Erholungspunkt am Stölpchensee
Stele für den Kinopionier Karl Wolffsohn

Ein Naherholungspunkt mit einer Stele für Karl Wolffsohn soll am Ufer des Stölpchensees entstehen.
  • Ein Naherholungspunkt mit einer Stele für Karl Wolffsohn soll am Ufer des Stölpchensees entstehen.
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Am südöstlichen Ufer des Stölpchensees soll ein informativer Naherholungspunkt entstehen. Ein entsprechender Antrag der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung wurde beschlossen.

Das Areal soll durch einen Weg erschlossen werden und eine Plattform umfassen, die einen Blick über den See bietet. Mindestens eine Sitzbank soll aufgestellt werden. Angestrebt ist, eine Stele zu errichten, die auf den jüdischen Theater- und Kinopionier Karl Wolffsohn (1881-1957) hinweist. Ihm gehörte das Grundstück am Südostufer des Sees.

Erste deutsche Filmillustrierte

Wolffsohn gründete 1908 in Berlin das Verlagshaus Lichtbild-Bühne in der Friedrichstraße 225. Die Lichtbild-Bühne, ein „Fachorgan für das Interessengebiet der kinematographischen Theaterpraxis“, war die erste deutsche Filmillustrierte. Bedeutend wurde die Zeitschrift, die sich an Kinobetreiber, Verleiher und Produzenten richtete, durch eine Serie von Filmkritiken. Sie waren die ersten in der Geschichte der deutschen Publizistik. Bereits 1933 wurde Wolffsohn jedoch aus seinem Verlag verdrängt.

Mitbegründer und Eigentümer an den berühmten Varieté-Theatern Scala und Plaza in Berlin wurde Wolffsohn 1919. Das Scala in der Lutherstraße, der heutigen Martin-Luther-Straße in Schöneberg, wurde international bekannt. Dort trat Clown Grock auf, und die hauseigene Tanztruppe Scala-Girls sorgte spärlich kostümiert für Aufsehen. 1943 wurde das Theater weitgehend zerstört und später abgetragen. Seit den 1970er-Jahren schließt ein Zweckbau die Lücke in der Straßenfront.

Vermögen von Wolffsohn
wurde arisiert

Das Plaza wurde wegen seiner großen Anzahl an Sitzplätzen auch „Theater der 3000“ genannt. Es war eines der ersten Volksvarietés, da es gezielt auf die Arbeiterschaft ausgerichtet war. Der Standort war im ehemaligen Ostbahnhof in Friedrichshain, Küstriner Platz 11, dem heutigen Franz-Mehring-Platz 1. In der Schlacht um Berlin 1945 wurde das Scala zur Ruine, ab 1952 erfolgte der Abriss.

Ab 1928 betrieb Wolffsohn die Lichtburg in Essen, ein Kino, das noch heute existiert und mit 1250 Plätzen über den größten Kinosaal Deutschlands verfügt. Nach der Arisierung 1934 musste Wolffsohn das Gebäude weit unter Wert verkaufen.

1931 wurde er Pächter und Betreiber der Lichtburg in Berlin in der Behmstraße in Gesundbrunnen. Sie beherbergte ein Kino mit 2000 Plätzen sowie Tanz- und Festsäle, Restaurants, Bars Café und Vereinszimmer. 1937 erwarb Wolffsohn die Gartenstadt Atlantic, auf deren Areal sich die Lichtburg befand. Auch sie wurde im Jahr 1939 arisiert. Heute befindet sich am ehemaligen Standort eine Skulptur, die an den 1970 abgerissenen Gebäudekomplex erinnert.

Wolffsohn befand sich von August 1938 bis März 1939 in „Schutzhaft“. Nach der Entlassung floh er mit seiner Frau Recha nach Palästina. 1949 kehrte er nach Deutschland zurück und wollte die durch die Nationalsozialisten enteigneten Immobilien zurück haben. Dies gelang nur teilweise, für die unter Nötigung verkaufte Essener Lichtburg gab es keine Entschädigung. Die Prozesse zogen sich bis 1962 hin. Wolffsohn starb am 6. Dezember 1957 in Berlin.

Autor:

Ulrike Martin aus Zehlendorf

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