Verpflichtende Erziehungskurse sollen Kinderschutz verbessern

Berlin. In Berlin steht es nicht gut um den Kinderschutz. Zwei Gerichtsmediziner der Charité haben ein Buch mit grausamen Misshandlungsfällen veröffentlicht, die sie als Gutachter untersuchen mussten.

Michael Tsokos und Saskia Guddat wollen damit eine Debatte über den Stellenwert des Kinderschutzes in Gesellschaft und Politik anregen. "Deutschland misshandelt seine Kinder" heißt der Titel, denn bei vielen der beschriebenen Fälle seien die Eltern die Täter gewesen.

Man müsse von 25 000 Misshandlungsopfern in Berlin ausgehen, sagte Tsokos der B.Z. Für den Berliner CDU-Politiker Kai Wegener sind diese Zahlen ein Grund, verpflichtende Erziehungskurse für Eltern zu fordern - eine Art Eltern-Führerschein, der den Kinderschutz verbessern und eine gute Prävention gewährleisten soll.

Der Berliner Kinderschutzbund sieht eine solche Pflicht allerdings kritisch. Zwar fordert Geschäftsführerin Sabine Walther mehr Prävention: "Das darf aber niemanden abschrecken", sagt sie. Eltern dürften nicht unter Generalverdacht gestellt werden.

Wichtiger als einen Führerschein findet sie die Vorsorgebesuche der Kinder- und Jugendgesundheitsdienste bei den Familien zu Hause. Doch auch dabei gibt es derzeit Probleme. "Die Bezirke bekommen es einfach nicht hin, dass alle Familien besucht werden", bemängelt sie. Wichtig wäre, die Besuche auszuweiten. Sie fordert, dass bei jedem Neugeborenen die Familie besucht wird, statt nur bei jedem erstgeborenen Kind.

"Stress kommt nicht nur bei frisch gebackenen Eltern auf", sagt Sabine Walther. Für Mütter und Väter sollte es normal sein, Hilfe anzunehmen. Deshalb müssten die Angebote offen für alle sein und dürften nicht den Anschein einer Kontrolle erwecken. "Den Führerschein besteht man oder nicht, aber Eltern bleibt man."


Jana Tashina Wörrle / jtw
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