Babylotsen im Klinikum: In Neukölln startet Kinderschutzprojekt

Neukölln. Wer hilft mir, wenn ich nach der Geburt meines Kindes Probleme habe? Diese Frage wollen künftig "Babylotsen" beantworten. Im Vivantes-Klinikum Neukölln ist ein Kinderschutz-Programm gestartet.

Wünscht eine schwangere Frau Unterstützung, wollen Mediziner und Sozialpädagogen sie künftig in der Klinik über Hilfsmöglichkeiten nach der Entbindung informieren und sie bei Bedarf an passende soziale Träger in Wohnortnähe vermitteln.

Mit dem Lotsen-Programm wollen das Neuköllner Bezirksamt und das Klinikum Konflikte vermeiden und Problemen vorbeugen - und damit Gewalt gegen Kinder verhindern. Denn sehr oft ist es ein Zeichen von Überforderung, wenn Eltern gewalttätig werden.

Darüber hinaus hat Neukölln eine spezielle App für das Smartphone entwickelt. Damit können frischgebackene Eltern Infos zur Kinderbetreuung und zu Angeboten des Bezirkes finden.

Eine Funktion weist auf wichtige Termine wie anstehende Impfungen und Untersuchungen (U1 bis U9) hin. Außerdem gibt die App Hinweise zu staatlichen Geldleistungen und zum richtigen Verhalten bei Notfällen. Probleme gibt es in Neukölln genug: Jedes 6. Kind ist übergewichtig, jedes 5. hat schlechte Zähne. Zwei Drittel der Kinder im Bezirk sind in ihrer Entwicklung auffällig.

Übergewicht und Karies

Sie können beispielsweise visuelle Wahrnehmung und Bewegung nicht gut koordinieren oder sind in ihrem sprachlichen Ausdruck auffallend schlecht. Was Jugendstadtrat Falko Lieke (CDU) besondere Sorgen macht: Ein Viertel der Kinder hat bei Schuleintritt die Untersuchungen zur Vorsorge (U 1 bis U 9) nicht vollständig absolviert. "Die ersten Jahre eines Kindes sind prägend für das gesamte Leben. Hier wollen wir einhaken und Familien frühzeitig Hilfe leisten", sagt Lieke.

Das Vivantes-Klinikum möchte mit dem Programm neben der gesundheitlichen auch soziale Verantwortung für die Kinder übernehmen, so Chefarzt Rainer Rossi. Das Lotsen-Programm sei ein wichtiger Baustein, um engen Kontakt zum Bezirk, zum Kindergesundheitshaus und zu sozialen Projekten aufzubauen.


Klaus Tessmann / KT
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