Ausstellung zu Hitlers Welthauptstadt-Plänen im U-Bahnhof Gesundbrunnen

Kurator Gernot Schaulinski vor dem Germania-Modell mit der Ruhmeshalle, die am heutigen Hauptbahnhof gebaut werden sollte. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Die Ausstellung "Mythos Germania - Vision und Verbrechen" vom Verein Berliner Unterwelten will Legenden und Klischees rund um die "Welthauptstadt Germania" dekonstruieren.

Am Spreebogen, wo heute der Hauptbahnhof steht, sollte die "Große Halle des Volkes" oder "Ruhmeshalle" 180 000 Nazigetreuen als Aufmarschgebiet dienen. Mit einer Kantenlänge von 320 Metern und einer Höhe von 290 Metern wäre das Baumonster das markanteste Gebäude in Hitlers Reichshauptstadt geworden.

Sein Architekt Albert Speer plante ab 1936 als "Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Berlin" (GBI) den in Beton gegossenen Naziwahn. Vom heutigen Bahnhof Wedding bis zum Südkreuz sollte sich die Nord-Süd-Achse durch die Stadt schneiden; mit gigantischen Verwaltungsgebäuden, Führerpalast und Triumphbogen. 1950 sollte alles fertig sein.

"Berlin wäre großflächig zerstört worden", sagt der Historiker Gernot Schaulinski, der die Ausstellung "Mythos Germania - Vision und Verbrechen" für den Verein Berliner Unterwelten konzipiert hat. Im Spreebogen ließ der GBI ganze Häuserblöcke abreißen. Die Stadtpalais im nordwestlich vom Reichstag gelegenen Alsenviertel standen dem Bau der "Großen Halle" im Weg. Sogar mehrere Friedhöfe wurden für die Nord-Süd-Achse beräumt.

In einer sieben Meter hohen Halle zwischen den Schächten im U-Bahnhof Gesundbrunnen kann man sich ab sofort detailliert über die gigantischen Germania-Planungen informieren. Über 20 Wissenschaftler und Historiker, darunter der US-amerikanische Reichstagsexperte Michael S. Cullen, haben an dem Projekt mitgewirkt. Schon die Karte im Eingangsraum mit dem "Generalbebauungsplan für die Reichshauptstadt" zeigt die aberwitzigen Ausmaße. Das 14 Meter lange Germania-Modell als Hauptexponat - hergestellt für den Film "Der Untergang" (2004) - verdeutlicht das Gigantische. Die Leuchtwand dahinter mit KZ-Häftlingen soll die verbrecherischen Dimensionen des Großbauprojektes zeigen. Denn den Ausstellungsmachern geht es weniger "um die Ausmaße der Monumentalbauten, sondern um die verbrecherischen Konsequenzen", so Schaulinski. Vertreibung, Zwangsarbeit, Ermordung. Albert Speer war für die Verschleppung Hunderttausender Menschen zur Zwangsarbeit verantwortlich. Für Hitlers Welthauptstadt-Fantasien hätten bis zu 50 000 Wohnungen abgerissen werden müssen. Die Nazibürokraten deportierten Zigtausende Juden und schickten sie in die Vernichtungslager, um Ersatzwohnraum für die umzusetzenden Deutschen zu schaffen. Speer forcierte die Vertreibung der Juden aus ihren Wohnungen. Die Karte "Judenreine Gebiete" rund um den Ku’damm veranschaulicht dieses Verbrechen.

Die Dauerausstellung "Mythos Germania - Vision und Verbrechen" ist Donnerstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Tickets (fünf, ermäßigt vier Euro) gibt es ausschließlich im Pavillon des Vereins Berliner Unterwelten in der Brunnenstraße 105. Die Kasse schließt um 16 Uhr.


Dirk Jericho / DJ
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