Bürgermeisterin und Berliner Woche besuchten Ben Wagin

Ohne Grünzeug geht bei Ben Wagin nichts. Bürgermeisterin Angelika Schöttler fühlte sich an der umrankten Eisenbahnhalle an Dornröschen erinnert. (Foto: HDK)

Schöneberg. Bürgermeisterin Angelika Schöttler und Berliner-Woche-Reporter Horst-Dieter Keitel gehen einmal im Monat im Bezirk auf Entdeckungstour und besuchen besondere Leute, Orte und Institutionen. Diesmal wurde Baumpate Ben Wagin in einem seiner Refugien aufgestöbert.

Der Fahrer der Bürgermeisterin konnte sein Navi vergessen, es gibt keine offizielle Adresse. Ben Wagin residiert quasi im Niemandsland zwischen Schöneberg und Kreuzberg in einer historischen Reichsbahnhalle auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs und am äußersten Rand des Technikmuseums, zu dem das Areal heute gehört und zu einer Museumsstraße ausgebaut werden soll.

Und wie so oft, hat es Ben Wagin (84) wieder irgendwie geschafft, dass ihm dieser Standort schon seit 1997 kostenlos zur Verfügung steht. Darin ist der als Baumpate zum Berliner Original gereifte Aktionskünstler unschlagbar. Bekanntlich hat er auf diese Art sogar einen Platz mitten im Regierungsviertel - das "Parlament der Bäume" - erobert, dort einige Meter originale Mauerteile über die Zeit gerettet und mithin eine Touristenattraktion etabliert.

Zwei solcher Mauerteile bilden sozusagen auch das Entree zum ehemaligen, idyllisch von Pflanzen umrankten Eisenbahngebäude, das Wagin als eines seiner Ateliers nutzt und wo er gerade eine Ausstellung unter der Überschrift "Mauer - keine Dauer" vorbereitete, zu der ihn das Europäische Parlament in Brüssel anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls eingeladen hat.

Der Künstler zeigte sich bei der Begrüßung der Bürgermeisterin hocherfreut, weil sie die "erste Politikerin von Rang" sei, die sich für seine Arbeit an diesem Standort und überhaupt interessiere. Ben Wagin formulierte zwar etwas drastischer, aber Schöttler war dennoch geschmeichelt von der faustdicken Lüge. Denn Politiker, die der Künstler für seine Zwecke hervorragend zu nutzen wusste und weiß, gibt es schließlich einige, aber der Zweck seiner Mission heiligt dem Baumguru eben auch dieses Mittel.

Und - egal ob Kaiser, König oder Bundespräsident - er hat wie selbstverständlich auch Angelika Schöttler einfach geduzt. Ben Wagin witterte die Chance, eine seiner spektakulären Aktionen in Tempelhof-Schönberg durchzuführen und sagte: "Na los Mädchen, lass uns was zusammen machen."

Eine konkrete Zusage konnte die Bürgermeisterin so schnell zwar nicht geben, aber wer Ben Wagin kennt, ahnt, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Anschließender Kommentar von Angelika Schöttler auf der Rückfahrt ins Rathaus Schöneberg: "Tja, das war ja mal wieder ein aufregender und höchst interessanter Vormittag."


Horst-Dieter Keitel / hdk
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.