Schmankerl im Spiegelzelt: 25 Jahre „Bar jeder Vernunft“

Die Kulisse gehört zur Kunst: In der "Bar jeder Vernunft" stellen Artisten ganz natürlich Nähe her. (Foto: Promo / Xamax)
 
Sie gehören zusammen: Maren Kroymann und ihre Band halten der "Bar jeder Vernunft" die Treue. (Foto: Thomas Schubert)
Berlin: Bar jeder Vernunft |

Wilmersdorf. Geschwister Pfister, Michael Mittermeier, Maren Kroymann – die "Bar jeder Vernunft" half ihnen bei der Karriere. Sie ist eines jener Berliner Provisorien, das seine vermutete Lebenszeit weit überschritten hat. Und selbst ein möglicher Umbau des Quartiers Fasanenplatz dürfte ihr nicht schaden.

Klaus Wowereit war dem Roten Rathaus noch fern, da hatte die „Bar jeder Vernunft“ ihre erste Berg- und Talfahrt schon hinter sich. Klaus Wowereit, inzwischen Ex-Regierender, sitzt heute immer noch gerne in Reichweite der Discokugel, die sich seit 1992 über den Köpfen so vieler Künstler drehte. Und so war es Klaus Wowereit, der am 24. Januar nicht nur mitfeiern durfte beim 25. Geburtstag dieser langlebig-launigen Institution, sondern den Zauber des Spiegelzelts bei einer Laudatio in Worte packte.

Schillernde Kleinkunst

Chanson, Theater, Comedy, Kabarett – schillernde Kleinkunst in genau kalkulierter Mischung trug die „Bar jeder Vernunft" weiter als es ihre Gründer Holger Klotzbach und Lutz Deisinger insgeheim gehofft haben mochten. Seitdem der Musiker Peter Wilmanns mit seinem Jazz-Kabarett-Trio „Ars Vitalis“ 1992 das Premierenprogramm bestritt, hat sich die Zahl von Künstlern, die das Parkdeck an der Schaperstraße erklommen, der Menge der im Zelt hängenden Glühlampen angenähert. Geschwister Pfister, Cora Frost, Max Raabe, Désirée Nick, Georgette Dee, Götz Alsmann, Pigor & Eichhorn, Malediva, Michael Mittermeier, Ina Müller, nicht zu vergessen Maren Kroymann – sie alle spielten dem Zauberzelt ihren Glanz zu. Und bekamen etwas davon zurück.

Dass in der Jugendstilkonstruktion wegen der tragenden Säulen nicht alle der bis zu 280 Zuschauer den freien Blick genießen, verzeihen sie angesichts des Zugewinns an Charme. Kurz nach 1900 in den Niederlanden als „Danse Palais“ für die Seebadeorte angefertigt, setzt dieses Zelt einen Schlüsselreiz für das Gelingen der Shows. „(T)raum ist in der kleinsten Hütte“ heißt es deshalb in einem selbstironischen Hinweis.

Sorge um die Zukunft?

Muss man nicht haben, wenn die politischen Pläne für ein Kulturquartier Fasanenplatz fruchtbar sind. Sie sehen zwar einen Abriss des Parkdecks an der Schaperstraße vor, aber auch einen Ersatzstandort für das Zelt. Mehr noch als die Schwestereinrichtung „Tipi am Kanzleramt“, gegründet im Jahre 2002, steht die „Bar jeder Vernunft“ für kuscheligen Kunstgenuss im Kiez – der seit dem Einbau einer Klimaanlage im Sommer weniger schweißtreibend ist. "Ich möchte Künstlern eine Heimstatt bieten", setzt Geschäftsführer Klotzbach aufs Familiäre.

Nicht zuletzt die Eigenproduktionen wie „Zwei auf einer Bank“ mit Katharina Thalbach und Andreja Schneider sorgten für Applaus bis über die Berliner Stadtgrenzen hinaus. Sie tourten erfolgreich durch andere deutsche Städte.

Zum eigenen Anspruch der „Bar jeder Vernunft“ gehört es, neben etablierten Könnern auch ungeschliffenen Newcomern Entfaltungsraum zu bieten. „Wirkliche Talente, die etwas ganz Neues, Eigenes schaffen, sind rar“, lässt die Bar in ihrem Rundschreiben zum 25. Geburtstag wissen. „Zudem braucht es in einer Stadt wie Berlin, die Kultur im Überangebot bietet, viel Energie, um Medien und Publikum von Neuem zu überzeugen.“ Im Spiegelzelt auf der Parkpalette haben sie nach 25 Jahren noch Energie genug, es weiter zu probieren. tsc
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