Heinrich-Schulz-Bibliothek nach Umbau wiedereröffnet

Jetzt finden Besucher auch die Bestände der Musikbibliothek und können sich am E-Piano ausprobieren. Hier versucht sich Lara Decker am Flohwalzer. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Platz für Noten, wohnlichere Flächen für Zeitungsleser und bessere Klimatisierung für kühle Köpfe: Im Rathaus Charlottenburg lässt es sich nach einer wochenlangen Erneuerung der Bücherei endlich genussvoll schmökern. Dabei hieß es vor nicht allzu langer Zeit, das Angebot solle von hier verschwinden.

Wer Bücher mag, muss leiden - das war bisher ein unausgesprochener Konsens unter denen, die in der Heinrich-Schulz-Bibliothek nach Lesefutter suchten. Das laute Schnaufen des Automaten zur Medienrückgabe, die gebeugten Köpfe an den wenigen Tischen, umweht von stickiger Luft, das brechend volle Hinterstübchen für Zeitungsleser. Vorbei.

Pünktlich zum Ende der Sommerferien präsentierte Kulturstadträtin Dagmar König (CDU) nun das Ergebnis des Umbaus. Rund 80 000 Euro nahm der Bezirk in die Hand und sorgte damit für einen Flächenzugewinn von 100 Quadratmetern und somit mehr Raum für Arbeitstische und Internetplätze. 100 000 Medien stehen unterm Rathausturm zur Wahl. Und Zeitungen liest man jetzt in einem neuen Bereich bei Tageslicht. Auch unter optischen Aspekten wirkt die gewölbeartige Bücherstube jetzt weitaus reizvoller. "Es ist uns gelungen, die ursprüngliche Architektur dieser Halle noch deutlicher zur Geltung zu bringen", erklärt König das Werk. Für die hellere und freundlichere Gestaltung habe man Vorschläge von Beschäftigten, Denkmalbeiratsmitgliedern und BVV-Politikern zugrunde gelegt.

Die wesentlichste Neuerung wiederum rief den Vorsitzenden des Landesmusikrates auf den Plan. Hubert Kolland durchschnitt gemeinsam mit König das Band zur neu eingegliederten Musikbibliothek. Aus seiner Sicht ist die Sammlung ein Stück Charlottenburger Bürgerstolz. Ein über 100 Jahre altes "Juwel", das es zu pflegen gilt. Er sei froh, dass die Bestände nicht in einem unzugänglichen Magazin verschwinden, sondern für die Öffentlichkeit direkt erfahrbar werden. "Musik ist nicht einfach verschiebbar", erteilt Kolland Spargedanken in seinem kulturellen Bereich eine Absage. Nun lässt sie sich sogar an Ort und Stelle "ausprobieren" - ein E-Piano steht eigens dafür bereit. Wer hätte das gedacht? Die ernste, alte Schmökerstube ist jetzt ein Ort für Melodien.

Bei aller Freude über diese Neuerungen macht König keinen Hehl daraus, dass ursprünglich die Einrichtung einer modernen Zentralbibliothek auf angemieteten Flächen ihre liebste Lösung gewesen wäre. Ein Plan, den die rot-grüne Mehrheit in der BVV aber missbilligte, so dass die Heinrich-Schulz-Bibliothek als Hauptfiliale der sieben Bibliotheken des Bezirks im Rathaus verblieb.

"Auf der Kippe steht keine", stellt König, angesprochen auf die unklare Situation der Filiale am Halemweg, klar. "Weil wir das gewohnte Angebot künftig personell nicht mehr abdecken können, werden wir uns aber Gedanken machen müssen." Gemeint ist die Einbeziehung von Ehrenamtlichen und freien Trägern. Eines ist für König definitiv klar: "Ein Schließung wird es mit mir nicht geben."


Thomas Schubert / tsc
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