielen in dem betroffenen Gebiet in Lichtenrade, Mariendorf, Marienfelde und Buckow auch Ampelanlagen und viele Straßenlaternen aus. Nach Angaben des Netzbetreibers Vattenfall war ein Kabelschaden zwischen zwei Umspannwerken Ursache der Störung.

April

Der gelernte Maurermeister Horst Renziehausen und seine Initiative „50 plus kompakt“ stellen ihr Projekt einer Siedlung für 1000 Flüchtlinge erstmals der Öffentlichkeit vor.

Zwei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens werden in den Ruhestand verabschiedet: Petra Zwaka, die langjährige Leiterin der Bezirksmuseen, und Gerd Schmitt, Leiter der Kinder- und Jugendhilfe-Abteilung des Pestalozzi-Fröbel-Hauses.

Nach der Alten Lichtenrader Mälzerei hat Thomas Bestgen auch das angrenzende Grundstück mit dem historischen „Landhaus Lichtenrade“ sowie dem Lichtenrader „Hochhaus“ gekauft. Der neue Besitzer hat als Student einige Jahre in Lichtenrade gelebt und ist heute Geschäftsführer der UTB Projektmanagement und Verwaltungsgesellschaft mbH mit Sitz Berlin. Das Unternehmen ist besonders auf dem Gebiet des genossenschaftlichen Wohnungsbaus engagiert. Aber Bestgen betont ausdrücklich, dass dieser Immobilienkauf mit seiner Firma nichts zu tun habe sondern rein privat sei.

Mai

Mit einiger Verspätung – der Baustart war ursprünglich für 2016 vorgesehen – beginnt am 2. Mai der Umbau der Kleiststraße zwischen Wittenbergplatz und Lietzenburger Straße beziehungsweise An der Urania.

„Bienen bei der Bahn“ ist das jüngste Natur- und Artenschutzprojekt der Deutschen Bahn. Am Internationalen Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt am 22. Mai weiht der Schöneberger Hobby-Imker Karsten Schischke seine Bienenstöcke auf der zugewachsenen Tunneldecke zwischen den S-Bahnhöfen Julius-Leber-Brücke und Schöneberg offiziell ein.

Auf dem Spielplatz im Alice-Salomon-Park werden über 130 scharfe Nadeln gefunden. Ein Team des Grünflächenamts reinigt den Sandkasten umgehend mit schwerem Gerät. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt.

Das ehemalige Gebäude der Volksbank in der Nürnberger Straße 68 wird zur weltweit größten temporären Street-Art-Galerie. Bis 31. Mai wollen 80 000 Menschen die Ausstellung sehen.

Kinder und Jugendliche können auf dem Tempelhofer Feld Zirkusluft schnuppern und selbst in der Manege aktiv werden. Cabuwazi hat seine Zelte am Columbiadamm direkt zu Füßen des Radarturms aufgeschlagen. Cabuwazi steht für "Chaotisch bunter Wanderzirkus". Er hatte 1992 auf einem Kreuzberger Hinterhof mit einer Gruppe Einrad fahrender Kinder angefangen. Heute hat der Zirkus unter der Trägerschaft der GrenzKultur gGmbH sechs Standorte mit insgesamt 50 festen Mitarbeitern, 150 Honorarkräften und 30 Ehrenamtlichen in fünf Bezirken.

Juni

Das Jugendmuseum wird für sein Modellprojekt „All Included! Museum und Schule gemeinsam für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ mit dem BKM-Preis Kulturelle Bildung 2017 ausgezeichnet.

Das Landesdenkmalamt stellt drei riesige Wohnanlagen aus den Siebzigern unter Schutz: Pallasseum, Schöneberger Terrassen und Pyramide.

Die Gustav-Langenscheidt-Schule wird als erste Schule in Tempelhof-Schöneberg und als dritte in Berlin überhaupt Fairtrade-School.

