Zufriedene Alte: Senioren berichten aus ihrem Leben

Historikerin Marion Schütt und Gisela Grunwald, Geschäftsführerin der Sozialstiftung Köpenick, stehen vor einem Ausstellungsporträt im Rathaus Köpenick. (Foto: Steffi Bey)
 
Klaus-Dieter Rühling hört und schaut sich die Ausstellung auch per Audiostation an. (Foto: Steffi Bey)
Berlin: Rathaus Köpenick |

Köpenick. „Wie fühlt sich Alter an?“ heißt die aktuelle Ausstellung im Rathaus Köpenick. Zwölf Senioren berichten, wie sie trotz Einschränkungen ein erfülltes Leben führen.

Die Gesichter auf den großen Fotowänden erzählen ihre Geschichten. Von einem Leben in schwierigen Zeiten, von Hunger und Not aber auch von Aufbruchsstimmung, Hoffnung und Liebe. Es scheint, als wenn die vielen Falten, die sich beim Lächeln noch stärker zeigen, dem Betrachter sagen: „Schaut her, ich bin zwar nicht mehr jung, aber zufrieden und lebe gern.“

Zwölf Frauen und Männer im Alter zwischen 63 und 102 Jahren stehen im Mittelpunkt der besonderen Schau im Rathaus. Sie wohnen alle in Einrichtungen der Sozialstiftung Köpenick und sie haben alle etwas zu erzählen. „Zunächst vielleicht etwas zögerlich“, sagt die Historikerin und Fotografin Marion Schütt von synopsisfilm Berlin lächelnd. Doch im Laufe der vielen Gespräche und Interviews, die sie gemeinsam mit zwei Journalistinnen führte, berichteten die Befragen dann doch anschaulich aus ihrer Vergangenheit und Gegenwart. Wie zum Beispiel die 90-jährige Waltraut. „Es ist eine Frage der Einstellung, ob man zufrieden ist oder nicht“, steht für die Seniorin fest. Nach dem Krieg nahm sie zunächst an einem Neulehrer-Kurs teil und arbeitete später in einem mathematischen Institut. Zwei Kinder zog sie groß und lebte mit ihrem Mann in Köpenick. Sie pflegte den Demenzkranken, aber nach ihrem Rückenwirbelbruch ging das nicht mehr. Waltraut muss nun im Rollstuhl sitzen und wohnt jetzt im Seniorenzentrum an der Werlsestraße. Sie fühlt sich dort wohl. „Ich sehe ein, dass ich auf das Essen auch mal warten muss“, sagt sie bescheiden.

Auch der 1921 geborene Walter lebt seit vier Jahren in diesem Zentrum. „Für mich ist das Altersheim die beste Lösung, aber es ist nicht die schönste“, sagt er. Er habe einen geordneten Tagesablauf, gehe täglich ein bisschen raus und engagiere sich im Bewohnerbeirat.

Berührt sind die drei Interviewerinnen ebenso von der Lebensgeschichte der inzwischen 103-jährigen Käthe. Bis zu ihrem 90. Lebensjahr arbeitete sie in einem Steuerbüro. Von einem Tag auf den anderen war damit allerdings Schluss: Auf dem linken Auge ist die Rentnerin blind. Mit dem neuen Umfeld hat sie sich arrangiert, lässt sich auf die anderen ein, wäscht sich noch selber, zieht sich allein an und macht täglich ihr Bett. Auf die Frage, ob es Dinge gibt, worauf man sich freuen kann, wenn man alt wird, antwortet die Seniorin: „Na, jetzt hat man Zeit zum Lesen und zum Spazierengehen.“

Marion Schütt macht deutlich, die Ausstellung sei keine wissenschaftliche Studie, vielmehr stehen die individuellen Biografien älterer Menschen im Mittelpunkt. „Unsere Gesprächspartner haben alle gesundheitliche Probleme und sind pflegebedürftig. Doch mit ihrem Leben sind bis auf zwei wirklich alle zufrieden“, betont die Historikerin.

Ziel der veröffentlichten Bildtafeln und Interviews sei es, Menschen mit verschiedenen Lebensmaximen darzustellen, die ihnen dabei helfen, auch mit behinderungsbedingten Beeinträchtigungen einen erfüllten Alltag zu führen. SB

Die Ausstellung „Wie fühlt sich das Alter an? – Zwölf Antworten“ ist bis zum 24. Februar im Rathaus Köpenick zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr.
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