Fotografisches Tagebuch einer Künstlerehe

"Die Party ist vorbei". June Newton zur Ausstellungseröffnung beim Autogramme schreiben. (Foto: Martin)

Charlottenburg. Die Helmut-Newton-Stiftung im Museum für Fotografie feiert zehnjähriges Bestehen. Zum Jubiläum ist dieselbe Doppelausstellung "Sex and Landscapes" und "Us and Them", die 2004 gezeigt wurde, nochmals in der Jebensstraße 2 zu sehen.

Eine Entscheidung von Stiftungspräsidentin June Newton, die am 3. Juni ihren 91. Geburtstag feiern konnte. Bei der Eröffnung bezeichnet sie die Foundation als ihre zweite Heimat, denn "Helmut ist hier, sein Werk, I’m so lucky". Glücklich sei sie, obwohl sie nicht mehr fotografiert und nicht mehr Auto fährt, in ihrem Alter sei die Party vorbei. Seit 1948 war sie mit Newton verheiratet, als Alice Springs wurde sie ab 1970 an der Seite ihres berühmten Ehemanns selbst zu einer erfolgreichen Fotografin.

"Us and Them" ist ein gemeinsames Ausstellungsprojekt von Helmut und June, eine Art fotografisches Tagebuch ihres Zusammenlebens. Zu sehen sind gegenseitige Porträts und Selbstporträts sowie Aufnahmen von Künstlern, Schauspielern und anderen Prominenten - etwa Dennis Hopper, Hanna Schygulla, Caroline von Monaco oder Yves Saint-Laurent. Zum Teil intime Fotos gewähren Einblicke in das Privatleben des Paars. Sehr berührend ist die Aufnahme, die June am Krankenbett ihres Mannes zeigt. Newton erlebte den Start von Museum und Stiftung nicht mehr, er starb im Januar 2004 im Alter von 84 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

Im zweiten Teil "Sex and Landscapes" sind großformatige Landschaftsaufnahmen und Akte zu sehen, oft provokant und dramatisch. Parallel zur Doppelausstellung werden in "June’s Room" Collagen von Helmut Newton gezeigt, einige waren Bestandteil von Newtons Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie im Jahr 2000.

Für das Gebäude, in der das Museum für Fotografie mit der Helmut-Newton-Stiftung untergebracht ist, hatte sich Newton noch selbst entschieden. Er war gemeinsam mit June bereits ein halbes Jahr in Berlin auf der Suche nach einem Ort unterwegs, an dem seine und ihre Werke gezeigt werden könnten, im Osten, im Westen, am Stadtrand. Schließlich führte ein Mitarbeiter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz das Paar in die Jebensstraße, genau gegenüber vom Bahnhof Zoo. "That’s it", soll Newton gesagt haben, "das ist es, von hier bin ich 1938 aus Berlin abgefahren."

Die Doppelausstellung im Museum für Fotografie, Jebensstraße 2, läuft bis 16. November, Öffnungszeiten: Di/Mi und Fr-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr.

Ulrike Martin / uma
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