Am 9. Juni feierte die ufaFabrik ihr 38-jähriges Bestehen beziehungsweise „Juppiläum“. Ohne Josef Becher, genannt Juppi, aus Trittenheim an der Mosel wäre die inzwischen international berühmte Kulturfabrik kaum denkbar. 1979 hatte Juppi mit etwa 100 Gleichgesinnten handstreichartig das Gelände des leerstehenden ehemaligen Ufa-Filmkopier-Werks an der Viktoriastraße besetzt und in der Folgezeit Berlins effektivste Kommune etabliert. Da wundert es kaum, dass es jetzt sogar eine Juppi-Fotowand als Quasi-Denkmal gibt. Geneigte Besucher können ihren Kopf durchstecken, um auch einmal in die Rolle des Kulturimpressarios vom Teltowkanal zu schlüpfen.

Juli

In der Nacht vom 25. auf den 25. Juli wird der Schaukasten der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße beschmiert. Es ist bereits der vierte Anschlag auf den Schaukasten.

Die Berliner Polizei hat den das Quartier um den Nollendorfplatz auf die Liste der zehn am meisten kriminalitätsbelasteten Orte in Berlin gesetzt. Hier werden besonders viele schwere Straftaten begangen.

Die gemeinnützige Gesellschaft Pinel feiert den ersten Spatenstich für ihr neues soziokulturelles Zentrum an der Dominicusstraße.

Mit der Verdienstmedaille 2017, die der Bezirk für bürgerschaftliches Engagement vergibt, werden Henry Dinter vom Kleingartenverein „Grüne Aue“ , Renate Friedrichs vom „Quartier Bayerischer Platz“ und Hans Menzler von der evangelischen Zwölf-Apostel-Gemeinde, die Friedenauer Kiezchoristin und Marmeladeproduzentin Anita Carstens und Beate Strey vom Friedenauer Turn- und Sportclub 1888 ausgezeichnet. Den mit 1000 Euro dotierten Förderpreis teilt sich der Arbeitskreis „Lern- und Gedenkort Annedore und Julius Leber“ in diesem Jahr mit dem Förderverein „Spatz“.

Das Bundesverwaltungsgericht hat der Deutschen Bahn grünes Licht für den ebenerdigen Ausbau der Bahntrasse quer durch Lichtenrade gegeben. Damit ist die Klage der Bürgerinitiative Dresdner Bahn beziehungsweise von einem Umweltverband und drei Eigentümern von Wohnhäusern an der Trasse in erster und letzter Instanz gescheitert und die rund 20 Jahre andauernde Tunnelforderung letztlich ins Leere gelaufen. Somit hat auf der Berliner Strecke auch der letzte, Ende 2015 vom Eisenbahn-Bundesamt erlassene Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt Lichtenrade Bestandskraft.

August

Knapp fünfeinhalb Jahre nach dessen Tod enthüllt Kultursenator Klaus Lederer (Linke) eine Gedenktafel für Theaterlegende Ivan Nagel an der Keithstraße 10.

Heißes Thema im verregneten Sommer: der Straßenstrich rund um die Kurfürstenstraße. Zwei Berliner AfD-Abgeordnete laden zu einer Diskussion mit Anwohnern ein. Linksradikale verhindern den „Bürgerdialog“. Sie werfen am Vortag sämtliche Fensterscheiben des Seminarraums Bülowbogen ein.

Am 23. August ist der Startschuss für die denkmalgerechte Sanierung und den barrierefreien Umbau des einstigen Flughafen-Towers am Tempelhofer Damm gefallen. Bis 2020 soll alles fertig und öffentlich zugänglich sein. Anschließend sollen Besucher dann über das markante Treppenhaus den verglasten Tower erreichen und einen spektakulären Rundumblick über Berlin und das weite Tempelhofer Feld genießen können. Das Vorhaben Tower THF wird im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ durch den Bund unterstützt. Die Förderung beträgt insgesamt rund sechs Millionen Euro.

September

Eine anarchische, dynamische Kunstform, die Street Art, wird museal. Mit einem zweitägigen Fest Mitte September feiert das Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art in der Bülowstraße 7 seine Eröffnung.

Die endgültige Schließung des Biergartens „Ponte Rosa“ ist der Aufreger des ausklingenden Sommers. Das Areal soll mit Eigentumswohnungen bebaut werden. Nach lautstarkem Protest beruft BV-Vorsteher Stefan Böltes (SPD) eine Einwohnerversammlung ein.

Svetlana Linberg wird die erste bezirkliche Queer-Beauftragte Berlins.

