Interview mit Tim Renner (SPD): "Wir brauchen Mut zum Gestalten"

Tim Renner, SPD. (Foto: Olaf Heine)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Bundestagswahl steht vor der Tür und längst haben die Direktkandidaten des Wahlkreises ihre Wahlplakate im Bezirk aufgehängt. Doch welche Position vertreten sie? Wo sollen die Wähler am 24. September ihr Kreuz machen? Die Kurzinterviews der Berliner Woche leisten Entscheidungshilfe.

Auch Tim Renner, SPD, 52, Kulturstaatssekretär a.D., hat sich zu wichtigen aktuellen Themen geäußert.

Wo sehen Sie innerhalb des Bezirks Handlungsbedarf?

Tim Renner: Die "Berliner Mischung" muss erhalten bleiben, Wohnungen bezahlbar bleiben. Der Bezirk muss fit für die Zukunft gemacht werden, besonders in der Bildung und in seinen Schlüsselindustrie (Kultur- und Kreativwirtschaft), die Umsetzung des Campus City West (Verschränkung TU und UdK) ist eine gigantische Chance für Charlottenburg-Wilmersdorf.

Berlin braucht mehr bezahlbaren Wohnraum. Für welchen Weg dorthin machen Sie sich im Falle Ihrer Wahl stark?

Tim Renner: Wir müssen jeden Weg nutzen, der uns Entlastung im Wohnungsmarkt bringt. Das heißt, günstiges Bauen erleichtern (Baurecht vereinfachen), genossenschaftliches Bauen intensiver fördern, neue Formen der Eigenheimzulage (Bürgschaften) und endlich eine funktionierende Mietpreisbremse.

Abgasskandal, Feinstaubbelastung, Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in Innenstädten: Läuft die Zeit der Verbrennungsmotoren ab?

Tim Renner: Elektromobilität und Digitalisierung sind gigantische Herausforderungen. Wer die deutsche Industrie dabei nicht anspornt, sondern durch faule Kompromisse einschläfert, gefährdet Hunderttausende von Jobs und den Wert von Made in Germany. Zudem versündigt man sich dadurch an denen, die Feinstaub aus Diesel einatmen. Konsequent wäre gewesen, von der Automobilindustrie zu fordern, die geprellten Kunden mit Elektroautos binnen der nächsten drei bis fünf Jahre zu entschädigen.

Wie muss sich die Rentenpolitik ändern, um den Menschen die Angst vor Altersarmut zu nehmen?

Tim Renner: Wir müssen jetzt handeln, um die Rente zu stabilisieren, Altersarmut bestenfalls zu verhindern oder zu bekämpfen. Dafür sorgen die doppelte Haltelinie, die Solidarrente, mehr Schutz vor den Folgen gesundheitlicher Einschränkungen durch eine bessere Erwerbsminderungsrente, gute Löhne als Grundlage für gute Renten und nach 45 Jahren die dauerhafte Möglichkeit, ab 65 in Rente zu gehen. Wer wie die Union das Thema aussitzt, tut nichts gegen die Angst vor Altersarmut. Wir brauchen klare Antworten und Mut zum Gestalten.

Welcher Satz geht Ihnen als erstes durch den Kopf, wenn Sie auf das Thema „geflüchtete Familien“ angesprochen werden?

Tim Renner: "Wir schaffen das" – ein Satz, mit dem die Kanzlerin bewiesen hat, dass sie ein Herz, aber leider keinen Plan hat.

Komplettieren Sie: Wer mich wählt, darf sich sicher sein, dass ich mich einsetze für …

Tim Renner: ... die Zukunft von Charlottenburg-Wilmersdorf.

Hand aufs Herz: Union oder Hertha?

Tim Renner: St. Pauli. Nick Hornby sagt in seinem Roman "Fever Pitch": "Nicht Du suchst Dir den Verein aus, der Verein sucht sich Dich aus.“
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Volker Dau aus Alt-Hohenschönhausen | 11.09.2017 | 14:01  
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