Buch über 750 Jahre Friedrichsfelde erschienen

Das Schloss bildet den historischen Mittelpunkt des Tierparks. (Foto: Kahle)
Berlin: Tierpark Berlin |

Friedrichsfelde. Es ist pünktlich zum 750. Geburtstag erschienen: Das Buch "Friedrichsfelde. Der Ort. Das Schloss. Die Geschichte" ist eine reich bebilderte, umfassende Darstellung der facettenreichen Historie des heutigen Lichtenberger Ortsteils.

Dessen einst bäuerliches Antlitz mit seinen zahlreichen Schrebergärten wich zu DDR-Zeiten größtenteils gesichtslosen Plattenbauten. Doch auch hier leben Menschen gern, unter ihnen bedeutende Künstler wie Heiner Müller oder Agnes Kraus. Nur wenige historische Gebäude haben sich neben dem Schloss im einstigen Dorfkern erhalten, zum Beispiel die Dorfkirche und die Häuserzeilen in Alt-Friedrichsfelde und der Alfred-Kowalke-Straße.

Schloss und Ort Friedrichsfelde sind verbunden mit dem Wirken hervorragender, auch widersprüchlicher Persönlichkeiten. Zu ihnen zählte Benjamin Raule, ein Reeder, Freibeuter, Militär, Kaufmann und Ratsherr, der sich mit Schloss und Park ein bleibendes Denkmal setzte und dennoch in Ungnade fiel. Im Schloss lebten später Mitglieder der preußischen Königsfamilie, kurländische Herzöge und russische Adlige.

Nach der Niederlage Napoleons wurde der Bau für seinen ehemaligen Verbündeten, Sachsenkönig Friedrich August, vorübergehend sogar zum feudalen Staatsgefängnis. Traurige Bekanntheit während des NS-Regimes erlangte das Gestapo-Lager Wuhlheide, das an den Schlosspark grenzte.

Im Jahr 1945, nach der Niederlage Hitler-Deutschland, war Friedrichsfelde kurz Sitz des ersten russischen Stadtkommandanten von Berlin, Nikolai Bersarin. Zu den letzten Bewohnern des Schlosses zählte die Familie von Treskow. Sie musste nach dem Einmarsch der Roten Armee das Schloss verlassen und wurde im Zuge der Bodenreform enteignet. Das Schloss diente als Beute-Depot der Roten Armee für deutsche Kunstschätze, später als Erholungsheim für Bauarbeiter und als Verwaltungsschule.

Das Gebäude wäre dem Verfall preisgegeben gewesen, hätten sich nicht Tierparkdirektor Heinrich Dathe und der Denkmalschützer und Architekt Ernst Wipprecht für das feudale Erbe eingesetzt.

Die Geschichte des Schlosses erzählt von Aufstieg und Fall, von Glanz und Gloria, von Verfall und Wiedergeburt eines bedeutenden Herrschaftssitzes - eingebettet in den größten Landschaftstierpark Europas. Der Titel "Friedrichsfelde. Der Ort. Das Schloss. Die Geschichte" hält, was er verspricht. Wie in einem Kaleidoskop offenbaren sich dem Leser und Betrachter immer neue Sichten glanzvoller und düsterer Epochen, in der Regionalgeschichte spiegelt sich Universelles.

Dafür gilt den Autoren Dank: Ernst Wipprecht, der während der Arbeiten an dem Buch verstarb, Thomas Ziolko und Olaf Lange vom Förderverein von Tierpark und Zoo, dem Historiker Rüdiger von Treskow, Nachfahre der letzten Schlossbewohner, und Herausgeber Klaus-Dieter Stefan, Journalist. Sie nehmen den Leser mit auf eine Wanderung durch 750 Jahre Geschichte, spannen mit flüssiger Handschrift den historischen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dabei bedienen sie sich auch der Berichte von Zeitzeugen unterschiedlicher Epochen. Das alles macht das Buch spannend, lesenswert und authentisch.

Klaus-Dieter Stefan (Hrsg.), "Friedrichsfelde. Der Ort. Das Schloss. Die Geschichte.", Hendrik Bäßler Verlag, 252 Seiten, ca. 100 Abbildungen, 21,95 Euro, ISBN 978-3-930388-91-2

Michael Kahle / m.k.
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