Karate oder Klavier: Als Senior ein neues Hobby anfangen

Bei den Karate-Senioren verbesserte sich im Vergleich zu zwei Kontrollgruppen sowohl die Merkleistung als auch die allgemeine Stimmungslage – das ergab die Studie, die ursprünglich den Anstoß zum Karate gegeben hatte. (Foto: Armin Weigel)

Wie gut man als älterer Mensch lernt, hängt vor allem von den Lernerfahrungen in früheren Lebensphasen ab. Dazu gibt es umfangreiche Studien.

Rund 1600 Teilnehmer zählt das Programm, ein Drittel von ihnen absolviert klassische Studiengänge mit allen Prüfungen, zwei Drittel sind als Gasthörer eingeschrieben. Darauf weist Miriam Haller, Geschäftsführerin des Arbeitsbereichs Gasthörer- und Seniorenstudium an der Universität Köln, hin.

Manches lerne sich nicht mehr so schnell wie früher. Dafür hätten Ältere aufgrund ihrer Lebenserfahrung aber Vorteile, wenn es um Reflexion und Transfer geht. "Das Gehirn ist plastisch, also durch Lernen veränderbar. Diese Fähigkeit bleibt über die gesamte Lebensspanne erhalten", sagt Ben Godde, Professor für Neurowissenschaften am Jacobs Center on Lifelong Learning in Bremen.

Während das Studium ein Klassiker der Seniorenbildung ist, sind die Damen aus der Regensburger Übungsgruppe von Karatetrainerin Stefanie Nagl in ihrem Bekanntenkreis Exoten. Die Frauen zwischen Mitte 70 und Mitte 80 üben seit mehr als drei Jahren zusammen. Ursprünglich ging es um eine Universitätsstudie zum Nutzen von Bewegung im Alter, doch die Seniorinnen blieben auch danach dabei. Die Übungen lassen sich gut anpassen, sagt Nagl. "Da geht der Fußkick eben nicht mehr bis unters Kinn." Dem Trainingseffekt tut das keinen Abbruch.

Die Seniorinnen schätzen die Gemeinschaft und haben Ehrgeiz, ihre Technik weiter zu verbessern, sagt Stefanie Nagl. Wichtig für den Lernerfolg ist vor allem das Interesse. "Älteren wird oft nachgesagt, sie seien weniger motiviert zu lernen", sagt Godde. "Die Motivation nimmt aber nicht ab, sondern sie wird spezifischer. Ältere lernen vor allem das, was sie interessiert."

Das kann auch ein Musikinstrument sein. "Erwachsenen Schülern geht es nicht darum, Konzertpianist zu werden, sie wollen zum Beispiel endlich selbst ein ganz bestimmtes Stück spielen können", sagt Claudia Wanner, Sprecherin des Verbandes deutscher Musikschulen. Der Anteil der über 60-Jährigen an den Schülern der öffentlichen Musikschulen ist mit knapp 15 800 oder 1,5 Prozent klein, hat sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre aber mehr als verdoppelt.

Die Schulen beraten, welches Instrument passen könnte: "Das Klavier zum Beispiel hat den Vorteil, dass man beim Musizieren immer sitzen kann." Die Finger mögen manchmal schon etwas steifer sein, dafür sei die Motivation zum Üben oft umso größer. mag
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