Engagement im Kiez: Wer dieses Jahr die Bezirksmedaille bekam

Für ihren Einsatz wurde den Initiativen Friedrichshain hilft und Kreuzberg hilft die Bezirksmedaille verliehen. (Foto: Thomas Frey)
 
Die Organisatoren von Suppe und Mucke betreiben besondere Nachbarschaftspflege. (Foto: Thomas Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Traditionell werden fünf Personen beziehungsweise Institutionen mit der Bezirksmedaille geehrt. So war es auch bei der Verleihung am 18. Februar. Hier die Preisträger 2016.

Frank Körner: Der langjährige Mitarbeiter des Hochbauamts hat sich um die Geschichte und die Denkmalpflege im Bezirk verdient gemacht. Als Kenner auf diesen Gebieten zeigt er sich vor allem bei seinen regelmäßig in den Sommermonaten stattfindenden Führungen in die Innenräume auf dem Kreuzberg im Viktoriapark. Zu jedem Detail hat er die passende Erklärung parat, die er kurzweilig präsentiert. Einige tausend Besucher wurden von ihm inzwischen durch das Gewölbe geführt. Mit den Einnahmen kann der Bezirk wiederum dort Reparaturen erledigen. Darüber hinaus engagiert sich Frank Körner unter anderem in der Gedenktafelkommission.

Lust aufs Lesen machen

Stefanie Hetze: Die im Frühjahr stattfindende "Lange Buchnacht" in und um die Oranienstraße ist inzwischen ein fester Termin im Jahreskalender. Maßgeblich ins Leben gerufen wurde sie einst von Stefanie Hetze. Im Hauptberuf ist sie seit 1994 Inhaberin der Buchhandlung Dante Connection, die bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Zur langen Buchnacht kommen regelmäßig rund 15 000 Besucher. Deshalb habe Stefanie Hetze auch dazu beigetragen, dass Kreuzberg statt mit Krawall auch mit Lust auf Lesen in Verbindung gebracht werde, lobte BVV-Vorsteherin Kristine Jaath (Bündnis 90/Grüne).

Dave Monty: Seinen Namen ist wahrscheinlich nicht jedem bekannt. Dabei gilt er als Initiator der bekanntesten Berliner Freiluft-Ausstellung – der East Side Gallery. Monty war bereits im Januar 1989 beim Amt für nationale Verteidigung der DDR mit seiner Idee vorstellig geworden, auch auf der Ostseite der Berliner Mauer Kunstwerke anzubringen. Im September hatte er dafür sogar eine mündliche Zusage bekommen. Danach überschlugen sich die Ereignisse, Stichworte friedliche Revolution in der DDR und Öffnung der Mauer. Auf die Erlaubnis konnten sich aber rund 100 Künstler aus 20 Ländern berufen, die ab Januar 1990 den Betonwall entlang der Mühlenstraße bemalten. Aus Dave Montys urspünglich als Beitrag zu "Frieden und Völkerverständigung" gedachter Aktion wurde ein "besonderes Symbol für den Wandel und das Zusammenwachsen der Stadt", so Kulturstadträtin Jana Borkamp (Bündnis 90/Grüne). Deren Urheber war dabei weitgehend in Vergessenheit geraten. Mit der Bezirksmedaille soll sich das ändern.

Festival Suppe und Mucke

Das Festival Suppe und Mucke: Seit 2009 findet dieses Straßenfest jedes Jahr an einem anderen Ort in Friedrichshain statt. Neben selbstgemachten Flüssigspeisen und Musik auf der Bühne gehören zum Programm auch Diskussionsrunden über aktuelle Themen und Probleme. Vor allem aber ist "Suppe und Mucke" eine niederschwellige Veranstaltung von Nachbarn für Nachbarn und trage damit auch viel zu gegenseitigem Kontakt und Zusammenhalt im Kiez bei, hieß es in der Laudatio.

Friedrichshain hilft und Kreuzberg hilft: Die Bezirksmedaille für diese beiden im vergangenen Spätsommer entstandenen Flüchtlingsinitiativen gab es natürlich aus aktuellem Anlass. Sie haben die Lücke gefüllt, die Staat und Verwaltung in Berlin gerissen hätten, erklärte Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis 90/Grüne).

Mitglieder der Initiativen standen bereit, wenn häufig innerhalb weniger Stunden in einer Sporthalle ein Notquartier eingerichtet werden musste. Sie helfen bei der Essensausgabe, sammeln Kleider- und andere Sachspenden, machen Betreuungsangebote und in manchen Unterkünften wäre es fraglich, ob der Betrieb ohne die Freiwilligen überhaupt irgendwie laufen würde.

Das alles seien wunderbare Zeichen gesellschaftlichen Engagements und Solidarität, würdigte die Bürgermeisterin. "Es ist gut, das so viele Menschen hier tätig sind. Aber es ist eine Schande, das der Staat sich darauf verlässt, dass sie es tun." Schon deshalb hätten sie großen Respekt und Dank verdient. tf
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