Von Hagens' Menschen Museum öffnet frühestens im Januar

Plastinator Gunther von Hagens und seine Ehefrau Angelina Whalley. (Foto: Institut für Plastination, Heidelberg)

Mitte. Der umstrittene Plastinator Gunther von Hagens wird sein erstes "Menschen Museum" mit konservierten Toten nicht wie geplant im Dezember im Sockelbau des Fernsehturms eröffnen.

Wie von Hagens und seine Ehefrau Angelina Whalley jetzt sagten, passiert das erst im Januar. Einen genauen Termin gibt es bisher nicht. "Aus Respekt vor dem Gericht wollen wir die mündliche Verhandlung gegen das Gesundheitsamt Mitte am 16. Dezember abwarten und unser Menschen Museum danach eröffnen", sagte Angelina Whalley. Die dauerhafte Körperwelten-Ausstellung solle nicht mitten in die Weihnachtsfeiertage fallen.

Wie berichtet, hat das Bezirksamt keine Ausnahmegenehmigung erteilt. Laut Bürgermeister und Gesundheitsstadtrat Christian Hanke (SPD) ist die Schau nach dem Bestattungsgesetz nicht zulässig. Demnach müssen Leichen beerdigt und dürfen nicht öffentlich ausgestellt werden. Bei den plastinierten und in Posen inszenierten Körpern handelt es sich laut Hanke weiterhin um Leichen, die dem Bestattungsgesetz unterliegen.

Die Ausstellungsmacher haben vor dem Verwaltungsgericht Berlin eine Feststellungsklage eingereicht. Das Gericht soll bestätigen, "dass die dauerhafte Ausstellung von Körperplastinaten keiner behördlichen Genehmigung gemäß dem Berliner Bestattungsgesetz oder dem Berliner Sektionsgesetz bedarf", heißt es in der Klageschrift. Die Ausstellung sei grundsätzlich von der Wissenschaftsfreiheit gedeckt. Schließlich zeige auch die Charité in ihrem Medizinhistorischen Museum Körper und Körperteile und habe dafür keine bestattungsrechtliche Genehmigung, so Whalley. "Gern hätten wir über Themen des Jugendschutzes oder auch über die Ausstellung einzelner Exponate diskutiert, doch den Museumsgegnern geht es offenbar nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung, sondern um Verbote", so die Ärztin.

Wie die Ärztin sagt, laufen die Vorbereitungen im Sockelbau des Fernsehturms auf Hochtouren. Auf 1200 Quadratmetern Fläche sollen 20 konservierte Ganzkörper und rund 200 Teilkörperplastinate gezeigt werden. Sie stammen aus dem Körperspendeprogramm des Instituts für Plastination in Heidelberg, in dem mittlerweile über 14 000 Spender registriert sind.

Kuratorin Dr. Angelina Whalley verspricht den Besuchern faszinierende Einblicke in das Innere des Menschen. "Wir zeigen die Komplexität des menschlichen Körpers, aber auch seine Verwundbarkeit," sagt Whalley. Die Besucher würden einen neuen Umgang mit dem eigenen Körper erlernen und danach gesundheitsbewusster leben, glaubt sie. Laut Whalley würde zum Beispiel jeder dritte Raucher nach dem Besuch der Körperwelten-Ausstellungen mit den gezeigten Raucherlungen die Qualmerei reduzieren. Das hätten Befragungen ergeben.


Dirk Jericho / DJ
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