Wo Reisende einkehren und Ruhe finden

Die Silhouette der Autobahnkirche Siegerland ist der Darstellung auf Autobahnschildern nachempfunden. (Foto: Versicherer im Raum der Kirchen/Eckhard Reuter)
 
Das um 45 Grad geneigte Glasdach ist der zentrale Blickfang der Autobahnkirche Medenbach. (Foto: Versicherer im Raum der Kirchen)

Auf der Autobahn geht es normalerweise darum, schnell von A nach B zu kommen. Umso außergewöhnlicher erscheinen kleine Orte der Entschleunigung: die Autobahnkirchen. Die erste Deutschlands eröffnete 1958 zwischen München und Stuttgart an der A 8.

  • Die Älteste: Der Augsburger Papierfabrikant Georg Haindl stiftete Deutschland die erste Kirche für Reisende auf der Autobahn. Am 12. Oktober 1958 empfing das Gotteshaus "Maria, Schutz der Reisenden" erstmals Gläubige an der A 8 zwischen München und Stuttgart (Abfahrt 71). Erinnern Silhouette und Grundriss noch an typisch-bayerische Dorfkirchen, muten die Klarheit der Fassade und der großzügige Einsatz von Glas sehr modern an (Autobahnkirche Adelsried, Ansprechpartner: Pater Wolfram Hoyer OP, 0821 32 90 50, www.autobahnkirche.org, Geodaten: 48° 24’ 58" N 10° 43’ 27" O).
  • Die Jüngste: Erst vor Kurzem ist die Zahl der deutschen Autobahnkirchen auf 42 gestiegen: Jüngstes Mitglied ist seit dem 22. Juni die Dorfkirche Zeestow bei Brieselang am Berliner Ring (Abfahrt 27). Das Gebäude stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. 2011 fiel der Beschluss für einen Umbau zur Autobahnkirche. Heutiges Prunkstück ist der Bilderzyklus "Die Berufenen", für den der Maler Volker Stelzmann zwölf Obdachlose porträtierte (Autobahnkirche Zeestow, Ansprechpartner: Pfarrer Bernhard Schmidt, 03322 12 74 31, Geodaten: 52° 34’ 17" N 12° 57’ 34" O).
  • Die Ikonische: Im Siegerland, am Autohof Wilnsdorf (Abfahrt 23), klaffte lange eine Lücke im Netz der Autobahnkirchen. Das erkannte zuerst das Ehepaar Hanneliese und Hartmut Henning. Sie gründeten einen Förderverein. Seit 2013 dürfen Reisende nun in die Autobahnkirche Siegerland einkehren. Die Silhouette dieses schnörkellosen Baus ist der grafischen Darstellung von Kirchen auf Autobahnschildern nachempfunden (Autobahnkirche Siegerland, Ansprechpartnerin: Ute Pohl, 02736 67 16, im Internet auf www.autobahnkirche-siegerland.de, Geodaten: 50° 49’ 1" N 8° 5’ 6" O).
  • Die Schräge: Gleich einer Startrampe zu höheren Sphären ragt das 45-Grad-Glasdach der Autobahnkirche Medenbach in den Himmel über der A 3 zwischen Köln und Frankfurt (Rastanlage Medenbach-West): Sonne, Mond, Wolken und Sterne würden so in den Kirchenraum mit einbezogen, hieß es in dem vom Architekten Hans Waechter eingereichten Entwurf. Das blaue Glas ziert eine abstrakte Auferstehungsszene des Künstlers Nikolaus Gerhart (Autobahnkirche Medenbach, Ansprechpartner: Karl-Heinz Schon, 06122 131 10, im Internet auf www.autobahnkirche-medenbach.de, Geodaten: 50° 5’ 43" N 8° 21’ 7" O).
  • Die Trutzige: Die starken Mauern und kleinen Kirchenfenster der Autobahn- und Gemeindekirche Kavelstorf (Abfahrt 10) lassen vermuten, dass sie im 13. Jahrhundert als Wehrkirche und Zufluchtsort errichtet wurde. Im Innern erweist sich das unweit der A 19 zwischen Berlin und Rostock gelegene Gotteshaus als ein Kleinod norddeutscher Sakralbaukunst: Besucher erwarten hoch aufragende Spitzrundbögen, kunstvoll verziert mit Blumenornamenten (Autobahnkirche Kavelstorf, Ansprechpartnerin: Pastorin Eike Borowski, 038208 242, www.autobahnkirche-kavelstorf.de, Geodaten: 54° 0’ 21" N 12° 11’ 24" O).
Detaillierte Informationen zu allen Autobahnkirchen in Deutschland unter www.autobahnkirche.info.

dpa-Magazin / mag
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