Wo kommen neue Wohnungen her, Frau Lompscher? Senatorin bei einer Veranstaltung der Caritas

Katrin Lompscher (links) zusammen mit Ulrike Kostka, Direktorin der Caritas, und Christian Thomes. Gastgeber und Gast setzten bisweilen unterschiedliche Akzente. (Foto: Thomas Frey)
 
Neubauten, aber auch den Erhalt der Quartiere sind die Leitlinien der Stadtentwicklungssenatorin. Beides ist nicht immer einfach unter einen Hut zu bringen. (Foto: Thomas Frey)

Kreuzberg. Wohnungen in Berlin sind im wahrsten Sinne des Wortes ein teures Gut, denn erst recht im bezahlbaren Segment herrscht Mangelware. Das ist auch der zuständigen Senatorin nicht unbekannt.

Katrin Lompscher (Linke) stellte sich am 6. November im Aufbau-Haus an der Prinzenstraße einem sogenannten Werkstattgespräch der Caritas, bei dem dieses Thema im Mittelpunkt stand. Aber es ging auch um Teilhabe bei der Stadtplanung, und der katholische Sozialträger als Veranstalter wollte zudem eine eigene Botschaft vermitteln.

Die Gretchenfrage. Also, wo kommen die Wohnungen her? Die Senatorin nennt zunächst die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften. Deren Gesamtbestand soll sich von aktuell rund 300 000 Objekten auf 400 000 in den kommenden zehn Jahren erhöhen. Neubauten sind in diese Steigerungsrate ebenso eingerechnet wie Zukäufe. Auch Genossenschaften spielen in ihrem Konzept als Wohnungsanbieter eine wichtige Rolle. Gleichzeitig betont Katrin Lompscher den sozialen Erhalt der Quartiere. Es müsse auch in Zukunft Menschen unterschiedlicher Einkommensgruppen möglich sein, in nahezu allen Kiezen zu leben. Gerade das wäre noch ein Alleinstellungsmerkmal Berlins gegenüber anderen Metropolen und solle es auch blieben. Um das zu erreichen, sei ein Zusammenwirken verschiedener Akteure notwendig.

Alles zu langsam. Dass die reale Bautätigkeit mit dem skizzierten Mehr in diesem Bereich bisher nur schwer Schritt hält, negiert auch die Senatorin nicht. Es gebe eben die Schwierigkeit, derzeit "gleichzeitig planen und bauen" zu müssen. Und das mit einer bis vor einigen Jahren ziemlich reduzierten Verwaltung. Berlin habe sich zu spät auf die Trendwende zu einer wieder wachsenden Stadt eingestellt, so ihr Fazit.

Was ist mit den Privaten? Private Bauherren seien von ihr zunächst überhaupt nicht erwähnt worden, lautet ein Einwand nach ihrem Eingangsstatement. Dabei würden die für den größten Anteil des Wohnungszuwachses sorgen. Und nicht alle von ihnen seien Heuschrecken.

Auf diese Anbieter habe das Land aber zumindest keine direkte Weisungsmöglichkeit und können ihnen, anders als den eigenen Gesellschaften, wenig Vorgaben machen, so Lompscher Replik. Aber selbstverständlich seien diese Investitionen ein wichtiger Eckpfeiler beim Ausweiten des Wohnungsbestandes, vor allem bei größeren Projekten im Rahmen der kooperativen Baulandentwicklung. Also etwa der Verpflichtung, rund 30 Prozent der geplanten Immobilien für einen Einstiegspreis von 6,50 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung zu stellen. Dass Private günstiger ein Haus errichten als die öffentliche Hand, wie ein Besucher anmerkte, will die Senatorin aber nicht so stehen lassen.

Bauen um jeden Preis? Aber auch das wird deutlich: Katrin Lompscher verficht trotz Notlage auf dem Immobilienmarkt nicht eine Politik, "jedes Grundstück, das nicht bei drei auf dem Baum ist", zu Bauland zu machen. Die Proteste mancher Nachbarn gegen Neubauten in ihrer Umgebung müssten ernst genommen werden, selbst wenn gleichzeitig klar sei, dass es an manchen Stellen enger werde. Ebenso sei ein intaktes Umfeld, einschließlich sozialer Infrastruktur, zu berücksichtigen.

Gerade bei diesem Punkt gibt es Widerspruch, nicht zuletzt von den Vertretern der Caritas. Eine Wohnung sei der "Goldstaub" unserer Tage. Das knappe Angebot verursache Ängste und Verwerfungen bis weit in die Mittelschicht hinein. Berlin werde immer mehr zu einer Stadt, in der die Reichen im Zentrum, die Armen in den Außenbezirken und die Menschen dazwischen im Umland wohnen müssten, konterkariert Christian Thomes, Leiter der Gesundheits- und Sozialpolitik des Verbandes, das Bild der Senatorin von den noch immer durchmischten Quartieren.

Wir können auch bauen. Solche Aussagen sollt nicht zuletzt das Anliegen unterfüttern, das die Caritas ihrem Gast mit auf den Weg geben will. Es besteht vor allem in dem Hinweis, dass nicht nur dieser, sondern auch andere Träger eine Expertise in Sachen Wohnungsbau mitbringen, die bisher eher unzureichend nachgefragt werde. Dem Großanbieter auf dem Sozialmarkt geht es dabei ganz besonders um Wohnungen für Obdachlose oder von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen. Deren Unterbringung in unterschiedlichen Quartieren bis hin zu Hostels koste das Land jährlich minimum mehr als 200 Millionen Euro, rechnet Christian Thomes vor. Mit diesem Geld ließe sich bei den aktuell niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt eine Summe von mehr als sieben Milliarden Euro einsammeln. Das könnte wiederum in entsprechenden Wohnungsbau investiert werden und wäre damit nachhaltiger. Das sind Rechenspiele, die Katrin Lompscher etwas skeptisch betrachtet. Aber natürlich könnte die Caritas, wie andere Player aus der Trägerlandschaft als Bauinvestoren berücksichtigt werden. "Schicken Sie mir ein Exposé." tf
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