Am 20. September stand ein vom „Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg“ eingebrachter Einwohnerantrag für sichere Radwege am Tempelhofer Damm (B96) in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) auf der Tagesordnung. Am Ende wurde beschlossen, dass zwischen Alt-Tempelhof und Ullsteinstraße ein wissenschaftlich begleitetes Pilotvorhaben für sichere Radverkehrsanlagen gestartet werden soll. Neben geringen Umbaumaßnahmen sollen unter anderem, hauptsächlich um den drohenden Wegfall von Park- und Halteplätzen zu kompensieren, neue Lieferkonzepte für den Einzelhandel erprobt werden.

Oktober

Am 1. Oktober ist das Gesetz zur „Ehe für alle“ inkraft getreten. Im Rathaus Schöneberg findet am selben Tag die bundesweit erste Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares statt.

Am 5. Oktober fegt Sturmtief „Xavier“ auch über Tempelhof-Schöneberg hinweg. Im Bezirk trifft es 214 Straßenbäume, 212 Parkbäume und 65 Bäume auf Friedhöfen schwer.

Das Quartier beiderseits des Grazer Damms könnte bald das nächste Milieuschutzgebiet im Bezirk werden. Eine Voruntersuchung besagt: Die notwendigen Kriterien sind erfüllt.

Der Integrationspreis des Bezirks geht an den Verein koreanischer Krankenschwestern und Pfleger.

Unter dem Motto „Mehr als nur Rasen“ haben die Stiftung Naturschutz und die Wohnungsbaugenossenschaft Märkische Scholle gemeinsam ein Pilotprojekt gestartet. Tempelhofer Innenhöfe im Bereich Götz-/Felix-/Albrechtstraße sollen in „urbane Oasen der Artenvielfalt“ verwandelt werden. Das Pilotprojekt soll zeigen, wie es möglich ist, Grünflächen innerhalb von Wohngebieten ökologisch aufzuwerten und sie gleichzeitig für bedrohte Arten sowie für die Anwohner attraktiver zu gestalten.

November

Das Rheingau-Gymnasium ist der erste Preisträger der neuen Kategorie „Young Green Buddy“ des vom Bezirk verliehenen Umweltpreises.

Der SPD-Bezirksverordnete Kevin Kühnert wird zum Bundesvorsitzenden der Jusos gewählt. Der 28-jährige Berliner erhält auf dem Bundeskongress der SPD-Jugendorganisation in Saarbrücken 225 von 297 Stimmen.

Die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag schließt mit dem Immobilienentwickler Bonava aus Fürstenwalde an der Spree einen Kaufvertrag über 71 Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten. Das Investitionsvolumen beträgt zwölf Millionen Euro. Das Bonava-Bauvorhaben auf einem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück ist Teil eines neuen Wohnquartiers an Tempelhofer Weg und Sachsendamm.

Die Friedrich-Bergius-Schule ehrt ihren ehemaligen Schüler, den Widerstandskämpfer Günther Smend mit einem Ehrenmal. An der feierlichen Enthüllung beteiligt sich auch die Bundeswehr.

Nachdem bekannt wurde, dass der Senat in der Lichtenrader Jugendarrestanstalt am Kirchhainer Damm/Lützowstraße die Einrichtung eines Abschiebegewahrsams für islamistische Gefährder plant, herrscht Unruhe am südlichen Stadtrand. Wie Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) inzwischen mitgeteilt hat, soll oraussichtlich Anfang des kommenden Jahres eine Informationsveranstaltung zum Thema geben.

Dezember

Die muslimische Reformgemeinde der Amadiyya pflanzt vor dem Haus in der Belziger Straße 69 einen Baum als Zeichen für Frieden und Freundschaft.

ESA-Austronaut Alexander Gerst erhält am 19. Dezember die Urania-Medaille 2017 für seine engagierte Vermittlung von Bildung und Aufklärung an eine breite Öffentlichkeit.

In der Fliegerwerkstatt von "social return" am Tempelhofer Damm 9 geht ein Flusimulator in Betrieb. Genutzt werden kann er vor allem von Schulklassen und nachmittags auch von Einzelbesuchern. Jugendliche können vor Ort technisch-handwerkliche Erfahrungen sammeln. Karen Eva Noetzel/Horst-Dieter Keitel

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt