Aktionskünstler präsentiert Skulptur zum Jubiläum

Der Künstler Ben Wagin macht mit seiner Installation darauf aufmerksam, dass die Mauer auch ein unglaubliches Bürokratiemonster war. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Der designierte Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat mit S-Bahn-Geschäftsführer Christoph Wachendorf und Künstler Ben Wagin die Mauerinstallation im Nordbahnhof eröffnet.

Wagin (85) beschäftigt sich seit Jahren mit Berlins Mauergeschichte. Bekanntestes Beispiel ist das Parlament der Bäume am früheren Grenzstreifen im heutigen Regierungsviertel. Noch bis zum 11. November steht im Foyer der ehemaligen Schalterhalle des Nordbahnhofs (Eingang Gartenstraße) das Kunstwerk "Mauer - keine Dauer". Wagin hat den Grenzwall als Aktenmauer rekonstruiert und will anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls darauf aufmerksam machen, welcher Bürokratiewahnsinn hinter den Verbrechen und Schicksalen steckt. Die Mauerteile aus Aktenordnern, auf die CDs geklebt sind, sollen das symbolisieren.

Für den Mauerbau, die Überwachung und Verfolgung der Fluchtwilligen wurden Unmengen von Akten angelegt. In Wagins Kunstwerk stehen sie auf Europaletten. Sie bringen dadurch Ben Wagins Mauerteile auf Augenhöhe, sollen aber vor allem zeigen, dass die Mauer bei wirtschaftlichen Interessen auf beiden Seiten durchlässig war. Die Europaletten wurden in Polen aus Kiefernholz gefertigt und in der DDR mit, zum Teil in Zwangsarbeit in Gefängnissen hergestellten IKEA-Möbeln oder Kühlschränken für westdeutsche Versandhäuser beladen und quer durch Europa verschickt, heißt es.

Zwischen den Mauerpaletten stehen Figuren, die Grenzer auf Wachtürmen darstellen sollen. "Denn zum Mordinstrument wurde die Mauer durch Menschen, die dazu da waren, auf andere Menschen zu schießen", wie Rainer E. Klemke von Wagins Baumpatenverein bei der Vernissage sagte. Dass die Soldaten selbst Gefangene der SED-Diktatur waren, symbolisiert die innere Gitterstruktur in den Türmen.

Die Ausstellung im Nordbahnhof direkt neben der Mauergedenkstätte passt bestens hierher. Der Bahnhof an der Grenze war 29 Jahre lang ein Geisterbahnhof. S-Bahnen durften hier nicht halten, alle Zugänge waren zugemauert. Über diese Geschichte informieren historische Aufnahmen, die für die Ausstellung auf die Aktenmauer geklebt wurden. Wagins Installation war schon am Brandenburger Tor und im EU-Parlament in Brüssel zu sehen.

Die Ausstellung im Nordbahnhof-Foyer ist bis 11. November rund um die Uhr geöffnet. Ein Sicherheitsdienst der Bahn bewacht die Skulptur, damit niemand etwas zerstört.

Dirk Jericho / DJ
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