Verträgt die City West noch mehr Shopping?

Was bringt die Zukunft? Peter-Michael Riedel von der IG Kurfürstendamm und Handelsverbands-Geschäftsführer Nils Busch-Petersen sprachen Klartext. (Foto: Thomas Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Städtereisende als Rückgrat des Hauptstadt-Shoppings. Und die Digitalisierung als Prüfstein: Nils Busch-Petersen beschrieb auf Einladung der Interessengemeinschaft Kurfürstendamm die Zukunft großer und kleiner Geschäftsstraßen.

Kläglich blass sind sie, die Farben im Atlas der Kaufkraft. Denn mit Ausnahme von Potsdam bleibt das Potenzial zum Geldausgeben in Berlin und Brandenburg noch immer klar hinter dem Bundesdurchschnitt zurück. Und nicht einmal die Einzelhandelsfläche pro Kopf hat 25 Jahre nach der Einheit das andernorts übliche Niveau erreicht – 67 Einkaufszentren und 4,4 Millionen Quadratmetern voller Regale zum Trotz. Dies ist die Ausgangslage, vor der Nils Busch-Petersen als Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin Brandenburg nun im Hotel Kempinski beim aktuellen Ku'damm-Gespräch mit Gastgeber Peter-Michael Riedel die Zukunftsaussichten für den Boulevard beschrieb. Und der Grundtenor lässt sich auch auf andere Geschäftsstraßen übertragen, wo Händler fragen, wie sie die Zukunft gestalten sollen.

Digitalisierung ändert den klassischen Handel

„Das Steak ist kein Buch. Die Banane ist keine CD. Und Läden sind Mittelalter?“ Mit diesem Ausspruch entblößte Busch-Petersen zum einen den weiter vorhandenen Irrglauben, die Digitalisierung werde sich auf einige wenige Handelsbereiche beschränken. Zum anderen den Zweifel, wie viel von der klassischen Geschäftsstraße noch übrig bleibt, angesichts des Wachstums von Online-Riesen. „Digitalisierung wird den stationären Handel radikal ändern“, ist der Experte überzeugt. „Die Top-Lagen wie der Ku'damm bleiben top. Einfache Lagen geraten ins Schlingern“, lautet seine Prognose. „Am meisten gefährdet ist aber der mittlere Bereich.“

Online und Offline verzahnen

Voraussetzung für den Erfolg in allen Fällen: „Die Verzahnung von online und offline.“ Bereits in zwei Jahren rechnet Busch-Petersen mit Bezahlmöglichkeiten via Smartphone. Und außerdem werde es selbstverständlich sein, dass die Mobilgeräte Kunden auf Angebote aufmerksam machen, sobald sie in Reichweite des Schaufensters kommen. Was den Absatz in Berlin steigen lässt, ist erstens der Tourismus. Und zweitens der Handel aus der Stadt heraus – über Online-Shops.

Verkaufen via Internet und die Nutzung der Reiselust, das sind aus Sicht von Nils Busch-Petersen also Garanten für stabilen Absatz. Aber im Hier und Jetzt, fordert er, müsse die Politik aufhören, kleinere Händler zu gängeln.

„Schluss mit Zollstöcken“, sagt er mit Blick auf Einschränkungen bei der Mitbenutzung von Bürgersteigen. Man brauche örtliche Händler zur Wahrung der Attraktivität einer Stadt. Im Vergleich mit anderen deutschen Metropolen punkten Berlins Einkaufsmeilen vor allem mit kulturellen und gastronomischen Reizen. Wo es im Vergleich zu München, Hamburg und Köln noch hapert? In Sachen Freundlichkeit, Fremdsprachenkenntnissen, Sauberkeit und Sicherheitsempfinden.

Einheitlichkeit wichtiger als Länge

Wie sich lange Ladenöffnungszeiten aufs Geschäft auswirken? Nach Erkenntnissen von Peter Michael-Riedel von der Ku'damm-Interessengemeinschaft geht Einheitlichkeit vor Länge. Touristen wüssten oft nicht, welcher Laden früh schließt und welcher seine Türen bis in die Nacht offen hält. Eine Umfrageergebnis, das Busch-Petersen bestätigen kann. Und auf Riedels Frage, inwiefern die City West weitere Shopping-Passagen verträgt – zum Beispiel im Fall einer Modernisierung des Ku'damm-Karrees –, gibt sich der Handelsexperte gelassen, wenn er sagt: „In diesem Teil der Stadt ist Einzelhandel in großen Dimensionen möglich und erwünscht.“ Steigende Löhne und fallende Sparquote sorgten 2014 schließlich im Verbandsgebiet für 14,78 Millionen Euro Umsatz – so viel wie seit dem Boom Anfang der 90er nicht mehr. tsc
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