Nach der Trennung vom Rathaus Wilmersdorf zieht der Bezirk Bilanz

Warten auf neue Nutzer: Im Rathaus Wilmersdorf gingen zum Jahreswechsel die Lichter aus. Und sie bleiben wohl zwei Jahre dunkel. (Foto: Schubert)

Wilmersdorf. Fast drei Jahre nach dem Beschluss ist die City West um ein Dienstgebäude - und eine Sorge - ärmer. Das Stühlerücken mit 1000 Beschäftigten kostete 7 Millionen Euro, bringt aber eine dauernde Ersparnis. Und Anfragen von Nachahmern.

Scharf rechnen, Kosten senken, auf engem Raum zusammenrücken, um dem Bürger Angebotskürzungen zu ersparen. Diese Vorgaben einzuhalten, das ist dem Bezirksamt geglückt, obwohl im vergangenen Sommer ein Chaos drohte. Der Leerzug des Rathauses Wilmersdorf, es war ein "Mammutprojekt". Das sagt Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) inzwischen nicht mehr voller Sorge, sondern mit Stolz. Seit Silvester sind die Tore zu. Keinen Tag zu früh.

Dass Naumann und die BVV im Rathaus Charlottenburg sitzen, ist ein kleines Zugeständnis ans Gemüt. Wäre es nach nackten Zahlen gegangen, hätte man den stolzen, aber ineffizienten Altbau an der Otto-Suhr-Allee räumen müssen.

Rathaus war ein Opfer

So oder so. Es war ein Opfer, um dafür einen "Totalkahlschlag" bei sozialen und kulturellen Angeboten verhindern, wie Naumann betont. 500 Mitarbeiter aus dem mit 15.000 Quadratmeter größten Bürogebäude in zwei kleineren zu verteilen und dabei die Kosten um 25 Prozent zu senken - ein Kraftakt mit Vorbildwirkung. "Andere Kommunen fragen inzwischen bei uns an, wie wir das geschafft haben", sagt der Bürgermeister. Laut Immobilienstadträtin Dagmar König (CDU) ergeben sich neben der Ersparnis weitere Vorteile. Denn der Umzugsprozess bewirkte auch die Eröffnung eines modernen Volkshochschulstandorts in der Prinzregentenstraße. Und die vorausgesagte Ersparnis von jährlich 2,5 Millionen Euro ist laut König nur "eine vorsichtige Schätzung". Wenn es gut läuft, rechnet sich der Rathauswegfall in weniger als drei Jahren. Mit der Rückzahlung eines 3 Millionen Euro schweren Darlehens an den Senat, das den Umzug erst möglich machte, habe man zehn Jahre Zeit.

Am Fehrbelliner Platz beginnen nun Umbauarbeiten, sodass Sven Lemiss vom Berliner Immobilienmanagement (BIM) hier voraussichtlich 2017 neue Nutzer einquartieren kann. Eine Pause, die man in diesem Ausmaß nicht erwarten würde, wenn man die hektische Räumung zugrunde legt.

Als Ausweichflächen gebraucht

Zunächst aber steht eine Übergangslösung im Programm, die eine Problemlage in der Nachbarschaft zu entzerren hilft. Denn im Hochhaus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt an der Württembergischen Straße steht ebenfalls eine komplette Sanierung bevor, wodurch das Arbeiten dort teilweise unmöglich wird. Eine Ausweichfläche finden die jeweils betroffenen Mitarbeiter 2017 und 2018 im vorderen Teil des nahe gelegenen Rathauses Wilmersdorf. Es entsteht laut Sven Lemiss eine "Drehscheibe" - oder eine "Umzugsoase", wie Bürgermeister Naumann sich ausdrückt.

Dauerhaft einziehen wird ab 2017 der Landesrechnungshof, derzeit noch ansässig in einem baufälligen Haus an der Urania. Er beansprucht künftig die hinteren Teile des "Weißen Hauses", während die Endnutzung im vorderen Bereich ab 2020 dem Landesarbeitsgericht vorbehalten bleibt.

Als Flüchtlingsheim ungeeignet

Nun könnte man meinen, in Zeiten, da Hunderte Flüchtlinge in Turnhallen schlafen müssen, wäre das zwischenzeitlich leere Dienstgebäude eine Alternative. Lemiss jedoch hält das verwinkelte Gebäude für ungeeignet und äußert auch Sicherheitsbedenken. Und so werden die Fenster eine ganze Weile dunkel bleiben.

Was vom Rathaus Wilmersdorf vorerst noch übrig bleibt, ist der hinterleuchtete Schriftzug über der Pforte. An dem Tag, wenn der Hausmeister es abmontiert, ist das kommunalpolitische Kapitel der Geschichte auch in dieser Hinsicht vorbei.


Thomas Schubert / tsc
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