Es lebe die Schallplatte
Zwei Enthusiasten gründeten vor vier Jahren ein Plattenpresswerk

Max Gössler (links) hält das fertige Produkt in den Händen. Alexander Terboven zeigt den Vinyl-Klumpen, aus dem die orangefarbene Schallplatte gepresst wird.
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  • Max Gössler (links) hält das fertige Produkt in den Händen. Alexander Terboven zeigt den Vinyl-Klumpen, aus dem die orangefarbene Schallplatte gepresst wird.
  • Foto: K. Rabe
  • hochgeladen von Karla Rabe

Sie war schon tot gesagt, die gute alte Schallplatte. Doch seit ein paar Jahren ist Vinyl wieder stark im Kommen – trotz CD, digitalen Musikplattformen und Streamingdiensten. Max Gössler und Alexander Terboven haben immer an die Vinylscheiben geglaubt. Vor zwei Jahren haben sie ein Plattenpresswerk gegründet.

Das kleine Presswerk mit Namen „intakt“ (www.intakt-vinyl.com/) befindet sich an der Grenze zwischen Marienfelde und Lankwitz. Im Durchschnitt werden an normalen Tagen 1000 Platten gepresst. „Es können aber auch schon mal 1600 Platten sein“, sagt Max Gössler. Der 36-Jährige kommt aus dem Bereich der elektronischen Musik, legt als DJ selbst Platten auf und hat ein eigenes Plattenlabel. Er weiß, wie schwer es ist, die eigene Musik auf Vinyl zu veröffentlichen.

Als er gemeinsam mit seinem Bruder eine Platte anlässlich eines Musikfestivals herausbringen wollte, scheiterte das an der langen Wartezeit. Das beauftragte Presswerk schaffte den Termin nicht und die Platten konnten nicht rechtzeitig geliefert werden. „Das war sehr ärgerlich“, sagt Gössler. Aber dadurch hat er erkannt, dass der Bedarf in Sachen Vinyl-Schallplatten-Produktion offenbar groß ist. Kleinere Label oder alternative Musiker hätten große Probleme, aufgrund der viel zu geringen Produktionskapazitäten ihre Projekte zeitnah auf Vinyl zu veröffentlichen. „Das wollten wir ändern“, sagt Max Gössler.

Vom Maschinenbau zum Plattenpressen

Mit seinem Freund Alexander Terboven hatte er vor vier Jahren die Idee für ein eigenes Plattenpresswerk. Terboven ist Maschinenbauingenieur und bringt die technischen Voraussetzungen mit. Bis zur ersten Platte dauerte es dann doch noch einmal fast zwei Jahre. Von der Finanzierung über den Bau der modernen Anlage bis hin zum Produktionsstart war es ein harter Weg.

Ostern 2017 war es dann soweit: Die erste Platte kam aus der Presse. Der erste Auftrag kam von einem Techno-DJ, der unter anderem im Berghain auflegt. „Er gehört immer noch zu unseren Kunden und lässt pro Auftrag im Durchschnitt 500 Platten pressen“, sagt Gössler. Aber auch kleinere Auflagen können bei „intakt!“ in Auftrag gegeben werden. Das kann auch eine Platte mit Liebesliedern sein, die die Gäste einer Silberhochzeit als Erinnerung bekommen. Auch Rockbands lassen ihre Platten in Lankwitz pressen, die dann auf Konzerttouren an die Fans verkauft werden. Aber auch Platten mit Jazz, Klassik, Blues kommen hier aus der Presse. Einer der prominentesten Kunden ist der Musiker Olli Schulz.

Doch fast die Hälfte aller Aufträge kommen aus dem Bereich der elektronischen oder Techno-Musik, gefolgt von HipHop. „Hier hat die Schallplatte noch einen hohen Stellenwert. Insbesondere die Techno-Szene hat die Schallplatte gerettet. Für die DJs ist Vinyl unabdingbar. Es geht nicht ohne“, betont Gössler.

75 000 Tonträger dieses Jahr

Zwei Jahre nach dem Start können Gössler und Terboven zufrieden sein. In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben sie 75 000 Platten gepresst. „Dieses Ziel haben wir deutlich früher erreicht als geplant“, freut sich Gössler. Als Grund für den Erfolg nennt er die hohe Präzision, mit der das inzwischen zehnköpfige Team arbeitet, aber auch den besonderen Service und den persönlichen Kontakt zu den Kunden.

„Wir sind auch in der Lage Spezialaufträge auszuführen beispielsweise für farbiges Vinyl“, erklärt Gössler. Zwölf verschiedene Farben können standardmäßig hergestellt werden. Von Rot über Silber bis hin zu Himmelblau ist alles möglich. Auch sogenannter Splatter-Vinyl und marmoriertes Vinyl ist möglich. Dabei werden die Klumpen aus dem farbigen vorgeschmolzenem Granulat mit andersfarbigem Granulat wie ein Schnitzel paniert, bevor es in die Presse kommt. So wird jede einzelne Schallplatte zu einem Unikat.

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