Bungalow in steiler Hanglage am Wasser
Das Landhaus von Bruno Ahrends ist Denkmal des Monats August

Das Landhaus Am Großen Wannsee 6 baute Bruno Ahrends ab 1921 für seine Familie am Hang direkt am Wasser.
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  • Das Landhaus Am Großen Wannsee 6 baute Bruno Ahrends ab 1921 für seine Familie am Hang direkt am Wasser.
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  • hochgeladen von Ulrike Martin

In der Weimarer Republik war Bruno Ahrends (1878-1948) einer der wichtigsten Architekten Berlins. Wie Bruno Taut, Otto Rudolf Salvisberg, Hugo Häring und Wilhelm Büning prägte er den Wohnungsbau maßgeblich. Er war ein Vertreter des Neuen Bauens. Am Großen Wannsee 6 errichtete Ahrends ab 1921 ein Landhaus für sich und seine Familie. Dieses Haus ist Denkmal des Monats August 2018.

Der Bau in steiler Hanglage kann als frühes Beispiel eines Bungalows gesehen werden, kombiniert mit flachen Satteldächern. In Nordsüdrichtung erstreckt sich der Kernbau mit einem Kaminzimmer zum Wannsee. Zum Ufer hin ist das Gebäude zweigeschossig. Ab 1925 gab es eine Erweiterung in Richtung Osten. Kurze Zeit später kam in Richtung Süden ein schmaler Küchen- und Wirtschaftstrakt hinzu, der den Hof flankiert.

1936 wechselte das Haus in das Eigentum des Ingenieurs Viktor Theodor Bausch. Auch später gab es mehrere Besitzerwechsel, das Haus gehörte in den 1950er-Jahren einem Autohändler aus Charlottenburg. Die letzte Eigentümerin starb ohne Erben, das Amtsgericht übertrug das Anwesen 2011 einem Nachlassverwalter. Der neuen Eigentümerin gelang es, das Haus, das durch einen Rohrbruch stark beschädigt war, mit Hilfe des Architekten Axel Weilandt, wieder zu einem kleinen Schmuckstück am Wannsee zu machen.

Bruno Ahrends, als Bruno Arons in Kapstadt in Südafrika geboren, war der älteste Sohn des Berliner Bankiers Barthold Arons. Er wuchs in der Villa Arons in der Colonie Alsen am Wannsee auf. 1904 konvertierte er vom Juden- zum Christentum und änderte seinen Namen in Ahrends. Verheiratet war er mit Johanna Springer, der Enkelin des Verlegers Julius Springer. Das Paar bekam eine Tochter und drei Söhne.

Ahrends studierte Architektur, absolvierte danach das Zweite Staatsexamen zum Regierungsbaumeister. Später ließ er sich als selbstständiger Architekt in Berlin nieder und hatte ein gemeinsames Büro mit Büning und Salvisberg.

1938 floh er vor den Nazis, die ihn mit Berufsverbot belegten, nach Italien, ging später nach England, wo er in ein Internierungslager geriet. 1948 konnte er zu seinen Söhnen in Kapstadt emigrieren. Dort starb er gleich nach der Ankunft.

Sein erstes eigenständiges Bauprojekt war 1911/12 ein Wohnhaus für seine Familie in der Miquelstraße 66-68 in Dahlem – heute ist es die Dienstvilla des Bundespräsidenten.

Nach dem Ersten Weltkrieg war der Architekt für zahlreiche Wohnbauprojekte verantwortlich, darunter den Wohnblock Scharfestraße in Zehlendorf, die Wohnanlage Forststraße in Steglitz, oder die Großsiedlung Weiße Stadt in Reinickendorf, heute Weltkulturerbe. In Wannsee entwarf Ahrends das Pfarrhaus im Schuchardtweg, das Säuglingsheim Alsenstraße für den Verein Kinderhort und ein Haus im Wachtelweg 4, errichtet als Dienstgebäude für die Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem.

Ahrends architektonischer Stil umfasste sowohl eine traditionelle als auch eine für die damalige Zeit sehr moderne Formensprache. Waren seine Entwürfe anfangs noch expressionistisch geprägt, reduzierte er später die Baukörper immer weiter, verzichtete auf Ornamentik, favorisierte Flachdächer und einfache Bauten in Kubus-Form. Viele seiner Häuser stehen unter Denkmalschutz.

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