"Der große Run kommt noch": Kältehilfe muss wachsende Anforderungen meistern

Von Matthias Vogel


Wenn es kalt wird, entfaltet die Kälte- und Obdachlosenhilfe ihre ganze Power. Der Bezirk scheint gerüstet, aber die Anforderungen an die karitativen Einrichtungen wachsen.

Im Bezirk ist das Angebot beinahe so umfänglich wie im vergangenen Winter. „40 Übernachtungsplätze in der Arcostraße fallen weg“, sagt Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU), dort habe die Wohnungsbaugesellschaft der Kälte- und Obdachlosenhilfe eine Absage erteilt. „Sehr bedauerlich“, sagt er, zumal die Zahl der Obdachlosen gestiegen sei. „Unsere Statistiken bestätigen das“, sagt Peter Kurenbach vom Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf. Er wacht in Neu-Westend über die Organisation im Nachtcafé, wo seit dem 1. November immer von Sonntag auf Montag 30 Matten für Wohnungslose ausgelegt werden. „Von Anfang an voll belegt.“ Und seit Mitte November sei auch die Suppenküche am Lietzensee, Herbartstraße 4, ausgelastet. Kurenbach hat einen verstärkten Zuzug von Sinti und Roma aus Osteuropa, Armut im Alter und eine Art innerdeutsche Obdachlosen-Wanderung als Ursachen ausgemacht. „Betroffene in anderen Städten nehmen an, in Berlin seien die Sozialleistungen besser und machen sich auf den Weg. Wir haben viele Kunden aus Hamburg.“

Einen ähnlichen Trend vermeldet Brigitte Minke, die für den Malteser Hilfsdienst ehrenamtlich die Suppenküche in Alt-Lietzow 33 schmeißt: „Zu 80 bis 85 Prozent kommen Menschen aus Osteuropa zu uns.“ Bislang sei es noch ruhig, „der große Run kommt erst noch.“ Besorgt ist sie dennoch: „Wenn Menschen aus den EU-Ländern Bulgarien, Rumänien und Polen zu uns kommen, weil es ihnen dort noch dreckiger geht, dann stimmt etwas nicht. Der Politik in diesen Ländern muss auf die Zehen gestiegen werden.“ Apropos Unstimmigkeit: "Manche, zumeist ältere Bürger müssen überlegen, ob sie ihre Miete zahlen oder Essen kaufen", berichtet Kurenbach. An die lokale Politik richtet sich dieser Appell: „Frauen, die auf der Straße leben, sind häufig Gewalt ausgesetzt, hier braucht es mehr geschützten Raum." Das bezirkliche Engagement ging bereits in diese Richtung. „Seit April 2016 stehen 19 Plätze zur Verfügung, das wird sehr gut angenommen", sagt Engelmann.

Wie den künftigen Herausforderungen begegnet werden kann, darüber werde auf Landesebene gerade gebrütet, sagt der CDU-Stadtrat.
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