Das Kino Toni braucht keinen besonderen Schutz durch die Verwaltung

Manuela Miethe gestaltet seit über 30 Jahren das Programm im Kino Toni. Gemeinsam mit Rainer Hässelbarth, dem Vorsitzenden des Vereins Freunde des Kinos Toni, hofft sie, dass der Kinobetrieb noch lange weitergeht. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Kino Toni |

Weißensee. In absehbarer Zeit wird sich der Regisseur Michael Verhoeven als Eigentümer aus dem Kino Toni am Antonplatz zurückziehen. Aber was passiert danach?

Diese Frage trieb auch die Pankower Verordneten um, als bekannt wurde, dass sich der bisherige Eigentümer aus Altersgründen vom Toni trennen möchte. Deshalb beschlossen sie, dass das Bezirksamt prüfen solle, durch „welche Maßnahmen eine dauerhafte Nutzung des Gebäudes am Antonplatz 1 als Kino gesichert werden kann“. Ein Filmtheater gibt es dort bereits seit 1919. Verhoeven übernahm es Anfang der 90er-Jahre und ließ es später sanieren. 1997 wurde das Kino mit zwei Sälen wiedereröffnet. Es ist eines der wenigen Kiezkinos Berlins, die sich gegenüber der Konkurrenz der Kino-Ketten behaupten konnten. Dafür sorgt seit 30 Jahren auch die Kinochefin Manuela Miethe. Die Kulturwissenschaftlerin organisiert das Programm, eine Mischung aus aktuellen Kinofilmen, Kurzfilmfestivals, Konzerten, Lesungen und politischen Diskussionen.

Das Bezirksamt stellt nach Prüfung der bau- und planungsrechtlichen Situation fest, dass ein Kinobetrieb auch nach einem Eigentümerwechsel weiterhin zulässig ist. Deshalb sei es auch nicht nötig, die Zulässigkeit eines Kinos an diesem Standort in einem Bebauungsplan festzuschreiben. Darüber hinaus befinde sich das Kino im Geltungsbereich der Erhaltungsverordnung „Weißensee Süd“, teilt das Bezirksamt mit. „Ziel der Verordnung ist die Erhaltung der städtebaulichen Eigenart mit ihrem historischen Straßen- und Ortsbild sowie ihrer Nutzung.“ Daraus folge zwar, dass das Gebäude als solches von seinem Erscheinungsbild erhalten bleiben muss, aber „ein zwingender Erhalt der Kino-Nutzung ist aus der Zielstellung der Erhaltungsverordnung nicht ableitbar“.

Das heißt: Im Gebäude kann weiterhin ein Kinobetrieb laufen, aber auch eine andere Nutzung wäre möglich. Eine ausschließliche Nutzung als Kino könne nur gewährleistet werden, wenn in einem Bebauungsplan für diesen Bereich die Zweckbestimmung „Anlage für kulturelle Zwecke“ festgeschrieben würde. Damit würde dann allerdings das Eigentumsrecht eingeschränkt werden, was wiederum Entschädigungsansprüche nach sich ziehen könnte.

Bislang besteht allerdings kein akuter Handlungsbedarf. Denn der bisherige Eigentümer Michael Verhoeven hat nicht vor, den Kinobetrieb aufzugeben. Im Gegenteil: Anlässlich des zehnten Geburtstags des Vereins Freunde des Kino Toni vor einigen Wochen versicherte er, dass er den Weiterbetrieb des Kinos im Kaufvertrag mit einem künftigen Eigentümer festschreiben werde. Es gebe mehrere Interessenten. Gespräche laufen bereits. Vor 2018 werde ein Verkauf jedoch nicht über die Bühne gehen, so Verhoeven. BW
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