Spritzenbox oder Druckraum? Neue Lösungsversuche für das Drogenproblem am Stutti

Der Anblick, den es nicht mehr geben soll: Eine achtlos entsorgte Spritze. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Ein kleiner Kasten im Gebüsch - das ist er also, der neue Entsorgungscontainer für Heroinspritzen. Da sich der Behälter bewährt hat, will Stadtrat Schulte weitere Exemplare platzieren lassen. Doch zur Debatte steht auch eine andere, umstrittene Möglichkeit.

Dass es ständig in den Büschen raschelt, verwundert am Stuttgarter Platz niemanden mehr. Seit Jahren gilt der Kreuzungsbereich von Stadtbahn und U 7 als Umschlags- und Konsumplatz für harte Drogen - beim Erwerb und Verabreichen von Heroin hat der Bahnhof Charlottenburg das Kottbusser Tor längst abgelöst. Und ebenso lange suchen Bezirksamt, Polizei und der Verein "Fixpunkt" gemeinsam nach einer Lösung, die Abhängigen vor Infektionen zu bewahren und den Teufelskreis der Sucht zu beruhigen, ohne die Szene in andere Teile Berlins zu verdrängen.

Verbesserungsversuche setzen vor allem bei der Konsumsituation an. Denen, die sich Spritzen setzen, steht "Fixpunkt" an sechs Wochentagen mit einem Konsummobil zur Verfügung, wobei die Klientel bis zu 20-mal pro Stunde vor der Tür steht. Das Angebot, sagte eine Sprecherin beim Runden Tisch im Herbst 2014, wird der wachsenden Nachfrage kaum gerecht.

Denen, die keinen Platz im Mobil bekommen, bleibt nur der Weg in die Büsche. Und hier finden sie seit einigen Wochen den kleinen Behälter mit Einwurföffnungen für benutzte Spritzbestecke. Wie der für Grünflächen zuständige Stadtrat Mac Schulte (SPD) in seinem Ausschuss vermeldete, hat sich die Konstruktion bewährt. "Wir wollen weitere Behälter bewilligen", stellt Schulte in Aussicht. Nicht unerwähnt ließ er jedoch, dass auch der Vorschlag im Raum steht, einen festen Druckraum bereitzustellen - und zwar als Container mitten im Gebüsch. So eine Lösung hält Schulte aber "auf keinen Fall für zustimmungsfähig". Schon die Tatsache, dass der Grünzug am Stuttgarter Platz urheberrechtlich geschützt ist, macht das Platzieren eines Containers faktisch unmöglich.

Gesundheitsstadtrat Carsten Engelmann (CDU) bestätigt, dass "Fixpunkt" mit diesem Vorschlag an ihn herangetreten sei. Aber auch er sieht das Problem darin, dass die Gestaltung der Grünanlage solch drastische Eingriffe verbietet.


Thomas Schubert / tsc
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