Das Veterinäramt zieht aufs Gelände der Gartenarbeitsschule Ilse Demme

Ulrike Wosing (links) und Claudia Meil-Lachmann vom Förderverein der Gartenarbeitsschule sorgen sich wegen des künftigen Nachbarn. (Foto: Schilp)

Charlottenburg-Wilmersdorf. In der Gartenarbeitsschule Ilse Demme an der Dillenburger Straße 57 macht man sich Sorgen: In den nächsten Wochen sollen Mitarbeiter des bezirklichen Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamts auf das Gelände ziehen. "Das gibt bestimmt Ärger", meint Claudia Meil-Lachmann, Vorsitzende des Fördervereins.

Weil das Bezirksamt das Rathaus Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz aufgibt, müssen sich die Abteilungen auf andere Standorte verteilen. Deshalb wird ein Gebäude, das bislang vier Unterrichtsklassen der Gartenarbeitsschule beherbergt hat, zu Büros umgebaut.

Die neue Nachbarschaft an sich wird kritisch beäugt: "Neben den Büros liegen unsere große Freifläche und der Waldpfad, wo die Kinder spielen und toben können. Wie verträgt sich der Lärm mit der Arbeit im Amt?", sorgt sich Claudia Meil-Lachmann. Ihre Stellvertreterin Ulrike Wosing ärgert sich: "Man nimmt den Kindern ein Stück geschütztes Areal weg." Das Amt sei ein Fremdkörper, ein Schritt in eine falsche Richtung. "Dabei ist doch immer die Rede davon, wie wichtig Naturerfahrungen und Nachhaltigkeit sind - hier ein Amt anzusiedeln, ist aber überhaupt nicht nachhaltig."

Rund 30 000 Quadratmeter ist die Gartenarbeitsschule groß, und im Jahr kommen etwa 25 000 Kinder und Jugendliche aus Kitas, Schulen und Hortgruppen dorthin. "In den 15 Jahren, die ich hier bin, hat sich die Besucherzahl verachtfacht", rechnet Meil-Lachmann. Auch das Angebot konnte deutlich erweitert werden: Es gibt Anlagen für erneuerbare Energien, ein Schilfklärwerk, einen Bodengarten, in dem man etwas über unterschiedliche Erdschichten lernt und ein Wassermuseum. Die Kids können Brot backen, Marmelade einkochen, Feuer machen, Kräuter bestimmen, Bienen beobachten, drucken, malen und, und, und.

Die Arbeit sei wichtiger als je zuvor, meint Claudia Meil-Lachmann. Denn heute wüssten manchmal selbst die Pädagogen wenig über Lebensmittelproduktion. "Neulich wunderte sich eine Erzieherin darüber, warum wir Kartoffeln eingraben; eine andere hatte keine Ahnung, wie Obst zu Saft wird."

Die Gartenarbeitsschule kommt mit sechs Angestellten aus, die meisten haben nur Teilzeitstellen. Den Rest der Arbeiten erledigen rund 30 Ehrenamtliche. Sie alle hoffen, dass die Arbeit auf dem idyllischen Areal relativ ungestört weitergehen kann.


Susanne Schilp / susch
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