Berlin ist reich an Schätzen antiker griechischer Kunst im Alten Museum und im Neuen Museum auf der Museumsinsel
Von Spree-Athen nach Hellas – auf den Spuren der griechischen Antike

Akropolis Athen. Die Koren-Halle des Erechtheion. Die Mädchenfiguren  (Karyatiden) sind Kopien, fünf der Originale befinden sich im Akropolis Museum am Fuße der Akropolis. Die sechste Figur befindet sich im British Museum.
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  • Akropolis Athen. Die Koren-Halle des Erechtheion. Die Mädchenfiguren (Karyatiden) sind Kopien, fünf der Originale befinden sich im Akropolis Museum am Fuße der Akropolis. Die sechste Figur befindet sich im British Museum.
  • Foto: Anne Schäfer-Junker
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In Französisch Buchholz steht die Bronze-Skulptur einer modernen NIKE. Für mich ist sie das schönste Kunstwerk im öffentlichen Raum an der Hauptstraße im historischen Ortskern. Die zeitgenössische Bilderfindung mit bäuerlichen Insignien dieser NIKE wurde 1995 vom Bildhauer Michael Klein geschaffen. Gegossen wurde sie in Schönemark von Horst Borchardt. Sie hält in ihrer Hand eine nach unten zum Auslöschen gerichtete Brandfackel, in der linken Hand alternativ erhoben ein zartes Pflänzchen mit Erdballen als Symbol für keimendes, zu beschützendes Leben. Der in plastischer Schrift nachzulesende Inhalt eines Bibelzitats an der Säule folgt der Aussage, dass Frieden siegen wird.

Im Berliner öffentlichen Raum stehen Skulpturen mit assoziativen Bezügen zu antiken Kunst- und Kultur-Epochen der Griechen. Ihre Geschichte, ihre Landschaften und die Menschen an ihren hellenischen Heimatstandorten kennen zu lernen, kann ich mich in diesem Herbst mit einer Reisegruppe des SPD-ReiseService auf den Flug nach Hellas begeben. Ich war noch nie in Griechenland, einem Sehnsuchtsort seit langem.

In einer Reisegruppe mit Heidrun, einer erfahrenen, geistreich-kommunikativen Begleiterin gelingt in Corona-Zeiten ein glanzvolles Bildungserlebnis. In gut einer Woche durchstreifen wir die Peloponnes mit naturgewaltigen Meeresstränden, unsagbar vielen Bergen und Tälern, Dörfern, Bergdörfern und kleinen Städten. Höhepunkte sind die großen Ausgrabungsstätten auf der Peloponnes, die alle zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören, und deren Steine und Bauten von der großen Mythologie der Griechen erzählen. „Auf den Bergen wohnen die Götter“, ein Spruch der auf dieser Reise ganzheitlich erlebbar wurde.

Erster Höhepunkt der Reise nach 2 Tagen Urlaubsfeeling in Tolo am Argolischen Golf wird Mykene, die großartige Akropolis mit ihren mehrhundertjährigen Bauten, die einer ganzen Epoche – der mykenischen Zeit (16.-11. Jahrhundert) - den Namen gaben: das berühmte Löwentor am Eingang dieser Akropolis des Atreus empfängt uns. Die sagenumwobenen Schliemann-Funde aus dem Schachtgräber-Rund: Gold- und Elfenbein-Schätze, Gesichtsmasken, Göttinnen und Stierköpfe aus den mykenischen Königsgräbern (Mitte 16. Jahrhundert v. Chr.). Diese befinden sich heute alle im Athener Nationalmuseum. Heinrich Schliemann und Mykene, wer hätte davon noch nie gehört?

Einen Tag lang besuchen wir Olympia – das panhellenische Heiligtum, das dem Zeus als Vater der Götter und Menschen geweiht worden war. Hier wurden die olympischen Spiele „erfunden“ am heiligen Hain von Olympia. Das Stadion war für 45.000 Kämpfer und Zuschauer „ausgelegt“, mit Rasenflächen und Wasserkanälen. Die bis in unsere Zeit gewachsene Bedeutung der Olympischen Spiele wird deutlich und in diesem Corona-Jahr wird die Absage weltweit als Verlust gesehen. Auch deshalb ist es ein großes Erlebnis, den Geschichten des sportlichen Wettkampfes und olympischen Geistes an seinem Ursprung zu begegnen. Olympia hat gleich vier Museen, die alle thematisch differenziert, die Geschichte der Archäologie, der antiken olympischen Spiele, der Ausgrabungen und der modernen olympischen Spiele darstellen und reflektieren.

In Epidauros begegnen wir dem Heiligtum des Asklepios – dem Gott der medizinischen Heilkunst und Therapie - im Welterbe-Museum und den Statuen des Asklepios (Kopie der Marmor-Statue) sowie der Artemis, der Athene und der bewaffneten Aphrodite. Das Museum liegt vor einem großartigen Theater, das noch heute bespielt wird. Ein Theater mit einer einzigartigen Akustik.

Die großen Touristenströme gibt es nicht, unsere Gruppe mit Gabriele, Andreas, Brigitta, Grete und Waltraud, Marieanne, Gisa, Sibylle und Wolfgang, Hans, Anita, Ingrid und Waltraud, Sylvia und Georg, wirkt in den spannendsten Momenten der Begehung der Ausgrabungsstätten und Besichtigung antiker Fragmente aus Steinen, Mosaiken und Säulen wie ein streng konzentrisch gebundener Schwarm von Neugierigen, um unsere Erzählerin Amalia herum gruppiert. Kein Sturz, kein Unfall, alle erklommen den Palais von Mykene, durchschritten die Sportstätten von Olympia und saßen im epidaurischen Theater. Erst beim Abendessen im Hotel beginnt aufgeregtes Erzählen und Reflektieren.

