Kompetenzgerangel in Sachen Radverkehr

Andauernde Gefahr: Im toten Winkel von Lastwagen radelt es sich riskant. (Foto: Thomas Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. In einem Stadtgebiet, das wie kaum ein anderes dem motorisierten Verkehr Vorrang gibt, wollen mehrere politische Lager den Radverkehr anschieben. Wie weit ist die City West beim Vorwärtskommen mit Muskelkraft wirklich?

Blechkolonnen auf sechsspurigen Magistralen, autobahnähnliche Untertunnelungen, kolossale Kreuzungen – und als Beiwerk: schmale Fahrradstreifen. Wenn der ADFC von „erheblichen Kapazitätsengpässen auf einzelnen Radrouten und an wichtigen Knotenpunkten im Zentrum“ spricht, meint er ganz sicher auch die Pkw-freundlichen Lösungen im Herzen der City West.

In Metropolen wie Paris, London und New York, sieht der Grünen-Verkehrsexperte Roland Prejawa deutlich mehr Verkehrsteilnehmer strampeln. „Wir sind in der Pflicht, Radwege zu schaffen“, forderte er zur Sommerpause in der BVV. Und meint damit sichere Trassen, auf denen man auch seine Kinder fahren lassen würde.

Zwar gibt der Senat dieses Jahr berlinweit 14 Millionen Euro aus, um Bürgern den Umstieg vom Autositz in den Sattel zu versüßen. Aber wo eine Verbesserung im Bezirk zu bemerken ist? Verkehrsstadtrat Marc Schulte (SPD) hebt etwa Umbauten an der Prinzregentenstraße hervor. Hier habe sich die Nutzung durch Radler „verstetigt“.

Heikel bleibt aber beispielsweise die Situation auf der Lewishamstraße, die im Bereich der Bahnunterführung für Platzangst bei den Radlern sorgt und dann im dunklen Tunnel am Adenauerplatz verschwindet. Während Grüne und Piraten sofort einen Streifen für Pedaleure schaffen und dafür 80 Parkplätze opfern wollen, gibt sich Schulte zurückhaltend. Es brauche erst ein Konzept, mit dem man aus vielen Möglichkeiten die geeignetste Nord-Süd-Trasse ermittelt und diese konsequent ausbaut.

Auch der Stadtrat glaubt, dass es derzeit noch viel Mut kostet, konsequent aufs Fahrrad zu setzen. „Trotz technischer Neuerungen, beispielsweise den Tote-Winkel-Spiegeln, zeigt die hohe Anzahl an Verkehrsunfällen mit verletzten oder getöteten Radfahrern, dass die hohe Verkehrsdichte in der Stadt nur durch gegenseitige Rücksichtnahme bewältigt werden kann“, verweist er auf etwas, das auch in jedem Zukunftsszenario für jeden Verkehrsteilnehmer bestand hat: die Straßenverkehrsordnung. tsc
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Hans Trebusch aus Charlottenburg | 08.08.2015 | 17:47  
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