TV Kritik
rbb Wahlarena: Moderatoren waren keine gute Wahl

Tatjana Jury und Marc Langebeck waren bei der rbb Wahlarena häufig in Zeitnot und wirkten manchmal planlos - Fragen wurden von Bürgern gestellt, aber Politiker bekamen für eine Stellungnahme nicht immer das Wort.
  • Tatjana Jury und Marc Langebeck waren bei der rbb Wahlarena häufig in Zeitnot und wirkten manchmal planlos - Fragen wurden von Bürgern gestellt, aber Politiker bekamen für eine Stellungnahme nicht immer das Wort.
  • Foto: rbb Screenshot
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POTSDAM - Die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl Brandenburg diskutierten gestern Abend mit Bürgern live im rbb Fernsehen. Antworten gab es nicht auf alle Fragen, weil beide Moderatoren die Zeit nicht im Blick hatten. Selbst Fragen der rbb Social Media Redaktion wurden ignoriert. Die TV Kritik

Fangen wir mal mit dem Ende der Sendung "Ihre Wahlarena" im rbb an, wo Moderator Marc Langebeck eine 17-Jährige fragte, wie sie denn die Sendung fand. "Keiner hier, bis auf die AfD, hat sich zum Thema Bildung geäußert. Keiner!" Die junge Frau war sauer. Nicht nur Bildung wurde vernachlässigt, sondern vor allem viele Fragen der Zuschauer. Und das lag nicht etwa an den Politikern. Langebeck und Moderatorin Tatjana Jury verloren sich im Zeitgefühl und Organisation. Die rbb-Livesendung wirkte unkoordiniert. Jury konnte in der ersten Hälfte der Sendung Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kaum die überzogene Redezeit eingrenzen. Im zweiten Teil der Sendung kam der Landesvater plötzlich fast gar nicht mehr zu Wort. Langebeck ignorierte am Anfang auch Schüler im Publikum: "Es gibt hier viele Wortmeldungen, aber eben auch digitale", so Langebeck und holte sich seinen Kollegen von der Social-Media Redaktion ins Studio. Der las allen ernstes vor, was die Leute so auf Facebook grad schrieben. Welcher Wähler will das wissen, wenn ihm eine Frage an einen Politiker auf der Seele liegt? "Hier ist ziemlich was los auf unserer Seite", sagte der hippe Social-Media-Experte Stefan vom rbb. 

FDP antwortet für Grüne und AfD 

Ein Lehrer mit ausländischen Wurzeln stellte Andreas Kalbitz sachlich die wichtige Frage, was der AfD-Politiker gegen zunehmenden Rassismus tun würde und an Ursula Nonnemacher (Grüne) eine weitere Frage ("Was ist für Sie eigentlich Brandenburg?"). Moderator Langebeck gab das Wort nicht etwa an die angesprochenen Spitzenkandidaten, sondern an Hans-Peter Goetz von der FDP weiter, weil der noch nicht so oft dran war. "Wir werden Sie nicht vergessen, Herr Kalbitz", so der Moderator.

Schon im Vorfeld gab es juristischen Ärger für den rbb, der die Freien Wähler erst gar nicht zur Wahlarena einlud. Das Berliner Verwaltungsgericht verpflichtete den rbb, über den Antrag auf Teilnahme an der Wahlarena noch einmal zu entscheiden. Der rbb habe dann seine Entscheidung damit begründet, weil auf der Grundlage verlässlicher Umfragewerte die BVB/Freie Wähler nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommen und am Ende in Fraktionsstärke in den neuen Landtag einziehen werde.

Die noch übrigen geladenen Gäste Ingo Senftleben (CDU) und Kathrin Dannenberg (Linke) durften zwar in die Sendung, aber gestellte Fragen teilweise nicht oder viel zu spät beantworten. Der krönende Abschluss war dann der zweite Besuch vom Social-Media-Experten im Studio. Stefan verlas eine Frage an Herrn Kalbitz und eine weitere an Ingo Senftleben, ob der CDU-Mann denn bei einem Wahlsieg mit der AfD koalieren würde. Tatjana Jury nahm die Fragen auf, ging nach vorne und ließ die Fragen dann aber einfach nicht beantworten. Sollte der Bürger die Antwort selbst erraten, oder wie? 

Fazit: Harte Fragen - keine Antwort

Hauptsache es wurde mal gefragt: Politiker aller anwesenden Parteien brauchten einige harte und konkrete Fragen dank in Zeitnot geratener Journalisten nicht befürchten. Der rbb lieferte eine ermüdende Live-Sendung ab, deren engagiertes Publikum und Politiker oft nicht zu einem breiten Dialog finden konnten. Die Moderatoren waren bei der gestrigen Wahlarena alles andere als eine gute Wahl.

Autor:

Marcel Adler aus Friedrichshain

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