Schülerinnen und Schüler erinnern an Zwangsarbeiter

Corinna Tell (links) vom Stadtentwicklungsamt und Mareen Maaß vom Verein "Denk mal an Berlin" mit dem Materialkoffer.
  • Corinna Tell (links) vom Stadtentwicklungsamt und Mareen Maaß vom Verein "Denk mal an Berlin" mit dem Materialkoffer.
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Rudow. Fotos, Briefe, Stacheldraht, ein Lageplan, Aufnäher, Karten mit Zitaten, Fragen und Informationen. Das alles findet sich im "Materialkoffer Zwangsarbeit", der kürzlich im Museum Neukölln präsentiert wurde und den Schulen dort ausleihen können.

Den Anstoß zu diesem Projekt gab der geplante Umzug der Clay-Oberschule auf das ehemalige Eternit-Grundstück. Die Schule mit ihren 1100 Kindern und Jugendlichen muss sich seit 25 Jahren mit Containerbauten am Bildhauerweg behelfen. Ihr ursprüngliches Gebäude an der Lipschitzallee musste sie wegen Asbestverseuchung verlassen. Jetzt endlich ist die Finanzierung eines Neubaus gesichert, der 2019 fertig sein soll. Der Standort: das Areal zwischen Neudecker Weg, August-Fröhlich- und Köpenicker Straße.

"Vor drei Jahren wurde bekannt, dass es hier im Zweiten Weltkrieg ein Lager für Zwangsarbeiter gab und eine Wirtschaftsbaracke noch steht", berichtet Museumsleiter Udo Gößwald. Nach langem Hin und Her erlaubte das Landesdenkmalamt, die Baracke abzureißen - auch weil der Bau mit Schadstoffen belastet ist. Im Gegenzug verpflichtete sich das Bezirksamt, archäologische Grabungen, den Abriss und dessen Dokumentation zu bezahlen.

Außerdem wollte man für ein angemessenes Gedenken sorgen. In diesem Zusammenhang entstand die Idee für den Materialkoffer. Aufgerufen vom Verein "Denk mal an Berlin" beschäftigten sich Zehntklässler der Clay-Schule eine Woche lang mit dem Thema Zwangsarbeit und redeten auch beim Inhalt des Koffers mit, den Mareen Maaß vom Verein und Corinna Tell vom Stadtentwicklungsamt zusammengestellt hatten.

"Sechs Themenbereiche finden sich im Koffer wieder: Arbeit, Rassenideologie, Alltag, Ernährung und Hygiene, Luftschutz und Selbstbehauptung", erklärt Mareen Maaß. Sie zeigt ein Stück Stacheldraht und verrostete Nägel, Originalstücke aus dem KZ-Außenlager am Columbiadamm, und ein winziges Stück Seife, mit dem ein Zwangsarbeiter drei Monate lang auskommen musste. Auf einem Foto ist ein "Russenbrot" zu sehen. Die Bestandteile: 50 Prozent Roggenschrot, 20 Prozent Zuckerrübenschnitzel, 20 Prozent Holzmehl, 10 Prozent Strohmehl oder Laub - empfohlen vom Reichsernährungsministerium.

Schlecht ging es allen Zwangsarbeitern, den "Ostarbeitern" und den russischen Kriegsgefangenen aber besonders schlecht. Sie mussten ein besonders Kennzeichen an der Brust tragen, ein weißes "Ost" auf blauem Grund, ein "Normalarbeiter" bekam nur halb so viel Fleisch am Tag wie sein Kollege aus einem westlichen Land. Wurden Ostarbeiterinnen und -arbeiter beim Geschlechtsverkehr erwischt, kamen sie sofort ins KZ.

Zwangsarbeit ist kein Randthema. "Insgesamt wurden 26 Millionen Personen verhaftet und verschleppt. In Berlin gab es eine halbe Million Zwangsarbeiter und etwa 3000 Lager, davon rund 40 in Neukölln", sagt Udo Gößwald. Eingesetzt wurden die Arbeiter in vielen Betrieben. Die Rudower Lagerinsassen schufteten in zwölf Firmen, unter anderem bei Eternit und AEG.

Es gibt drei Exemplare des Materialkoffers, inklusive Begleitheft und pädagogischen Konzepten für Projektstunden, -tage oder -wochen.

Die Koffer können beim Museum Neukölln ausgeliehen werden, 627 27 77 27, E-Mail: info@museum-neukoelln.de.
Susanne Schilp / susch
Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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