Das große Geheimnis von Delphi und seine archäologischen Stätten an einem Berghang mit künstlichen Terrassen besuchen wir auf dem Weg nach Athen. Hier begründete Apollon seinen Kult. Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. verbreitete sich der Ruf des Orakels von Delphi, wo der Gott durch den Mund einer Pythia – die jeweilige Priesterin – sprach. Der apollonische Geist bestimmte viele Jahrhunderte das gesellschaftliche Leben der Griechen. Der Gott des Lichtes, der gerechten Ordnung, der Harmonie und des Maßes, der Musik und der Poesie lehrte durch seinen sozialen Geist den Ausgleich und die Veredelung der Sitten. Das Orakel von Delphi aber scheint verstummt zu sein.

Last but not least: Athen – die Akropolis und das Akropolis Museum am Südhang der Akropolis! Bei strahlendem Sonnenschein und auf, von den vielen tausenden Besuchern glatt polierten Felsen und Schotterwegen erklimmen wir die Akropolis mit den Propyläen, dem Parthenon der Athena, dem Erechtheion und dem Tempel der Athena Nike. Die Geschichte der Akropolis ist in allen ihren Kriegs- und Friedensphasen, in ihrer Baugeschichte und in ihrem Kult einmalig und unerschöpflich. Wie bei allen Heiligtümern finden sich vor Ort gute Beschreibungen, Abbildungen und Architekturzeichnungen. Hier fließen die Touristenströme wieder kräftiger. Auf dem gesamten Areal herrscht „Baubetrieb“. Am Parthenon wird seit ewigen Zeiten gearbeitet, die schöne Cella mit der einstmals vorhandenen, ca. 12 m hohen Goldelfenbein-Statue der Athena-Parthenos, das viel bewunderte Meisterwerk des Phidias, ist nur noch durch einzelne Basen, Säulenschäfte und Reste der Mauern erkennbar. Im 5. Jahrhundert n. Chr. verlieren sich die Spuren der Statue, nachdem sie von Christen nach Konstantinopel gebracht worden sein soll. Später wurde der Parthenon in eine christliche Kirche umgewandelt und auch archäologische Spuren einer Moschee finden sich.

Raub, Zerstörung und Wiederaufbau – auch hier ein großes Thema. Uns erwartet nach dem vorsichtigen Abstieg noch ein großes Erlebnis: das Akropolis-Museum. 1997 war mit den Ausgrabungen am zukünftigen Bauplatz begonnen worden, 2009 wurde dieses großartige Museum nach Entwürfen von Bernhard Tschumi und Michalis Photiadis eröffnet. Die Entwürfe orientierten sich an den Ausgrabungsbefunden. So ist das dritte Obergeschoss mit dem Parthenon-Saal verschränkt gegenüber den beiden anderen Geschossen ausgerichtet, damit eine Parallelität zum antiken Tempel auf dem Akropolishügel den Dialog zwischen den Baudenkmälern und ihrem einstigen Skulpturenschmuck garantiert. Noch in der Amtszeit von Melina Mercouri als griechische Kulturministerin wurde das Museum initiiert und dann, bereits nach ihrem Tod, gebaut. Auch hier hat Athena Nike Göttliches bewirkt, nachdem Griechenland bis 1974 eine faschistische Diktatur war.
Amalia, unsere Begleiterin in Hellas hat den Stolz des griechischen Volkes auf seine Heiligtümer tiefgründig und vollendet bezaubernd vermittelt.

Die Schönheit der Bauten und Skulpturen auf der Spreeinsel erscheinen im neuen Licht vor der so erlebten Gegenwart in Hellas. Das unveränderliche Grundprinzip der griechischen Kunst - das Trachten nach Ausgewogenheit und Maß - galt auch vielen großen Architekten und Bildhauern des 19. und 20. Jahrhunderts in Europa als Credo. An den originalen Schauplätzen ist es tief erlebbar.

Spree-Athen, also Berlin, hat – neben Französisch Buchholz - mindestens noch sechs weitere NIKEn.
Zum ersten die auf der dreibogigen, denkmalgeschützten Schloßbrücke von Karl Friedrich Schinkel über den Spreekanal (Museumsinsel, Humboldt Forum, Altes Museum und Zeughaus), wo sieben der acht Marmorskulpturen mit NIKE und Athena als Schutzgöttinnen eines jungen Helden den Mythos idealisch symbolisieren: drei Skulpturen davon stellen die NIKE als Siegesgöttin dar. Die Skulpturen wurden geschaffen von Bildhauern des 19. Jahrhunderts – A. und E. Wolff, Schievelbein, Möller, Drake, Wichmann, Blaeser.
Zum zweiten: die Deutsche Nike von Willy Möller im Olympiastadion.
Zum dritten: die Bronzeskulptur der NIKE´89 des Bildhauers Wieland Förster an der Glienicker Brücke Potsdam, die am 10. November 1999 feierlich enthüllt wurde und an der Brücke der Deutschen Einheit steht.

Anne Schäfer-Junker, Berlin (anne.junker@gmx.de )

Autor:

Anne Schäfer-Junker aus Französisch Buchholz

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