Flüchtlinge verlassen Turnhallen: Bezirk akzeptiert vier Standorte für feste Unterkünfte

Mehr Flüchtlinge nach Westend: Am Standort Eschenallee, der vor gut einem Jahr eröffnet hat, entstehen bald Wohnungen in Fertigbauweise. (Foto: Thomas Schubert)

Westend. Ein dauerhaftes Dach für rund 2000 Flüchtlinge: Vergleichsweise wenig Reibung zwischen Landesbehörden und dem Bezirksamt ergaben sich bei der Bestimmung von drei Standorten für modulare Bauten und eine Containersiedlung. Denn eine lang gestellte Forderung wird endlich erfüllt.

Wenn es denn eine Grundannahme gibt, die in Zeiten der Flüchtlingskrise alle Bürger und Verantwortungsträger teilen, dann diese: Asylbewerber gehören nicht in Turnhallen. Und in Charlottenburg-Wilmersdorf, einem Bezirk, der ansonsten durch mustergültige Unterstützung für Geflüchtete auffiel, entzündete sich zuletzt immer wieder Streit daran, dass die beiden Großhallen in der Glockenturmstraße weiterhin als Basis für die Erstaufnahme dienen.

MUF am Spandauer Damm

So war es dann auch bei den neuesten Verhandlungen des Bezirksamts mit dem Senat oberste Bedingung, dass diese Heime mit Platz für über 1000 Betten schließen. Im Gegenzug akzeptiert der Bezirk vier Standorte für feste Flüchtlingsbehausungen. Darunter fallen drei so genannte modulare Unterkünfte für Flüchtlinge in Leichtbauweise (MUFs) am Spandauer Damm 148, am Standort Eschenallee, wo man bereits eine frühere Charité-Klinik nutzt, und in der Quedlinburger Straße 45. Hinzu kommt ein Standort für eine Containersiedlung auf dem Gelände des ehemaligen Familienbads im Olympiapark.

Gerade der galt in den Verhandlungen bis zuletzt als Knackpunkt. „Wir haben den Containerstandort ausdrücklich nur unter der Bedingung gutgeheißen, wenn im Gegensatz die Hallen an der Glockenturmstraße leergezogen werden“, betont Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD). Ins Spiel gebracht hatte diese Variante ursprünglich Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU). Und der Bezirk, vertreten durch Bürgermeister Naumann und Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU), hatte den Vorschlag übernommen.

Wert legt das Bezirksamt auf die Tatsache, dass man einen weiteren Standort verhindert hat: nämlich denjenigen auf dem Parkplatz des ICC, zumal bereits 500 Flüchtlinge im alten Kongresszentrum wohnen. „Wir können also nicht sagen, dass hier etwas gegen unseren Willen durchgedrückt wurde“, zeigt sich Naumann insgesamt mit den Verhandlungen zufrieden.

Baubeginn im Sommer

Ziel wird es sein, an jedem MUF- oder Containerstandort 500 Flüchtlinge unterzubringen, wobei man bei den Modularbauten auf eine Nutzungszeit von 60 Jahren ausgeht. Es handelt sich um fünfgeschossige Fertighäuser mit separaten Wohnungen und Gemeinschaftsbereichen für Küche und Bad. Deren Bau beginnt wohl, sofern sich keine weiteren Probleme mehr ergeben, noch in diesem Sommer. tsc
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