Willkommenscamp von Schlaufuchs Berlin am Barnim-Gymnasium

Gemüse und Kräuter schippeln: Auch ein Programmpunkt des Willkommenscamps.
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Falkenberg. Ausgerechnet in den Sommerferien zur Schule gehen? 25 Mädchen und Jungen aus Lichtenberger Willkommensklassen hatten kein Problem damit. Die Jugendlichen besuchten ein zweiwöchiges Camp am Barnim-Gymnasium.

Die Schulpforten sind fest verschlossen, das weitläufige Gelände des Barnim-Gymnasiums an der Ahrensfelder Chaussee wirkt an diesem heißen Augusttag menschenleer. Wo sonst in den Pausen hunderte Jugendliche umher wuseln, ist es nun ganz still. Beinahe jedenfalls. In einem Raum sind doch Stimmen zu hören, außerdem dudelt Musik – arabische Klänge, gefolgt von Hardrock.

Drinnen herrschen fast 40 Grad bei – gefühlt – 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. An einem großen runden Tisch türmen vier Mädchen in Kopftüchern Kekse zum Kuchen, Schokoglasur hält das Naschwerk in Form. Nebenan schnippelt ein Trio Gemüse und Petersilie. Ein Grüppchen Jungs hockt nah am Ghettoblaster, der duftenden Dinge harrend, die da kommen: Bulgursalat, Taboulé, süßer Nachtisch.

Es ist der vorletzte Nachmittag eines Willkommenscamps, das der Bildungsanbieter Schlaufuchs Berlin zum dritten Mal in Folge am Barnim-Gymnasium veranstaltet hat. Bevor es zum Abschluss in die City und dort auf Erinnerungsfoto-Tour geht, steht ein gemeinsames Essen auf dem Programm. Anders als bei den täglichen Mittagsmahlzeiten bereiten die 12- bis 16-jährigen Campteilnehmer diesmal die Speisen selbst zu. „Wir waren extra im arabischen Laden einkaufen, damit die Würze stimmt“, erzählt Michelle Hamel, Betreuerin von Schlaufuchs. Dann trommelt sie ihre Schützlinge zusammen. „Wir sind fast fertig, gleich gibt es Essen!“

Zwei Wochen lang, jeweils montags bis freitags und von morgens halb Neun bis zum späten Nachmittag, haben 25 Mädchen und Jungen aus Syrien, Afghanistan, Tschetschenien und dem Libanon das Camp im Barnim-Gymnasium besucht. Alle sind Schüler der Willkommensklassen, die aktuell in der Wartiner Straße Unterrichtet haben. Viele wohnen mit Eltern und Geschwistern in einer Flüchtlingsunterkunft am Hausvaterweg.

„Diese Familien können in den Ferien ja nicht wegfahren und Urlaub machen“, sagt Alexander Möller, Gründer und Leiter von Schlaufuchs Berlin. „Sechs Wochen ohne Schule sind dann gerade für Kinder und Jugendliche eine ganz schön lange Zeit. Vor allem, weil sie ja meistens noch nicht ins soziale Umfeld integriert sind.“ Mit ihren Willkommenscamps wollen Möller und seine überwiegend ehrenamtlichen Helfer auch den neu angekommenen Jugendlichen abwechslungsreiche Ferien bieten. Neue Freunde, Erfahrungen und Erlebnisse inklusive.

Ums reine Freizeitvergnügen geht es beim Angebot aber nicht. An den Vormittagen ist Deutsch Lernen angesagt – allerdings in unterhaltsamer, nicht ganz so schulstrenger Form. „Das könnten wir auch gar nicht durchziehen“, erklärt Alexander Möller. „Manche Kinder haben noch nicht viel Schulerfahrung, sie kennen keine Regeln oder Vorschriften. Oft ist es schon ein Erfolg, wenn sie wirklich regelmäßig und pünktlich ins Camp kommen.“ Einen Anreiz dafür schaffen die Schlaufüchse mit den Nachmittagen. Dann steht der Spaß im Mittelpunkt: Sport und Spiele auf dem Schulgelände, Ausflüge ins Freibad und in die Innenstadt, Tischtennisturniere, Basteln, Malen, Geselligkeit. Unterricht, Mittagessen, Kulturprogramm – alles ist für die jungen Teilnehmer kostenlos.

Denn das Bezirksamt Lichtenberg zeigte sich vom Konzept der Willkommenscamps überzeugt – es hat das Angebot mit einer Finanzspritze von 12.000 Euro ermöglicht. Schulstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) brachte den Scheck persönlich vorbei und spendierte noch Tragetaschen für alle. Die praktischen Filzbeutel nehmen die Jugendlichen nun neben den Erinnerungen, ihren Fotos und einem gewachsenen Deutsch-Wortschatz vom Camp mit. bm

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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